Atelierhaus Wenk von Paul Artaria und Hans Schmidt | Basler Baukultur entdecken. No 38

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Das Atelierhaus für den Maler Willi Wenk (1890– 1956) ist ideell wie technisch-konstruktiv ein Demonstrationsstück des modernen Holzbaus. Zum einen veranschaulicht es, wie sich dank einfacher und kostengünstiger Materialverarbeitung auch für wenig Geld individuell und gut wohnen lässt und berührt damit ein Thema, das die Architekten des Neuen Bauens auf der Suche nach der geeigneten «Wohnung für das Existenzminimum» jahrelang beschäftigte. Zum anderen experimentierten Artaria & Schmidt beim Haus Wenk mit einem neuartigen Konstruktionssystem, das unabhängig von der inneren Raumeinteilung funktioniert und beliebig erweiterbar ist.

Es basiert auf einer aussen wie innen holzverschalten Tragstruktur aus vertikalen Ständern und horizontalen Balkenlagen und antizipert damit die Stahlskelettbauweise mit der Möglichkeit einer freien Grundriss- und Fassadengestaltung. Zwei im rechten Winkel aneinander gefügte Baukörper mit gegenläufigen Pultdächern signalisieren unterschiedliche Funktionsbereiche. Den Kopfbau bildet das Atelier mit grossem Nordfenster gegen die Strasse, dahinter erstreckt sich der lang gezogene, nur einraumtiefe Wohnflügel mit Küche und Vorplatz als Schnittstelle zwischen Wohnen und Arbeiten. Die unkonventionelle Raumanordnung verrät die Aufgeschlossenheit der Bauherren neuen Lebensformen gegenüber. Die Räume des Wohntraktes sind ohne internen Verbindungsgang hintereinander geschaltet und werden vom Eingang her zunehmend privater. Das Bad am Südende des Wohnflügels ist nur vom Schlafzimmer her zugänglich. Da innerhalb dieses Raumkonzeptes das Gastzimmer keinen Platz fand, wurde es in Form einer geschlossenen Galerie ins Atelier ausgelagert.

1939 erhielt das Haus an den ungeschützten Fassaden eine von Artaria gebilligte Verkleidung mit Eternitschindeln. Auch der Einbau der Autogarage an Stelle der Waschküche ist eine spätere Änderung.

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Funktion: Atelierhaus
Adresse: Mooshaldenweg 5, Riehen
Bauzeit: 1926
Architekten: Paul Artaria und Hans Schmidt

Quelle: Faltblatt „Baukultur entdecken“ / Schweizer Heimatschutz
Text: © Mirjam Brunner
Foto: © Bruno Thüring

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