Eine Villa an der Hauptstrasse in Sissach | Baselbieter Baukultur #18

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Die Bebauungen entlang der Hauptstrasse in Sissach sind Zeugen einer Verstädterung des ehemaligen Bauerndorfes beginnend im 19. Jahrhundert. Wichtige Voraussetzungen waren die frühen Nord-Süd-Handelsrouten ebenso wie der Einzug der Bahn ab 1854.

Symmetrie in der Fassade
Die architektonische Ausformulierung der klassizistischen Villa findet sich im Fassadenbild entlang der Hauptstrasse mehrere Male. Der ehemalige Gasthof Kreuzmatt wird 1843-46 etwas ausserhalb der restlichen Häuser fertiggestellt. Ausserhalb deshalb, weil sich die Gaststätte hauptsächlich an Fuhrleute richtete; die wichtige Hauensteinstrasse ins Homburgertal führte direkt am Gasthof vorbei. Neben dem Hauptgebäude stand über lange Zeit auch eine Scheune für die Pferde.
Die Fassade ist streng um eine Mittelachse gegliedert, der Zugang – mittig – über eine Freitreppe etwas erhöht. Während der Sockel nicht übermässig ausgebildet ist, verfügt die Tür aber über einen minimalen Ziergiebel, der bis zur Fenstereinfassung des oberen Stockwerks reicht . Als Erbauer des Gebäudes wird Baumeister Jakob Martin genannt.

Ehemaliger Gasthof Kreuzmatt, Sissach © Architektur Basel

Ehemaliger Gasthof Kreuzmatt, Sissach © Architektur Basel

Die Villa Sütterlin, etwas dorfeinwärts stammt ebenfalls von Jakob Martin. Zwanzig Jahre später erbaut ist die Ähnlichkeit zum Gasthof nicht zu übersehen. Unterschiede gibt es allerdings. Die Fassade der Villa Sütterlin ist mittels umlaufendem Gesims horizontal in zwei Geschosse geteilt. Das Mezzaningeschoss wird durch ein weiteres, etwas feineres Gesims angezeigt. Das Obergeschoss verfügt zudem über einen kleinen Balkon über dem mittigen Eingang. Dieser ist im Gegenzug etwas schlichter ausgeführt.
Der Garten im Süden ist über ein mittiges Rundbogenportal erreichbar. Das Obergeschoss wird über eine verglaste Laube belichtet. Den Namen erhielt das Haus vom damaligen Bauherrn, dem ersten Sissacher Bezirksschreiber Martin Sütterlin-Wirz.
Im Gebäude befindet sich heute ein Café. Die «Villa 27» bietet eine Gaststube, einen Salon, einen eindrücklichen Gewölbekeller und einen Laden. Trotz Anpassungen sind noch einige originale Elemente erhalten geblieben; etwa ein Stück Tapete oder ein Kachelofen.

Villa Sütterlin, Sissach © Architektur Basel

Villa Sütterlin, Sissach © Architektur Basel

In entgegengesetzter Richtung bildet die Villa Hoffmann den Abschluss. Der ebenso streng gegliederten Fassade folgt ein weit auskragendes Satteldach mit Zierbalken und aufgesetztem Dreiecksgiebel. Der Balkon über dem Eingang wird von Säulen getragen.

Villa Hoffmann, Sissach © Architektur Basel

Villa Hoffmann, Sissach © Architektur Basel

Ehemaliger Gasthof Kreuzmatt
Funktion: Gasthof (mit Pferdestation)
Adresse: Hauptstrasse 1/1a, 4450 Sissach
Bauzeit: 1843-1846
Architektur: Baumeister Jakob Martin

Villa Sütterlin
Funktion: Wohnen (ehemals), Gasthof (heute)
Adresse: Hauptstrasse 27, 4450 Sissach
Baujahr: 1866
Architektur: Baumeister Jakob Martin
Café Villa 27: www.villa27.ch

Villa Hoffmann
Funktion: Wohnen
Adresse: Hauptstrasse 119, 4450 Sissach
Baujahr: 1875
Architektur: unbekannt


Text:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Fotos:
– © Simon Heiniger / Architektur Basel

Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0

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