Barbara Buser baut Roche-Türme – April-Upcycling beim Pharma-Multi

0

Die Roche hat grosse Pläne auf dem Südareal zwischen Grenzacherstrasse und Rheinpromenade. Wie der Pharmakonzern vergangenen November bekanntgab, soll das Areal „durch eine lockere Bebauung inmitten von Grünflächen“ weiterentwickelt werden. Die städtebauliche Studie wurde von Herzog & de Meuron entwickelt. Nun teilte die Roche überraschenderweise mit, dass die weiteren Türme nicht von den Basler Stararchitekten geplant würden. Der Pharma-Multi entschied sich stattdessen für die Basler Architektin Barbara Buser. Sie wurde mit ihrem baubüro in situ mit dem Auftrag betraut. Was für ein fulminanter Auftakt in den April! Architektur Basel kennt die Hintergründe.

Bebauungsplan © F. Hoffmann-La Roche Ltd

Widerstand des Denkmalrats gegen Abbruchpläne
Die Roche will sich zum Rhein hin öffnen. Die städtebauliche Idee von Herzog & de Meuron ist nachvollziehbar und schlüssig. Das Südareal soll gemäss Architekten „visuell geöffnet und durchlässiger“ werden. Ausserdem wird die Rheinpromenade aufgewertet – ein Gewinn für die Öffentlichkeit. Doch die schönen Pläne haben einen Haken: Ihnen würde schutzwürdige Bausubstanz von höchster baukultureller Qualität zum Opfer fallen. Namentlich Bauten der legendären Roche-Architekten Roland Rohn und Otto Rudolf Salvisberg. Dagegen hatte der Denkmalrat nach Bekanntwerden der Abbruchpläne Einsprache erhoben und die Unterschutzstellung der Bauten beantragt. Nun zeichnet sich in diesem Konflikt eine unkonventionelle Lösung ab.

Aus der Vogelperspektive © F. Hoffmann-La Roche Ltd

Radikaler Ansatz des Weiterbauens
Unter regierungsrätlicher Vermittlung von Hans-Peter Wessels wurden die Pläne umgeschmiedet. Neu an Bord geholt wurde die Architektin und Umnutzungsspezialistin Barbara Buser. Ihr Projekt ist radikal – und zukunftsweisend zugleich: „Wir werden auf dem Südareal einen grossen Umbau planen. 90 Prozent der bestehenden Bauteile auf dem Areal werden für den Bau der drei neuen Hochhäuser wiederverwendet.“ Man müsse sich das ein bisschen wie ein Legospiel vorstellen: „Wir analysieren und kategorisieren sämtliche vorhandenen Bauteile, bauen diese sorgfältig zurück, rüsten sie je nach Bedarf nach und setzen sie dann neu zusammen.“ Beispielsweise seien die Fassadenelemente der Rohn-Bauten am Rhein in „hervorragendem“ Zustand. Man müsse lediglich die Dämmung und Abdichtungen nachrüsten. Buser weiter: „Wir werden die charakteristischen Fassadenpanels von Rohn für die Hochhäuser anpassen und wiederverwenden. Das nennt man Upcycling.“ Ein bestechender Ansatz, wie Standortleiter Jürg Erismann findet: „Der Vorschlag von Buser ist brillant. Damit lebt die grossartige Roche-Baukultur, die DNA unserer Bauten, wortwörtlich weiter.“

Bestehende Rheinfront des Roche-Areal © zVg

Regierungsrat Hans-Peter Wessels ist begeistert
Der abtretende Regierungsrat Hans-Peter Wessels zeigt sich begeistert: „Ich gratuliere der Roche zu diesem enormen Schritt. Ich freue mich riesig für den Forschungsstandort Schweiz!“ Tatsächlich ist das Projekt äusserst ambitioniert – und von höchster logistischer Komplexität. Architektin Buser erklärt die Vorteile: „Die Roche wird dank unserem Projekt zum Vorreiter punkto Kreislaufwirtschaft. Die qualitativ hochwertige Bausubstanz der bestehenden Gebäude kann weiterverwendet werden – damit sparen wir enorme Mengen grauer Energie.“ Das tönt alles vielversprechend – doch was sagt der Denkmalrat zum überarbeiteten Projekt auf dem Südareal? Der Präsident des Denkmalrats,  Eugen Krieger, schreibt auf Anfrage von Architektur Basel: „Wir haben im Rat lange und kontrovers über das unkonventionelle Projekt diskutiert. Am Ende konnten wir uns darauf einigen, den neuartigen Ansatz des konsequenten Weiterbauens mit gewissen Vorbehalten zu unterstützen. Wir werden folglich unseren Antrag zur Unterschutzstellung zurückziehen. Nichtsdestotrotz wird die kantonale Denkmalpflege das Projekt in der weiteren Entwicklung eng begleiten.“

Neue Rheinfront des Südareals mit drei Hochhäusern von Barbara Buser © AlvDalb Images

Masterplan baubüro in situ: Neue Rheinfront des Südareals mit drei Hochhäuser bekleidet mit wiederverwendeten Fassadenelementen der Bauten von Roland Rohn © Visualisierung: AlvDalb Images / baubüro in situ

„Das kann nur Basel“
An der Medienkonferenz im Roche-Turm ertönt schallendes Gelächter. Hans-Peter Wessels zwinkert in die Runde und fasst euphorisch zusammen: „Das kann nur Basel: Ökologische Bauweise, moderne Infrastruktur für die Roche, mehr Raum für die Öffentlichkeit! Was wollt ihr mehr?“ Auch Jürg Erismann ist sichtlich stolz auf das neue Projekt: „Damit werden wir dem herausragenden, baulichen Erbe der beiden Roche-Architekten Roland Rohn und Otto Rudolf Salvisberg gerecht.“ Man darf auf die Umsetzung gespannt sein. Der gewählte Ansatz entspricht auf jeden Fall dem Roche-Firmencredo: „Bei uns hat Innovation Tradition.“

Text: Richard Meier / Architektur Basel


WICHTIGER HINWEIS:
Der vorliegende Artikel kann Spuren von Satire enthalten. Bei Fragen oder Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihren Sinn für Humor oder konsultieren das Erscheinungsdatum.

Links:
https://www.insitu.ch/
https://www.roche.ch/

Teile diesen Beitrag!

Comments are closed.