Feingliedrig – zwei öffentliche Gebäude von Rolf G. Otto in Muttenz | Baselbieter Baukultur #12

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Die Tramlinie 14 trennt Muttenz grob in zwei Hälften. Den historischen Dorfteil südlich mit der Kirche Arbogast und dem Gemeindezentrum Mittenza als Mitte, er zieht sich als einheitliche Zeilenbebauung bis zur Tramstation Muttenz Dorf und die Bauten nördlich der Tramlinie bis zum Bahnhof welche sich insbesondere durch ihre Volumetrie vom alten Dorfteil unterscheiden. Architekt Rolf G. Otto erstellte an dieser Trennkante zwei fürs Dorfbild wichtige öffentliche Bauten.

Post- und Telefonzentrale
Als ob der abrupte Schnitt des alten Dorfteils durch die Tramlinie nicht schon genug wäre, steht seit 1971 an dieser Stelle das kubische Postgebäude mit Flachdach und Übereck-Bandfenstern. Der Bau besteht aus drei ineinander gesetzten Volumen mit unterschiedlichen Abmessungen. Der rückwärtige Treppenturm bildet den höchsten Teil des viergeschossigen Gebäudes. Das Erdgeschoss stellt die Schalterhalle; die ehemalige Telefonzentrale war in den Obergeschossen.
Seit der Renovation 1994 kommt die ursprüngliche Sichtbetonfassade weiss verputzt daher – ob zum Nachteil der Gesamterscheinung sei dahingestellt. Die zeittypische Fassadengliederung selbst ist genug stark. Im Detail betrachtet, wäre womöglich ein simpler Anstrich mit durchscheinendem Negativ der Schalung passender gewesen. Die Gründe für den Verputz kennen wir allerdings nicht.

Post- und Telefonzentrale, Muttenz © Architektur Basel

Post- und Telefonzentrale, Muttenz © Architektur Basel

Wohn- und Geschäftsturm
Folgt man der Baumallee vor dem Postgebäude entlang der Hauptstrasse bis zum Kreisel, steht man vor einem Hochhaus. Das Gebäude mit polygonalem Grundriss und rückspringender Fassade stammt ebenfalls von Rolf G. Otto. Der «windradförmige» Grundriss, wie ihn «Bauten im Baselbiet» nennt, widerspiegelt die zentrale Lage des Punkthochhauses an der Kreuzungsstelle von Haupt- und Kantonsstrasse. Im Erdgeschoss geht der Turm in einen Sockelbau über, der den beiden Strassenachsen zum Bahnhof und nach Basel folgt. Die schrägen Betonrippen verwandeln den niedrigen Trakt beinahe in ein stromlinienförmiges Schiff.
2003 wurde der gesamte Turm von Nissen & Wentzlaff Architekten renoviert. Die aussenliegenden Betonplatten wurden erhalten, sind aber durch weisse Farbpunkte aufgehellt worden. Eine feine, durchaus gelungene Interpretation. Der Blick über Muttenz dürfte den jeweils drei Wohnungen in den obersten acht Stockwerken sicher sein. Die Geschosse darunter – hinter horizontalen Lamellen aus Betonplatten – beherbergen Büro- und Lagerräume. Im Erdgeschoss und den Sockelbauten sind die Schalter und Büros der Kantonalbank untergebracht.

Büro- und Wohnhochhaus, Feine Neuinterpretation der Fassade, Muttenz © Architektur Basel

Büro- und Wohnhochhaus, Feine Neuinterpretation der Fassade, Muttenz © Architektur Basel

 

 

Post- und Telefonzentrale
Funktion: Dienstleistung und Infrastruktur
Adresse: Hauptstrasse 70, 4132 Muttenz
Bauzeit: 1968-1971
Architektur: Rolf G. Otto
Fassade: Sichtbeton (ursprünglich), weiss verputzt (seit 1994)
Renovation: 1994

Wohn- und Geschäftshaus
Funktion: Wohnen / Büro (Bank)
Adresse: St. Jakob-Strasse 2, 4132 Muttenz
Bauzeit: 1967-1969
Architektur: Rolf G. Otto
Renovation: 2002/03 (durch Nissen & Wentzlaff Architekten)


Text:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Fotos:
– © Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0

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