Dürfen wir vorstellen: Kubuk!

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Wortspiele sind so eine Sache. Der Grat zwischen Misslingen und Gelingen ist schmal. Pool Architekten bewiesen bei der Wahl ihres Kennworts für den anonymen Wettbewerb 2011 ein gutes Händchen. Aus Kubus formten sie das eingängige Kubuk. So heisst der neue Super-Würfel der FHNW in Muttenz seither. Fünf Hochschulen finden hier Platz unter einem grossen Dach. Oder besser gesagt: In einem grossen Würfel. Kubuk ist ein Haus der Superlativen: 300 Mio. Franken Baukosten, 360’000 Kubikmeter Bauvolumen, Platz für 3’700 Studierende und 680 Mitarbeitende. „harder better faster stronger“, spielen Daft Punk und Kanye West im Hintergrund.

Architektur Basel nimmt euch mit auf einen fotografischen Streifzug durch das Gebäude. 14 Geschosse bzw. 65 Höhenmeter hoch und wieder runter. Zugegebenermassen wirft der Neubau viele grundsätzliche Fragen auf: Brauchen wir diese Form von Monumentalität? Und wenn ja: Wofür steht sie? Können wir Menschen uns solche Hightech-Häuser aneignen? Wie beeinflusst die Gebäudetechnik dabei unser Verhalten? Es sind viele Fragen, die durch den Kopf des Schreibenden, der seinerseits zuletzt eine glückliche Studienzeit in den wunderbaren „lowtech“ Räumen einer ehemaligen Seidenbandfabrik verbringen durfte, schwirren. Doch bevor wir uns in Grundsatzdiskussionen verlieren, sagen wir fröhlich und vorurteilslos: „Hallo Kubuk, schön dich kennenzulernen!“

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Schon von weitem erhebt sich der Kubuk über dem Industriequartier in Muttenz. Die braune Metallfassade kontrasiert mit den Glasflächen, die den Himmel reflektieren.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Der Park ostwärts des Neubau in Richtung Bahnhof Muttenz lädt zum verweilen ein, wobei die neu gepflanzten Bäume noch etwas sparsam Schatten spenden. Aus dieser Perspektive wird die Gliederung des Gebäudes gut ersichtichtlich: Der geschlossene Sockel, der vom öffentlichen Piano Nobile abgeschlossen wird, darüber die kleinteiligeren Büro-, Labor- und Unterrichtsgeschosse, gekrönt vom überhohen 12. Obergeschoss mit Dachgarten und Lounge.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Ein Haus, in dem täglich ein paar tausend Menschen ein- und ausgehen braucht einen angemessenen Eingang. Der zurückversetzte, gedeckte Portikus bietet Schutz vor Sonne und Regen.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Im Innern angekommen wandert der Blick unwillkürlich in die Vertikale: Ein grossartiges Gewirr aus Lichtschächten und Treppenanlagen versetzt den Besucher ins Staunen. Die Kerkerzeichnungen von Giovanni Battista Piranesi scheinen hier ihre Umsetzung in der Realität gefunden zu haben.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

„Nougatstängel“: die Betonskulptur von Künstlerin Katja Schenker steht wie ein Fels in der Brandung des Kubuk. Hundert verschiedene Naturmaterialien und Objekte hat die Künstlerin in die Betonstele eingegossen. „Wie tief ist die Zeit?“ lautet der etwas verkopfte, offizielle Titel des Kunstwerks.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Auf dem Piano Nobile angekommen: Hier befinden sich die offenen Hörsäle, die Lernlounge und die Bibliothek.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Die Zugänge zu den Hörsälen sind in edlem Holzfurnier ausgeführt. Die vertikal strukturierten Wände übernehmen die Funktion der Schallabsorption.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Lernen 2.0: Hier kann individuell oder in kleinen Gruppen gelernt und gearbeitet werden.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Bühne frei! Die offenen Hörsäle im 4. Obergeschoss bietet einen schönen Ausblick. Die akustische Trennung erfolgt lediglich über schallabsorbierende Vorhänge.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Wer die Orientierung verlieren sollte, wird von den schön gestalteten, hochwertigen Schildern in Baubronze sicher ans Ziel geführt. Hier lässt sich auch die Grundrissstruktur bestehend aus dem zentralem Atrium, vier Erschliessungskernen und der umlaufenden Raumschicht gut ablesen.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Für konspirative Sitzungen geeignet: Wer Ruhe sucht, findet diese in der speziell schallgedämmten, hölzernen Besprechungskapsel.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

