Baustellenbesuch 25.06.26

Die Brücken sind da!

Es lag Spannung in der Luft, als gegen zehn Uhr die Brücken am Kran hingen. Wir besuchen die Baustelle des Teams um Baumann Lukas Architektur und Schnetzer Puskas Ingenieure auf dem VoltaNord-Areal. Die Wohnbau-Genossenschaft Nordwest baut hier gemeinsam mit der Wohngenossenschaft Jurablick insgesamt 90 Wohnungen. Angeboten wird ein breiter Wohnungsmix von 1.5 bis 6.5 Zimmer-Wohnungen.

Die Brücken verbinden die drei gemeinschaftlich genutzten Dachterrassen auf den Gartenhäusern © Baumann Lukas Architektur

Heute ist ein grosser Tag. Die Brücken sind da und werden an ihren Ort gehoben. Sie haben im Projekt einen speziellen Stellenwert: Sie verbinden die drei Dachterrassen, die mit unterschiedlicher Programmierung für die gesamte Bewohnerschaft verschiedene Freiraumangebote bieten. Sie sind nicht nur funktional, sondern haben auch einen symbolischen Wert. Sie schaffen im fünften Obergeschoss eine Gemeinschaftsebene die genossenschaftlich und sozial wirkt und die Hausteile zusammenbindet. Bereits im Dezember soll der Baustein fertiggestellt sein und das Leben in die neuen Wohnungen einziehen. Wir konnten auch einen ersten Blick in die Wohnungen werfen, in denen die Innenausbauarbeiten aktuell in vollem Gange sind.

Die Brücken verbinden künftig die Aussenräume auf den Gartenhäusern © Architektur Basel

Erschlossen wird das Gebäude von der Lysbüchelstrasse her über eine grosse, offene Eingangshalle. Hier befinden sich die Briefkästen und die Zugänge zum Gemeinschafts- und Veloraum. Von hier gelangt man auf die Durchwegung mit Pergola auf der Innenseite vom Gebäude, an der die drei Treppenhäuser angegliedert sind. Gleichzeitig führt die Durchwegung auch in die zwei Innenhöfe. Damit diese richtig begrünt werden können, wurde im Untergeschoss die Tiefgarage grosszügig ausgespart, sodass die Bäume bodengebunden sind und die Höfe das Regenwasser aufnehmen können. Das ganze Areal wird nach dem Konzept "Schwammstadt" gebaut. Das aufgrund der Lärmbedingungen schmale Vorderhaus verfügt über konventionelle Treppenhäuser. Von diesen werden mittels Laubengängen die drei niedrigen, fünfgeschossigen Gartenhäuser erschlossen. Neben dem Aspekt “Bauen im Lärm“ hatte auch der Bebauungsplan mit dem “Regelwerk Volta Nord“ einen entscheidenden Einfluss auf den Städtebau des Projektes.

Der Klinker wurde so vermauert, dass er schallabsorbierende Eigenschaften erhält © Architektur Basel

Das Gegenüber der Laubengänge bilden jeweils die privaten Balkone, die konstruktiv von oben abgehängt sind. Die Zugstäbe aus verzinktem Stahl zeigen diesen Vorgang. Die Balkone sind so untereinander verbunden und werden oben über Konsolen an die Betondecke rückverankert.

Abgehängte Balkone mittels verzinkten Zugstäben © Architektur Basel

Eine spezielle Anforderung an das Projekt ist, dass die gesamte Fassade akustisch wirksam sein muss. Dazu wurden im Sockel die Klinker mit der Lochung zur Seite eingesetzt. In der Durchwegung ist die Wirkung bereits spürbar – der Baulärm scheint hier deutlich gedämpft. In den oberen Geschossen werden zementgebundene Spaghettiplatten eingesetzt, um die Fassade akustisch wirksam zu machen. Ein Experiment auch für den Hersteller.

Die Durchwegung verbindet die Höfe und führt zu den Treppenhäusern © Architektur Basel

Im Sockel der Gartenhäuser befinden sich Maisonettewohnungen, die das Mezzaningeschoss mit einnehmen. Über die Laubengänge in den oberen Geschossen werden verschieden grosse Durchwohnungs-Typen erschlossen. Speziell sind hier die diagonalen Bezüge, die durch die abgedrehten Türen entstehen.

Diagonale Raumbezüge verleihen den Wohnungen Grosszügigkeit © Architektur Basel

Die raumhohen Türen sind hinter die primäre Struktur gesetzt und durch eine dunkle Farbgebung akzentuiert © Architektur Basel

Im Vorderhaus nimmt ein grosszügiger Kindergarten den Sockel ein. Der überhohe Raum bietet viel Luft. Ein besonderes Augenmerk gilt den Stützen in der Fensterflucht. Mit viel Liebe zum Detail wurden diese integriert. Das schmale Volumen ist ebenfalls auf die Lärmsituation zurückzuführen. Dem Architektenteam war es lediglich erlaubt, ein Zimmer pro Wohnung auf der lärmigen Industrieseite zu belüften. Damit die Wohnungen zum Hof hin belüftet werden können, musste die Gebäudetiefe minimiert werden. Die schmalen Wohneinheiten verfügen dadurch über viel Fassadenabwicklung.

Im Riegelbau zeichnen grosszügige Fenster die Wohnzimmer nach aussen ab © Architektur Basel

Spielerisches Detail im Kindergarten: Die runden Stützen werden von den Holzeinfassungen der Fenster aufgenommen © Architektur Basel

Die Brücken werden bereits von den ersten Arbeitern freudig getestet. Wir verlassen die pulsierende Baustelle in Basels Norden. Auf den weiteren Baufortschritt und die Fertigstellung des VoltaNord-Areals als neuen, lebendigen Stadtteil im St. Johann sind wir gespannt.

Artikel: Christina Leibundgut / Architektur Basel


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