«Die Architektur hat ein eigenes Museum verdient!» Das Schweizerische Architekturmuseum S AM feiert seinen 35. Geburtstag!

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Am Steinenberg fliegen die Korken: das Schweizerische Architekturmuseum S AM feiert heuer seinen 35. Geburtstag. Wir gratulieren. In der aktuellen Ausstellung blickt das Museum auf seine abwechslungsreiche Geschichte zurück.

Vom Sammlerstück bis zur nie erschienenen Publikation: das Kuratorenteam stieg tief ins Archiv © Architektur Basel

Vom Sammlerstück bis zur nie erschienenen Publikation: das Kuratorenteam stieg tief ins Archiv © Architektur Basel

Begonnen hat alles mit dem drohenden Abriss des Domus-Haus der Architekten Rasser & Vadi am Pfluggässlein in Basel. Das war 1984. Eine eigens dafür gegründete Stiftung beschloss, das Gebäude zu erstehen; es existiert noch heute. Um die leeren Mauern mit Leben zu füllen, gründete man kurzum ein Architekturmuseum. Damit war man nicht alleine in Europa. Trotzdem konnte man gleich für die erste Ausstellung niemand geringeres als den Künstler Cristo engagieren. Da sich das Domus-Haus als Eckgebäude ganz nach Cristo selbst schlecht in Folie einwickeln lies, stülpte dieser die Hülle um den Innenraum, Treppenhäuser und Gänge. Im Weiteren konnte das Architekturmuseum AM, wie es damals noch hiess, abwechslungsweise nationale aber auch immer internationale Ausstellende für sich gewinnen, etwa Jean Prouvé oder Santiago Calatrava.

Die Plakate von Claudiabasel fallen durch ihre Farbigkeit auf © S AM Basel, Claudiabasel

Die Plakate von Claudiabasel fallen durch ihre Farbigkeit auf © S AM Basel, Claudiabasel

Das Museum experimentierte mit den verschiedensten Arten der Medien. So lud man Besuchende etwa dazu ein, das Basler Münster mittels Bastelbogen selbst nachzubauen. Eine neu entdeckte 1999 erstellte VHS-Kassette wurde vom Staatsarchiv Basel-Stadt für die Geburtstags-Retrospektive digitalisiert. Der Film mit dem nimmeralternden Titel «Architektur Baustelle Basel» ist im Museum zu sehen.

Kurator Andreas Kofler:
«das S AM ist diverser und zugänglicher geworden. Wir sind offen für alle!»

Die 170 Ausstellungen wurden und werden immer publizistisch begleitet. Bis auf wenige Ausnahmen sind sämtliche Werke, die in dieser Zeit entstanden sind zu sehen. An den Wänden zeigen Ausstellungsplakate chronologisch den öffentlichen Auftritt. Beinahe selbstkritisch blickt Kurator Andreas Kofler auf die diversen Faltblätter, Jahreshefte und Architekturführer zurück. «Hatten wir anfangs ganz in Architektenmanier schwarz-weisse Hefte für das Fachpublikum erstellt, so sind unsere Publikationen und Ausstellungen zwischenzeitlich um einiges farbiger und auch für ein grosses Laienpublikum verständlich und interessant. Denn Architektur geht uns alle an! Das S AM ist diverser und zugänglicher geworden!»

Insbesondere seit das Grafikbüro «Claudiabasel» dem Museum, das sich seit 2006 «Schweizerisches Architekturmuseum S AM» nennt, auf allen Ebenen ein neues Gesicht verpasst, gibt sich das Museum, inzwischen in den heutigen Räumen am Steinenberg zuhause für alle offen.
Ein im Vorraum aufgehängtes Grundrissrätsel lädt dazu ein, verschiedenste Basler Wohngebäude der letzten 35 Jahre alleine anhand ihrer Grundrisse zu erraten. Schwieriger als gedacht! Die Grundrisse stammen aus dem «Basler Wohngrundrissquartett» von Céline Dietziker, Lukas Gruntz und Luigi Middea. Das Quartett wurde von Architektur Basel mitfinanziert und ist im S AM während der Ausstellung erhältlich.

