Hochhausquartier Hagnau/Schänzli: Sechs Fragen zum Muttenzer Leuchturmprojekt

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Die vergangene Woche präsentierten neuen Visualisierungen zum geplanten Hochhausquartier Hagnau haben hohe Wellen geschlagen. Viele Rückmeldungen gingen auf unserer Redaktion ein. Mehrheitlich wurde das Projekt als positiven Beitrag zur Verdichtung der Basler Agglomeration aufgenommen. Einzelne stimmen kritisierten die „einfallslose“ Architektur. Hier muss gesagt werden, dass die gezeigten Visualisierungen keine fertige Gestaltung sondern hauptsächlich einen städtebaulich-volumetrischen Bebauungsplan zeigen. Die architektonische Ausarbeitung wird erst im nächsten Schritt erfolgen.

© Gemeinde Muttenz

© Gemeinde Muttenz

Ein paar Fragen haben wir noch. Beispielsweise zur Durchführung von Architekturwettbewerben, genossenschaftlichem Wohnungsbau und dem Hochhauskonzept. Die aufschlussreichen Antworten der Projektverantwortlichen wollen wir euch nicht vorenthalten.

01 Sind für die Gestaltung der einzelnen Hochhäuser Architekturwettbewerbe vorgesehen?
„Die architektonische Gestaltung der Bauten wird in den Quartierplanvorschriften nicht im Detail geregelt. Es wird jedoch der Grundsatz definiert, wonach die Bebauung so auszubilden ist, dass ein Ensemble entsteht. Mit dem Zusatz, dass die Lesbarkeit des Einzelvolumens beizubehalten ist, wird einer banalen Einheitsgestaltung entgegengewirkt. Damit allenfalls notwendige, technische Einrichtungen auf den Dachflächen nicht negativ in Erscheinung treten, wurde zudem festgelegt, dass diese in das Gebäudevolumen zu integrieren sind. Um die hochwertige Gestaltung zu gewährleisten, wurde zudem festgelegt, dass dazu ein Varianzverfahren oder ein kooperatives Verfahren unter Einbezug der Gemeinde durchgeführt werden muss.“

02 Ist es denkbar, dass einzelne Bauten von Wohn-Genossenschaften im Baurecht oder Generalmiete übernommen werden? Mit dem Freidorf gibt es in unmittelbarer Nähe einen historisch bedeutsamen Anknüpfungspunkt.
„Die Quartierplanreglemente sehen dies nicht vor. Die Hagnau-Areale eignen sich schlecht für Konzepte von genossenschaftlichem Wohnungsbau. Sie gelten als idealer Standort für eine dichte Nutzung mit Hochhäusern und nicht für eine kleinräumige Gliederung, wie es für Genossenschaften sinnvoller wäre. Der Ruf nach genossenschaftlichem Wohnungsbau ist dem Gemeinderat allerdings bekannt und er berücksichtigt die Thematik bei der Planung an besser dafür geeigneten Standorten. Die private Grundeigentümerschaft Hagnau strebt grundsätzlich einen Wohnungsmix für unterschiedliche Bedürfnisse und eine vielfältige Bewohnerschaft an.“

03 Wie kam das Verhältnis zwischen Arbeitsplätzen und Wohnungen zustande? Wir fragen uns, ob nicht ein Übergewicht an Wohnungen sinnvoller wäre.
„Es gibt ein Übergewicht an Wohnungen. Der Mix liegt bei 70% Wohn- und 30% Gewerbenutzfläche.“

04 Wo werden die Schulraum- bzw. Kindergarten-Angebote für die rund 1’000 neuen Bewohner untergebracht?
„Es braucht keinen neuen Schulraum, weil die nahegelegenen Kapazitäten in den Schulhäusern Donnerbaum und ggf. Margelacker reichen. Für allfälligen zusätzlichen Kindergartenraum hat sich die Gemeinde auf dem Areal ein Mietvorrecht für entsprechende Räumlichkeiten ausgehandelt.“

Hochhaus-Quartier Hagnau und Schänzli © Gemeinde Muttenz

Hochhaus-Quartier Hagnau und Schänzli © Gemeinde Muttenz

05 Nach welchen Kriterien wurden die spezifischen Höhenkoten der Hochhäuser definiert?
„Im Rahmen eines Kooperativen Verfahrens wurde unter der Leitung von Fachpersonen (Städtebau/Architektur) sowie der kommunalen Bau- und Planungskommission in mehreren Workshops verschiedene Bebauungstypologien (Blockrand-, Zeilen-, Punktbauten etc.) geprüft. Dabei standen basierend auf einer detaillierten Ortsanalyse neben den städtebaulichen volumetrischen Kriterien auch Qualitäten im Bereich der Vernetzungsfunktion des Areals (öffentliche Flächen), der Etappierbarkeit sowie der Soziologie und Wirtschaftlichkeit im Vordergrund.Für die Festlegung der Höhenkoten der Hochhäuser waren die Fernwirkung im Kontext mit den spezifischen, topografischen Gegebenheiten (von Birsebene bis Wartenberg) und den bestehenden Bauten (vom Freidorf bis Fachhochschule) im Siedlungsgebiet von Muttenz wesentlich. Ausserdem sollen die Bauten einen Bezug zu bestehenden Bauten im Gebiet St. Jakob schaffen und mit wechselnden Durchblicken als Ensemble wirken. Mit der nun vorgesehenen Hochhausgruppe von ca. 45 – 90 m wird all diesen Kriterien am besten Rechnung getragen. Die kantonale Arealbaukommission und Denkmal- und Heimatschutzkommission beurteilten die Planung anhand ihrer Fernwirkung, der Gebäudehöhe/-volumen, dem Bezug zur Umgebung und der Durchblicke, der Erschliessung und Vernetzung, der Freiraumqualitäten sowie der Qualitätssicherung Architektur als gelungen.“

06 Inwiefern wurde der Städtebau mit dem Kanton Basel-Stadt und dessen Hochhauskonzept abgestimmt?
„Die städtebaulichen Aspekte der Planung wurden anhand des Stadtmodells sowie mit 3D-Simulationen überprüft und im Austausch mit den hauptverantwortlichen Personen aus Verwaltung und Regierung der Stadt Basel erstellt. Grundlage dazu waren selbstverständlich auch die Hochhauskonzepte von Basel-Landschaft und Basel-Stadt. Aber auch die Aspekte des Verkehrs und der Landschaftsplanung wurden in einen grossen Zusammenhang mit der Region gesetzt. So ist die Landschaftsentwicklung im Schänzli nicht nur eine Ergänzung zu den bestehenden Freiräumen im Bereich der Brüglinger Ebene, sondern auch ein Leuchtturmprojekt der Birsstadt (Birspark-Landschaft) und damit der IBA Basel 2020.“

Weitere Infos: http://www.hagnau-schaenzli.ch/home/

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