Good News: S AM 2019 mit Besucherrekord + Finanzierung des Schweizerischen Architekturmuseums bis 2022 gesichert!

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Über 38’000 Besucher*innen konnte das S AM Schweizerische Architekturmuseum in Basel im vergangenen Jahr 2019 verzeichnen. Dies entspricht einer Steigerung von 11 Prozent, verglichen mit den Eintritten 2018. Trotz dem Wegfall der Gelder des Bundesamts für Kultur BAK ab Anfang 2019 konnte sich das Museum am Steinenberg behaupten. Zudem feierte das S AM seinen 35. Geburtstag!

Rheinschwimmen auf Auslandtour
Zum Erfolg beigetragen haben dürfte hauptsächlich die Ausstellung «Swim City». Von Mai bis September hat das Museum zum Schwimmen im Rhein eingeladen. Nicht nur für Baslerinnen und Basler gehört die Abkühlung im Fluss zum Sommer – das Baden in öffentlichen Fliessgewässern wurde in den letzten Jahrzehnten in der ganzen Schweiz dank dahingehenden Entwicklungen im öffentlichen Raum populärer.

Flussschwimmen / river swimming, Zürich / Zurich © Lucía de Mosteyrín Muñoz

Flussschwimmen / river swimming, Zürich / Zurich © Lucía de Mosteyrín Muñoz

Entsprechend auf Interesse stiess die Ausstellung im Ausland. Derweil tourt sie durch Deutschland; nach einem Aufenthalt im AIT Architektur Salon München, wird die Ausstellung im AIT Architektur Salon in Hamburg zu sehen sein. Weitere Stationen im In- und Ausland sind bereits in Planung.

Offenheit kommt bei Bevölkerung an
Bereits die vorangehende Ausstellung «Dichtelust – Formen des urbanen Zusammenlebens» lockte die Besucher*innen ins S AM. Bisweilen wurde es etwas eng in den Räumlichkeiten, was aber durchaus gewollt war. Die Frage nach dem Umgang mit verdichtetem Bauen interessierte die breite Öffentlichkeit. Anhand verschiedener Beiträge zeigte das Architekturmuseum mögliche Ansätze des kompakten Bauens und dessen Mehrwert auf.

S AM Ausstellungsfoto Dichtelust © Foto: Tom Bisig

S AM Ausstellungsfoto Dichtelust © Foto: Tom Bisig

Vier Ausstellungen im 2020!
Bis Mitte März wird im S AM noch die Ausstellung «Unterm Radar» zu sehen sein, in deren Zentrum die räumliche Aufklärung steht. Die «Architektur» des Territoriums wird weitgehend ohne das Zutun von Architekten*innen entworfen. Trotzdem, oder gerade deswegen erforschen diese heute zunehmend die Prozesse, die diese territorialen Räume bestimmen. Neben Theo Deutingers Publikation «Handbook of Tyranny» stellt das S AM verschiedene Forschungsarbeiten zur investigativen Architektur vor.

S AM Ausstellungsfoto Unterm Radar © Tom Bisig

S AM Ausstellungsfoto Unterm Radar © Tom Bisig

Von April bis August wird die Ausstellung «Archaeology of the Future» von und über den japanischen Architekten Tsuyoshi Tane aus Tokio gezeigt, die unter dem Patronat der Japanischen Botschaft in der Schweiz steht. Tane betreut von Paris aus zahlreiche internationale Projekte, deren Planung eine intensive Recherchephase vorangeht. Er bezeichnet sie als «Archäologie der Zukunft». Die Ausstellung ermöglicht den Dialog zwischen der japanischen und der schweizerischen Baukultur.

‹Archaeology of the Future› 4.4.-30.8.2020 Todoroki House in Valley, Tokyo, Japan, 2017-18 Foto: Yuna Yagi

‹Archaeology of the Future› 4.4.-30.8.2020 Todoroki House in Valley, Tokyo, Japan, 2017-18 Foto: Yuna Yagi

Im September fungiert das S AM zwei Wochen als offenes Haus. Zusammen mit dem Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt geht das Museum in der Ausstellung «Basel 2050» der Frage nach, wie die Stadt in 30 Jahren aussehen wird. Der erwartete Zuwachs von Bevölkerung und Arbeitsplätzen verunsichert die Gesellschaft. Auf der einen Seite stehen die Angst vor Veränderungen und der Wunsch nach Kontinuität, auf der anderen das Bedürfnis nach Modernisierung und Innovation. Nach den beiden eher theoretischen Ausstellungen zum Jahresbeginn, möchte das S AM damit wieder alle ansprechen. Das Stadtkino Basel zeigt im September ein inhaltlich an das Forum angelehntes Filmprogramm.

