Felippi Wyssen: Schwarz geöltes Attikahaus in Riehen

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Die optimale Ausnutzung einer Parzelle führt selten zu gelungener Architektur. Grenzabstände, Sonneneinfallswinkel oder Fassadenlängenzuschläge sorgen vielerorts unglückliche Neubauten. Besonders in der Schweizer Agglomeration ist das Phänomen verbreitet. Dort, wo der Anstands- bzw. Grenzabstand zum Nachbarn besonders hochgehalten wird. Das gesetzliche Korsett als Verhinderer von guter Baukultur? Ein Neubau in Riehen beweist das Gegenteil.

Felippi Wyssen Architekten: Wohnhaus Gatternweg in Riehen © Rasmus Norlander

Felippi Wyssen Architekten: Wohnhaus Gatternweg in Riehen © Rasmus Norlander

Gebäudeform baugesetzlich optimiert
Gute ArchitektInnen zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei widrig-widersprüchlichen Umständen baukulturelle Qualität schaffen. Mit vielen baugesetzlichen Einschränkungen und dem Wunsch nach maximaler Ausnutzung hatten auch Felippi Wyssen am Gatternweg in Riehen zu tun. Die Architekten nahmen mit dem leicht asymmetrischen Trapezgrundriss des Gebäudes die Parzellenform auf und sorgten – mittig auf dem Grundstück platziert – für deren optimale Ausnutzung.

Grundriss Wohnhaus Gatternweg in Riehen © Felippi Wyssen Architekten

Grundriss Wohnhaus Gatternweg in Riehen © Felippi Wyssen Architekten

Drei Geschosse = drei Grundrisse
Das langgezogene Volumen wird seitlich erschlossen. Das mittige Treppenhaus erschliesst insgesamt fünf Wohnungen, je zwei im Erd- und Obergeschoss und eine fünfte in der Attika. Wobei eigentlich beide Obergeschosse Attika-Charakter haben, da die Obergeschosse von den Architekten leicht zurückgesetzt wurden. „Mit dieser dynamischen Reduktion des «Footprints» wird das Volumen optisch leichter“, erklären Felippi Wyssen. Win-win: Die Abtreppung sorgt für grosszügige Terrassen und lässt das Haus schlanker und eleganter wirken.

Grundriss Wohnhaus Gatternweg in Riehen © Felippi Wyssen Architekten

Grundriss Erdgeschoss © Felippi Wyssen Architekten

Entsprechend der Gebäudevolumetrie entwickelt sich die Typologie der Grundrisse. Im Erdgeschoss weisen die beiden Wohnungen eine mittlere Raumschicht mit Nebenräumen, Reduit und Nasszelle auf, die zu einem grossen Wohnraum an der Stirnseite in Querrichtung führen.

Grundriss Wohnhaus Gatternweg in Riehen © Felippi Wyssen Architekten

Grundriss 1. Obergeschoss © Felippi Wyssen Architekten

Im ersten Obergeschoss bildet sich der Grundriss aus zwei Raumschichten. Man betritt die Wohnung über das Wohn- und Esszimmer und erreicht von dort die beiden Schlafzimmer, die über das Bad einen Rundlauf bilden. In der Attikawohnung, deren Eingangstüre sich auf dem Podest im ersten Obergeschoss befindet, reduziert sich der Grundriss auf eine Raumschicht. Die Räume werden aufgereiht. Die meisten Zimmer profitieren dabei von beidseitigem Ausblick und Belichtung.

Grundriss Wohnhaus Gatternweg in Riehen © Felippi Wyssen Architekten

Grundriss Attikawohnung © Felippi Wyssen Architekten

Schwarzes Schaf in Riehen?
Die Fassaden sind kontrastierend zur grünen Umgebung mit schwarz geöltem Fichtenholz verkleidet. Passt die dunkle Farbgebung ins beschaulich-konservative Riehen? Bei der Überbauung am Schaffhauserrheinweg in Basel haben jessenvollenweider das Thema der dunklen Holzfassade in der Basler Baukultur „salonfähig“ gemacht.

Felippi Wyssen Architekten: Wohnhaus Gatternweg in Riehen © Rasmus Norlander

Felippi Wyssen Architekten: Wohnhaus Gatternweg in Riehen © Rasmus Norlander

Archaisches Erscheinungsbild
Die dunkle Farbe gibt dem Haus tiefe und kontrastiert zu den Nachbarhäusern. Zusammen mit den traditionellen, wandhohen Schlagläden verleihen sie dem Bau etwas Archaisches und referenzieren das Erscheinungsbild ländlicher Infrastrukturbauten, beispielsweise die Bohrtürme zur Salzgewinnung im unteren Baselbiet. Genauso klingen Erinnerungen an japanische Shou-Sugi-Ban-Fassaden mit ihren zum Schutz verkohlten Holzoberflächen an – hat die Abtreppung nicht auch etwas von einer Pagode?

Felippi Wyssen Architekten: Wohnhaus Gatternweg in Riehen © Rasmus Norlander

Felippi Wyssen Architekten: Wohnhaus Gatternweg in Riehen © Rasmus Norlander

Gelungene Attikaarchitektur
Heureka! Das Haus am Gatternweg lässt in zweifacher Hinsicht aufatmen: Optimale Ausnutzung einer Parzelle kann gleichbedeutend mit guter Architektur sein. Und: Die Attika kann bei ernsthafter, gestalterischer Auseinandersetzung einen gestalterischen Mehrwert bieten. In Anlehung an die vorgefundenen Japonismen sagen wir: Saiwai ni mo!

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel


Wohnhaus Gatternweg
Funktion: Mehrfamilienhaus
Adresse: Gatternweg, Riehen
Baujahr: 2018
Bauherrschaft: privat
Architektur:
Felippi Wyssen Architekten, Basel

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