Christ & Gantenbein und Herzog & de Meuron: Basler bauen Zürich

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Das Zürcher Hochschulgebiet soll im grossen Stil umgebaut und verdichtet werden. Die Pläne dazu stammen aus Basler Feder: Herzog & de Meuron sowie Christ & Gantenbein konnten die entsprechenden Architektur-Wettbewerbe für sich entscheiden. Wir werfen einen Blick auf die beiden Projekte.

Übersichtsplan für das Hochschulgebiet Zürich Zentrum (HGZZ) aus dem Weissbuch © ARGE Studio Vulkan mit KCAP Architekten

Übersichtsplan für das Hochschulgebiet Zürich Zentrum (HGZZ) aus dem Weissbuch © ARGE Studio Vulkan mit KCAP Architekten

Die Schweiz sei eigentlich kein Land der städtebaulichen Würfe, schreibt die NZZ, um fast euphorisch anzufügen: „Umso erfreulicher ist es, dass im Zürcher Hochschulgebiet nun tatsächlich Städtebau im besten Sinne betrieben wird.“ Der Zürcher Lobgesang auf die Leistung der Basler Architekten ist bemerkenswert: „Da auch die sorgfältig gestalteten Bauprojekte von Herzog & de Meuron und von Christ & Gantenbein überzeugen, darf man tatsächlich mit einer Aufwertung des Hochschulquartiers rechnen.“ Die beiden Basler Büros werden das Forum der Universität Zürich (Herzog & de Meuron) und den Neubau Universitätsspital (Christ & Gantenbein) realisieren. Zwei der bedeutendesten Bauprojekte der Stadt Zürich in den kommenden Jahren notabene.

Vogelperspektive Hochschulgebiet, Visualisierung © HGZZ

Vogelperspektive Hochschulgebiet, Visualisierung © HGZZ

Forum Universität Zürich von Herzog & de Meuron
Herzog & de Meuron werden für die Uni ein neues Bildungs- und Forschungszentrum realisieren. Das sogenannte Forum UZH soll in der Ecke zwischen Rämi- und Gloriastrasse stehen, wo sich heute einige Turnhallen und ein Sportplatz befinden. „Gläser und davor eine leichtfüssige, je nach Geschoss differenzierte, elegante Plastik aus weissen, geometrisch wohlgeformten Brise-soleils. Man assoziiert mediterrane Architektur oder Oscar Niemeyer, Brasilien, gerade im Verbund mit der grossen Gloriaterrasse. Jedenfalls wirkt dieser Bau wohltuend unschweizerisch, als ob er aus einem anderen Land stammte“, beschreibt Rahel Marti im Hochparterre ihre Eindrücke.

Forum UZH, Blick auf von der Rämistrasse, Visualisierung © Herzog & de Meuron

Forum UZH, Blick auf von der Rämistrasse, Visualisierung © Herzog & de Meuron

Städtebaulich überzeugen Herzog & de Meuron mit einem besonderen Kniff: „Der Entwurf wartet mit einer grossen Überraschung auf: Das Gebäude ist so weit von der Rämistrasse zurückversetzt, dass davor ein zusätzlicher öffentlicher Platz entsteht“, steht im Tagesanzeiger – und weiter: „Alle anderen Entwürfe sahen wuchtige Bauten vor, die direkt an die Rämistrasse angrenzen. Selbst die schärfsten Kritiker des Hochschulquartiers zeigten sich heute sehr angetan von dieser Idee.“ Ideen muss man haben! Herzog & de Meuron waren das einzige von elf am Wettbewerb beteiligten Architektenteams, die auf eine solche Lösung kamen.

Forum UZH, Hörsäle rund um das Forum © Herzog & de Meuron

Forum UZH, Hörsäle rund um das Forum © Herzog & de Meuron

Neubau Universitätsspital von Christ & Gantenbein
Der von Christ & Gantenbein vorgeschlagene Neubau besteht aus zwei Häusern, die mit den historischen Bauten ein Ensemble bilden sollen. Ihr besonderes Merkmal ist, dass sie nicht aus der Umgebung herausragen: Sogar das Dach des höheren, hangwärts gelegenen Gebäudes kommt nur auf 499 Meter über Meer statt auf die maximal erlaubten 512 Meter. „Möglich geworden sei das unter anderem, weil man noch einmal über die Bücher gegangen sei und alles ausgelagert habe, was nicht zwingend ins Zentrum gehöre,“ erklärt der Tagesanzeiger den cleveren Schachzug der Architekten.

Christ & Gantenbein, Erweiterung Universitätsspital Zürich, Blick vom Park, Visualisierung © Ponnie Images

Christ & Gantenbein, Erweiterung Universitätsspital Zürich, Blick vom Park, Visualisierung © Ponnie Images

„Kurz gesagt: Wir bauen kein Spital!“, fasst Christoph Gantenbein das Credo der Architekten zusammen: „Natürlich gibt es Operationssäle und ähnliche Einrichtungen. Aber mengenmässig ist das ein kleiner Teil. Es gibt auch die Patientenzimmer, Büros, es gibt Labors, Restaurants und Läden. Wir haben also nicht ein Haus entwickelt, sondern ein Quartier.“ Und Emanuel Christ ergänzt: „Humane Räume, menschlicher Massstab, natürliche Materialien, Beziehung zur Stadt. Das sind die Stichworte, die für unsere Arbeit leitend waren.“ Alles Themen, die die beiden Architekten direkt vor ihrer Bürotür an der Spitalstrasse in Basel vorfanden, nämlich beim Klinikum I des Basler Unispitals (1939-1945), wo die Frage des menschlichen Massstabs für den Architekten Hermann Baur ebenfalls von zentraler Bedeutung war.

Christ & Gantenbein, Universitätsspital Zürich, Magistrale, Visualisierung © Ponnie Images

Christ & Gantenbein, Universitätsspital Zürich, Magistrale, Visualisierung © Ponnie Images

Zukunftsmusik: Fertigstellung zwischen 2026 und 2037
Bis die beiden Bauten feierlich eröffnet werden können, wird es noch etwas dauern. Ob es politischen Widerstand geben wird, steht ebenfalls noch in den Sternen. Wenn alles nach Plan läuft, soll das Forum 2026 in Betrieb genommen werden; die erste Etappe des Spitals ein Jahr früher. Die Fertigstellung des Gesamtbaus ist jedoch erst auf 2037 vorgesehen. Zukunftsmusik also.

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel

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