Die «Kathedrale» unter den Bildungsbauten: Schulhaus Bubendorf 1852 | Baselbieter Baukultur #54

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«Wenn für die gotischen Kirchen die Kathedralen als Höhepunkt gelten, so darf für den Schulhausbau im 19. Jahrhundert in unserem Kanton das Schulhaus von Bubendorf als Höhepunkt betrachtet werden (…).»
Wenn das mal keine Ansage ist. Die Denkmalpflege Baselland ist voll des Lobes für das das 1852 von Architekt Benedikt Stehle erbaute Schulhaus. Tatsächlich macht das Gebäude ziemlich viel richtig, angefangen bei der städtebaulichen Setzung, über die Grössenwirkung bis hin zur repräsentativen Fassadengestaltung.

Schulhaus Bubendorf © Architektur Basel

Schulhaus Bubendorf © Architektur Basel

Das Gebäude steht auf einer Anhöhe über der Hauptstrasse ziemlich in der Mitte des Dorfes. Diese städtebauliche dominante Lage rückt das Gebäude sofort ins Auge des Betrachtenden, sowohl frontseitig von der Hauptstrasse als auch rückseitig. Die Fassade des dreigeschossigen Gebäudes erstreckt sich über ganze neun Achsen; ein ungewöhnlich grosses Schulhaus für ein Dorf. Auch bezüglich der Fassadengestaltung spielt der Bau in einer anderen Liga; die klassizistisch repräsentative Fassade bedient sich an Elementen aus dem vorigen 18. Jahrhundert und offenbart den Repräsentationszwang einer aufstrebenden Gemeinde – durchaus im positiven Sinne!

Grundriss Schulhaus Bubendorf

Grundriss Schulhaus Bubendorf

Die zeittypische, üblicherweise – sich aus dem Grundriss entwickelnde – horizontale Gliederung der Fassade wird in diesem Fall durch einen dreiachsigen, mit Quaderketten eingefassten Mittelrisaliten aufgelöst. Mit einem Dreiecksgiebel, sowie einem Dachreiter mit Glocke und Windfahne markiert das leicht vorspringende Fassadenteil die Mitte des Gebäudes. Als wäre dem nicht genug, führt eine Treppe in dessen Verlängerung nach unten, eine Brücke fast etwas augenzwinkernd über die Hintere Frenke. Der Konflikt zwischen horizontaler und vertikaler Fügung dominiert auch das Bild der Rückfassade zum Pausenplatz und zum Dorf hin. Die je drei Räume pro Geschoss werden über eine Laube erschlossen. Die leichte horizontale Verglasung – fast an Bandfenster erinnernd – wird durch ein vertikales mittiges Treppenhaus und zwei seitliche Anbauten gefasst.

Schulhaus Bubendorf © Architektur Basel

Schulhaus Bubendorf © Architektur Basel

Der heutige Zustand entspricht aber nur noch in Teilen dem Original. Bei einer Renovierung 1950 wurde das Vordach der Frontfassade verlängert und auf Stützen gestellt. Bei einer Restaurierung 1977 ist die Rückfront stark verändert worden. Ob die Laube, so wie im Grundriss ersichtlich, also bereits 1852 existierte, oder nur der Anbau für das Treppenhaus mit einer entsprechend internen Geschosserschliessung, geht aus der Literatur nicht so klar hervor. Leider finden sich dazu auch keine Abbildungen. Möglich jedoch wäre es. Das Gebäude dient nach wie vor als Schule. Im Dachgeschoss befindet sich ein Museum.

Text: Simon Heiniger / Architektur Basel


Schulhaus «Dorf»
Adresse: Hintergasse 22, 4416 Bubendorf
Architektur: Benedikt Stehle
Baujahr: 1850-52
Renovierung: 1950 (u.a. Vordach)
Restaurierung: 1977 (u.a. Rückfront)
Funktion: Schule (heute auch: Museum)


Fotos:
– © Börje Müller Fotografie
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Kantonales Inventar der geschützten Kulturdenkmäler Basel-Landschaft, Online-Katalog
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0

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