Forum Städtebau ‹Basel 2050› 11.9.-27.9.2020 Stadtmodell Basel © Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt. Foto: Tom Bisig

Forum Städtebau ‹Basel 2050› 11.9.-27.9.2020 Stadtmodell Basel © Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt. Foto: Tom Bisig

Beton – Notwendigkeit, Ästhetik oder Umweltsünde?
Schliesslich widmet sich das S AM, zusammen mit der ETH Zürich, der EPF Lausanne und der Università della Svizzera italiana USI dem Baustoff Beton: Was wäre, wenn aller Beton, der je in der Schweiz verbaut wurde, auf einmal weg wäre? Beton polarisiert. Im Infrastrukturbau für Tunnels und Brücken ist er unverzichtbar, im Wohnungsbau wird er häufig nur für stilistischen Zwecke eingesetzt – fast kein Baustoff verbraucht so viele Rohstoffe und Energie wie Beton. Die Ausstellung «Beton» dauert von Oktober 2020 bis April 2021 und beleuchtet die Geschichte des Betons in der Schweiz im 19./20. Jahrhundert.

‹Beton› 17.10.2020-11.4.2021 Barrage de la Grande Dixence, 1950-1961 (Seitenansicht) © ACM – Archives de la construction moderne – EPFL, fund H. Germond

‹Beton› 17.10.2020-11.4.2021 Barrage de la Grande Dixence, 1950-1961 (Seitenansicht) © ACM – Archives de la
construction moderne – EPFL, fund H. Germond

Finanzierung bis 2022 gesichert
Dem eigenen Anspruch, nicht nur Fachleute am Steinenberg begrüssen zu dürfen, kam das Museum 2019 unter Direktor Andreas Ruby erfolgreich nach. Dieser Schritt vor die eigene Tür war denn auch dringend nötig. Mit dem Wegfall der Unterstützungsgelder des Bundesamtes für Kultur BAK ab Anfang 2019 fielen auf einen Schlag 300’000 CHF pro Jahr weg. Das Parlament des Kantons Basel-Stadt erhöhte daraufhin den Staatsbeitrag bis 2022 von 80’000 CHF auf 250’000 CHF pro Jahr. Zudem sprach die Christoph Merian Stiftung CMS bis 2022 einen einmaligen projektungebundenen Betrag von 1 Mio CHF. «Wir haben dank der Unterstützung des Kantons Basel-Stadt und der CMS – trotz Wegfall des Beitrages des Bundesamts für Kultur (…) – nicht nur mehr Planungssicherheit, sondern auch Zeit gewonnen für die mittel- und langfristige Sicherstellung der Finanzierung», erklärt Stiftungsratspräsident Samuel Schultze. Die Voraussetzungen für eine erneute Unterstützung durch das Bundesamt für Kultur indes wird das S AM der eigenen Aussage nach nur schwer erfüllen können. Nötig wäre der Aufbau und Betrieb einer ständigen Sammlung. Die Räumlichkeiten dazu sind allerdings weder vorhanden, noch sieht das S AM die Notwendigkeit, eine solche Sammlung aufzubauen, besteht doch seit 2017 eine Sammlungskooperation mit dem gta Archiv der ETH Zürich, den Archives de la construction moderne der EPF Lausanne und dem Archivio del Moderno dell’Accademia di architettura der Università della Svizzera italiana USI.
Im Gegensatz zu anderen Museen verfügt das S AM trotz stetig steigendem Budget über einen ausserordentlich hohen Eigenfinanzierungsgrad von fast 80%. Ein Grossteil geht auf die Gelder von Mitgliedern und Gönner*innen des S AM zurück. Die Ticketeinnahmen machen den kleinsten Teil aus. Dazu kommen projektbezogene Sponsorings.

Text: Simon Heiniger / Architektur Basel


Bildmaterial: Pressemappe S AM Schweizerisches Architekturmusem, Basel

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