In den beiden Lichtschächten ab dem 5. Obergeschoss führt je eine spektakuläre Treppe in die Höhe. Die Architekten mussten dafür kämpfen, dass die beiden Treppen nicht dem Sparhammer zum Opfer fielen. Der Einsatz hat sich gelohnt: Die räumliche Dimension des Kubuk lässt erst beim Erklimmen einer dieser Treppen erfahren. Ausserdem könnte man sie dank ihrer skulpturalen Qualität als Kunst am Bau durchegehen lassen.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Blick in ein Klassenzimmer mit Ausblick: Der sägerohe Eichen-Parkettboden sorgt für eine wohlige Stimmung.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Schwindelfreiheit ist hier von Vorteil. Der Blick in die Tiefe offenbart die eindrückliche Grösse des Kubuk.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Architektur studieren bedingt Weitblick. Das Atelier der Bachelor-Studierenden bietet einen schönen Ausblick nach Norden auf den Hardwald, Rhein und Schwarzwald.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Rückzugsort unter freiem Himmel: Der intime Dachgarten im 12. Obergeschoss ist eine Oase der Ruhe.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Hier lässt es sich gut abhängen. In der Lounge im obersten Geschoss hängen Pflanzen von der Decke. Man braucht es eigentlich nicht mehr zu erwähnen: Auch hier ist der Ausblick phänomenal.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Ab durch die Mitte. Die Signaletik im gesamten Haus ist hochwertig und grafisch ansprechend gestaltet.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Vor lauter Beton haben die einen oder anderen Nutzer offensichtlich ein besonderes Bedürfnis nach Vegetation.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Über den Lichthof hat man spannende Ein- und Durchblicke. Hier sieht man durch das Atelier des Masterstudium Architektur in Richtung Süden.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Die sorgfältig gegliederte innere Fassade zum Lichthof besticht durch ein abwechslungsreiches, lebendiges Licht- und Schattespiel.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Die rhythmische Gliederung der inneren Fassade findet ihre Fortsetzung in den Metallgittern bei den Zugängen der einzelnen Hochschul-Abteilungen.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Freie Sicht auf den Roche-Turm: Die Basler Skyline erhebt sich im Osten.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Concrete rhythm: Man fühlt sich an die Betonfassade im Kloster La tourette von Le Corbusier erinnert.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Der Blick in die Tiefe zeigt ein sehenswertes Treppen-Mikado.

Kubuk FHNW Campus Muttenz von pool Architekten © Architektur Basel

Im bedächtigen Schritt über die elegant-flachen Haupttreppen begibt man sich zurück auf die Erde.

Ob man will oder nicht: Der Kubuk übt auf die Besucher eine Faszination aus. Natürlich hängt das schon alleine mit der Dimension, der Monumentalität, zusammen. Aber nicht nur. Es ist der grosse Reichtum an funktionalen und räumlichen Bezügen, der genauso fasziniert. Umso spannender wird es sein, wenn hier ab Mitte September täglich ein paar tausend Menschen ein- und ausgehen. Erst dann wird die soziale Dimension des Kubuk erfahrbar sein – und damit das Leben einziehen. Bald wissen wir mehr. Von all den Eindrücken überwältigt, holen wir uns jetzt erst mal ein Jamadu-Pausebrötli im hauseigenen Coop. Und danach gibt es vielleicht noch ein „mohlekühles“ Bier in der Cube Bar. Das Semester kann beginnnen. Die Nacht ist noch jung

Text und Fotos: Lukas Gruntz / Architektur Basel

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