Atelierhaus Stoecklin Emil Becher und Eugen Tamm | Basler Baukultur entdecken. No 41

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Der frühe Erfolg als Maler gestattete Niklaus Stoecklin (1896–1982) bereits im Alter von 32 Jahren den Bau eines eigenen Atelierhauses. Anlass dazu gab der bevorstehende Abbruch seines Domizils an der
St. Johanns-Vorstadt in Basel. Der Kauf des Grundstücks am Rand des Hochplateaus zwischen Riehen und Basel war gebunden an ein Projekt der Grundeigentümer Bercher & Tamm, eines Basler Architekturbüros, das 1922 in unmittelbarer Nähe die Genossenschaftssiedlung «Gartenfreund» realisierte. Die Häuser weisen mit den breiten Giebelfassaden und den weit heruntergezogenen Satteldächern denn auch eine unverkennbare stilistische Verwandtschaft auf.

Die klare, geometrischen Grundsätzen gehorchende Raumanordnung gibt einen Hinweis darauf, dass der in ästhetischen Proportionen geschulte Stoecklin bei der Planung mitwirkte. Die Räume im Erdgeschoss sind ausserordentlich grosszügig und klar dimensioniert. Einen integralen Bestandteil des Wohnhauses bildet das Maleratelier, das von aussen nur durch das Dachflächenfenster an der Nordwestseite zu lokalisieren ist. Typologisch ist das Atelierhaus Stoecklin damit der repräsentativen Künstlervilla des 19. Jahrhunderts, vertreten etwa durch die Villa Mohrhalde in Riehen, näher verwandt als dem am Gewerbebau orientierten «funktionalen Schuppen» des Neuen Bauens.

Dem Wohnraum vorgelagert ist eine von seitlichen Glaswänden geschützte Veranda. Sie bietet eine prächtige Sicht über die damals noch weitgehend unbebaute Rheinebene bis nach Basel. Von besonderem Reiz ist der von Stoecklin und seiner Frau entworfene Architekturgarten mit zentralem Wasserbassin, der sich im Sinn einer Erweiterung des Wohnraums den gestalterischen Vorgaben des Wohnhauses anpasst. Im Lauf der Jahre verdichtete sich der Garten, der inzwischen verändert wurde, durch den reichen Pflanzenwuchs zu einem eigentlichen «hortus conclusus».

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Funktion: Wohnhaus
Adresse: Morystrasse 6, Riehen
Bauzeit: 1928
Architekten: Emil Becher und Eugen Tamm

Quelle: Faltblatt „Baukultur entdecken“ / Schweizer Heimatschutz
Text: © Mirjam Brunner
Foto: © Lilli Kehl

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