Gar nicht so einfach – Grundrisse erraten © Architektur Basel

Gar nicht so einfach – Grundrisse erraten © Architektur Basel

Im Vergleich mit anderen Museen ist das S AM mit 35’000 Besuchenden im Jahr eher klein, nicht aber was sein Ansehen anbelangt; mit der diesjährigen Ausstellung «Swim City» etwa, war man gleich in mehreren internationalen Medien präsent. Es sei nicht selbstverständlich, dass ein Architekturmuseum über so lange Zeit autonom funktioniert, meint Direktor Andreas Ruby, nachdem sich die Architektur als museale Disziplin erfolgreich emanzipiert hatte, gingen heute viele Architekturmuseen als Departemente in Designmuseen auf. Das sei nicht das Ziel. Er fügt an: «Die Architektur als autonome Disziplin hat ein eigenes Museum verdient». Dass dies auch nach so langer Zeit noch immer funktioniert, ist zu einem grossen Teil den Gönnerinnen und Gönnern zu verdanken. Mit einem Selbstfinanzierungsgrad von hohen 80 Prozent sieht sich das Museum in einer komfortablen Lage; trotzdem aber sei man auf öffentliche Gelder angewiesen, sagt Ruby. Während das Bundesamt für Kultur dem Museum in der aktuellen Periode bis 2023 keine Gelder zur Verfügung stellt, hat der Basler Grosse Rat seine Subventionen gar verdreifacht. Die Unterstützung aus der Wirtschaft bleibt konstant. Zu den Geldgebern gehören ganze 300 Architekturbüros.

Direktor Andreas Ruby:
«die Architektur als autonome Disziplin hat ein eigenes Museum verdient!»

Bei einer solchen Basis ist es klar, dass man diese am Geburtstagsfest auch zu Wort kommen lassen möchte – und wie es sich zu diesem Anlass gehört: in Form unterschiedlichster Präsente! Um die 30 Geschenke wurden dem S AM an der gestrigen Party feierlich überreicht. Sie sind nun Teil der Ausstellung. Darunter ist beispielsweise eine Handzeichnung des spanisch-schweizerischen Architekten Santiago Calatrava, gestiftet von Martin Steinmann, eine am Originalschauplatz im Domus-Haus nachgestellte Fotografie des Ausstellungsplakates von Cristo von 1984, ein Geschenk von Roger Diener oder ein extra fürs Fest angefertigter Hocker des Gymnasiums Kirschgarten, überreicht von HHF Architekten. «Eine wahre Wunderkammer», meint etwa eine Besucherin.

Geschenke an das S AM: Fassadenmuster, Bachelard Wagner Architekten (links), Fotografie des Ausstellungsplakates von Cristo im Domus Haus, Roger Diener (rechts) © S AM

Geschenke an das S AM: Fassadenmuster, Bachelard Wagner Architekten (links), Fotografie des Ausstellungsplakates von Cristo im Domus-Haus, Roger Diener (rechts) © S AM

Neben der grossen Retrospektive im Hauptraum, ist das Geschenkezimmer reich gefüllt und wartet auf die grosse Auktion am Samstag, 26. Oktober. Ab 11 Uhr werden sämtliche gestifteten Gegenstände zugunsten des S AM versteigert. Wer also Lust auf ein Fassadenmuster, eine Skizze oder gar eine Übernachtung im Ferienhaus auf der Rigi Scheidegg von Andreas Fuhrimann und Gabriella Hächler hat, ist herzlich eingeladen.

«Eine kleine Wunderkammer...» meint eine Besucherin © Architektur Basel

«Eine kleine Wunderkammer…» meint eine Besucherin © Architektur Basel

Nun – nochmals alles Gute zum Geburtstag! Die durchaus ansehnlichen Nachwehen der Party sind vom 15. bis 27. Oktober im S AM am Steinenberg zu sehen.

Text: Simon Heiniger / Architektur Basel


AUSSTELLUNGSDATEN:

Dauer Ausstellung: 15. – 27. Oktober 2019
Auktion: 26. Oktober 2019, ab 11 Uhr
Ort: Schweizerisches Architekturmuseum, Steinenberg 7, 4001 Basel
Weitere Infos: www.sam-basel.org

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