Gewerbeverband: Geheime Pläne für Parkhaus unter dem Münsterplatz

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Gewerbedirektor Gabriel Barell wiederholt es gerne: „Die Parkplatz-Situation in der Basler Innenstadt ist katastrophal. Wir brauchen dringend einen Befreiungsschlag.“ Wie dieser gemäss Gewerbeverband Basel-Stadt aussehen könnte, zeigt die Recherche von Architektur Basel: Unter dem Münsterplatz soll ein siebengeschossiges, unterirdisches Parkhaus entstehen.

„Eine Stadt, die nicht dafür sorgt, dass auf ihrem Gebiet die Einwohner oder Besucher die zur Erfüllung ihrer Obliegenheiten erforderlichen Motorfahrzeuge in vernünftiger Nähe des Einkaufs- oder Arbeitsgebietes parkieren können, muss mit einer Erlahmung des Geschäftslebens und einer Verlagerung des wirtschaftlichen Potentials in die Aussenquartiere oder Vororte rechnen,“ heisst es in der Einleitung der internen Machbarkeitsstudie von Aegerter & Bosshardt Ingenieure, die unter dem kryptischen Titel „Pamü“ die technische Umsetzung des Vorhabens aufzeigt – und Architektur Basel vorliegt.

Situationsplan Parkhaus Münsterplatz (Bild: zVg)

Situationsplan Parkhaus Münsterplatz (Bild: zVg)

Die Pläne zeigen: Das Parkhaus nutzt neben der zentralen Lage die Topografie des Münsterhügels. „Die Erstellung eines unterirdischen Parkraumes im Gebiet des Münsterplatzes drängt sich vor allem wegen der zentralen Lage dieses Platzes auf, aber auch die topographisch günstigen Höhenverhältnisse für die Unterbringung des Parkraumes mit den Zufahrten, die Grösse des Platzes im Hinblick auf die freie verfügbare Fläche und die günstigen geologischen Baugrundverhältnisse bieten in jeder Hinsicht gute Voraussetzungen für eine zweckentsprechende Lösung“, heisst es in der Studie. Die grossen Ein- und Ausfahrten befinden sich an tiefgelegenen Punkten wie der Schifflände oder dem St. Alban-Rheinweg. Damit können die Autos ohne die Überwindung einer grossen Höhendifferenz ins Parkhaus gelangen.

Längsschnitt Parkhaus Münsterplatz (Bild: zVg)

Längsschnitt Parkhaus Münsterplatz (Bild: zVg)

Die Studie untersucht auch die geologischen Gegebenheiten und technische Baufragen. Betreffend dem Aushub biete das Projekt „den besonderen Vorteil, dass der Grossaushub am Rheinbord zu Schiff abgeführt werden kann, so dass während der Bauzeit keine wesentlichen zusätzlichen Transporte durch die Stadtstrassen notwendig werden.“ Das Parkhaus erstreckt sich über sieben unterirdische Geschosse, die durch einen Rampenturm verbunden sind. „Auf den verfügbaren Stockwerkflächen erfolgt die Parkierung auf Grund von Untersuchungen über die günstigste Parkierart mit Quer- und nicht mit Schrägparkierung“, heisst es im Bericht weiter. Insgesamt sollen 900 Parkplätze entstehen.

Bei „allzu grossem politischen Widerstand“ schlägt die Machbarkeitsstudie eine Etappierung der Bauarbeiten vor: „Für den Fall, dass das Projekt «Pamü» aus irgendwelchen Gründen in Etappen realisiert werden soll, lässt sich das Bauprogramm in drei Hauptetappen aufteilen. Einer Phase I wäre der unterirdische Parkraum mit den Zufahrten Barfüsserplatz, Barfüssergasse und St. Albanrheinweg zuzuteilen, während die Zufahrt Mittlere Brücke und damit die Verkehrsverbindung St. Alban-Mittlere Brücke einer zweiten Phase vorbehalten bleiben könnte.“

Grundrisse Parkhaus Münsterplatz (Bild: zVg)

Eine offizielle Stellungnahme zu den Plänen des Gewerbeverbands blieb bis Redaktionsschluss aus. Direktor Barell sei über Ostern nicht verfügbar. Der zuständige Regierungsrat Hans-Peter Wessels zeigte sich schockiert über die Inhalte der vertraulichen Machbarkeitsstudie: „Hier wird der Volkswille, der sich 2010 in der klaren Annahme der Städteinitiative manifestierte, mit Füssen getreten.“ Eins sei so sicher wie das Amen in der Kirche: Unter seiner Ägide werde kein Parkhaus unter dem Münsterplatz realisiert. „Ich möchte doch nicht von jahrelangem Baulärm von meiner Arbeit abgehalten werden.“

Quelle: https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=sbz-002:1961:79::735#4478

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