Burgfelden – zwei grenzüberschreitende Projekte

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Die Schweiz und Frankreich sind direkte Nachbarn, insbesondere Basel und St.Louis scheinen in in vieler Hinsicht längst zusammengewachsen. Zwei Projekte im Grenzgebiet Burgfelden geben Einblicke in die gesellschaftliche Entwicklung. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Hier und Jetzt» von «Architekturdialoge Basel» treffen wir uns vor den Pforten der Universitären Psychiatrischen Kliniken.

Burgfeldenpark

Die UPK als Startpunkt ist nicht ganz zufällig. Mit einer Umgestaltung zur Zufahrtssituation und Patientenannahme hat hier alles begonnen. Mit dem Fortschritt in der medizinischen Behandlung haben sich die UPK in den vergangenen Jahren immer mehr nach aussen geöffnet. Diesen Prozess haben diverse Institutionen in der näheren Umgebung ebenfalls mal bewusster, mal unbewusster gemacht. Zeit also, das Gebiet als Ganzes zu betrachten? Ja, meint Daniel Baur von Bryum, der uns durch die Gärten und Spazierwege der UPK und des Bürgerspitals führt. Erst bei einer gesamtheitlichen Betrachtung habe sich das Potential eines grenzüberschreitenden Parks gezeigt, der bis anhin gar nicht zu erkennen war. Viele der Institutionen haben sich über Jahre als Insel weiterentwickelt, nun sei erstmals über mögliche Synergien nachgedacht worden. Die IG Burgfeldenpark, der mehrere Projektträger angehören, unter anderen die Rehab Basel, das Sportzentrum Pfaffenholz oder Les Jardin de Francette, zeigt sich heute als Gemeinschaft für das Gebiet verantwortlich. Verschiedene zusammenhängende Spazierwege führen beispielsweise durch das Freizeitgartenareal Milchsuppe in Basel oder durch den Parc de Baerenfels in St.Louis. Die Entwicklung sei aber nicht nur in gesellschaftlicher Hinsicht positiv, so Daniel Baur, sondern auch was den Grün- und Baumbestand anbelangt. Die Bepflanzung auf dem Areal der UPK hat sich in der Vergangenheit etwas ungelenk entwickelt, weshalb es nötig war, gezielt Bäume und Sträucher zu entfernen. Die nun wiederhergestellte leichte Baumbepflanzung mit den Gebäuden als Pavillons lehnt sich wieder an den Ursprungszustand an und bringt den visuellen Durchblick zurück, den der dichte Wald uns lange verwehrt hat. Das Entwicklungskonzept soll nicht konservatorischen Charakter haben, so Baur, pro Jahr werden 1% der älteren Bäume gefällt und gegebenenfalls durch für unser immer trockeneres Klima geeignetere Arten ersetzt.
Der Spazierweg hat eine Länge von 5 km und führt gleichermassen über schweizerischen und französischen Boden. Es finden sich ein Tiergarten, Sportanlagen, diverse Restaurants, Cafés und Sitzgelegenheiten.

Neue Zollanlage und Tramhaltestelle

Unser Spaziergang endet an der neuen Zollanlage von Nord Architekten an der schweizerisch-französischen Grenze. Ein helles Betondach überspannt die Fahrbahn der Burgfelderstrasse. Durch die Faltung öffnet es sich nach allen Seiten und wirkt auf den ersten Blick überhaupt nicht wie eine Zollstation. Den Hinweis auf die Nutzung gibt die spiegelnde Abfertigungskabine mit der filigranen Beschriftung aus gebogenem Metall.
Obschon das neue Bauwerk direkt vor dem ehemaligen Zollgebäude steht, verkommt es keineswegs zum Vordach. Dafür ist es vermutlich zu gross. Seine Abmessungen bedrängen das dahinterstehende Gebäude aber auch nicht. Die Kombination aus Gebäude, Kabine und Dach geben eine sehr harmonische Situation ab. Die Gesamtanlage unterstützt diesen Eindruck. Die neue Zollanlage bildet in sich nämlich eine kleine Insel. Drum herum führt die Wendeschleife der Tramlinie 3. Projektbestandteil war neben der Überdachung auch eine Tramstation und ein Infrastrukturgebäude für die BVB mit sanitären Einrichtungen für Fahrgäste, Personal und die angrenzenden Familiengärten. Die länderverbindende Tramlinie 3 war denn auch die Intention für den Neubau der gesamten Anlage. Die Endhaltestelle im französischen St.Louis befindet sich derzeit noch im Bau. Erste Testfahrten haben aber bereits stattgefunden.
Patrick Gantenbein vom Grenzwachtkorps der Region Basel erläutert die technischen Anforderungen an die Neubauten. Die offene und unkomplizierte Architektur sei ein entscheidender Vorteil für die Arbeit des Personals. Neben der neuen Belichtung, die Personen- und Fahrzeugkontrollen in der Nacht wesentlich einfacherer und sicherer machen, sei es von Vorteil, sich im Ernstfall schnell zurückziehen zu können – Mauern und Hindernisse wären da nur hinderlich. Die schiere höhe des Daches hat laut Gantenbein damit zu tun, dass Schwertransporte mit Überhöhe nicht über den Autobahnzoll geführt werden können und daher von Frankreich her kommend via Burgfelden in die Schweiz gelangen. Das etwas kurios wirkende Spiegelglas der Abfertigungskabine unterstützt die Grenzkontrolle insofern, alsdass für den Kunden nicht klar sichtbar sei, ob die Station nun besetzt sei oder nicht. Darin befinden sich ein Kundenschalter und ein Arbeitsplatz. Im Gegensatz zum Grenzwachtposten Hiltalingerstrasse in Basel, bzw. Weil am Rhein, der als Gemeinschaftsanlage mit Deutschland betrieben wird, gehört der Zoll Burgfelden alleine der eidgenössischen Zollverwaltung. Frankreich indes kontrolliert die Grenze nur noch mobil.

Die beiden Projekte zeigen unterschiedliche Lösungen zur Bewirtschaftung von ehemaligem Niemandsland im Grenzgebiet. Noch heute stehen Grenzzäune unnötig inmitten von Quartieren. Doch eigentlich ist die Region schon längst zusammengewachsen. Der Burgfeldenpark von Bryum zeigt das exemplarisch, wenn auch nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Umso zeichenhafter präsentiert sich die Zollanlage von Nord Architekten. Abgesehen von der hohen architektonischen Qualität des neuen Ensembles bleibt die Frage, ob eine Zollanlage in diesem Sinne überhaupt notwendig ist – für das Quartier aber auch für Basel existiert die Grenze zu Frankreich ohnehin nur noch auf dem Papier.

Burgfeldenpark: Bryum, Büro für urbane Interventionen und Landschaftsarchitektur, Basel
Zoll Basel Burgfelden: Nord GmbH Architekten, Basel
Text und Fotos: © Simon Heiniger / Architektur Basel

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