Muss das sein? Temporäre Holzstufen am Rhein für CHF 387‘000

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Nächstes Jahr findet in der Region die Internationale Bauausstellung IBA Basel 2020 statt. Das öffentliche Interesse daran hält sich bisher in Grenzen, was mitunter daran liegt, dass die IBA kaum starke Ideen und Projekte zu bieten hat. Sinnbildlich für die Ideenlosigkeit sind die „Rheinterrassen“, welche am Kleinbasler Rheinufer 150 zusätzliche Sitzplätze schaffen sollen. Das Projekt wirft einige kritische Fragen auf.

Worum geht es bei den „Rheinterrassen“? Das von einer mineralischen Materialisierung geprägte Rheinbord wird partiell mit ein paar Holzstufen bekleidet. Dafür sollen insgesamt 387‘000 Franken Steuergelder aufgewendet werden. Ein stolzer Preis für 150 Sitzplätze mit einer Nutzungsdauer von lediglich drei Jahren! Macht pro Sitzplatz rund 2’500 Franken Erstellungskosten. Ist das nötig? Sollten unsere Steuergelder nicht für sinnvollere und vor allem nachhaltigere Projekte eingesetzt werden? Mit dem Geld könnte man Genossenschaftswohnungen bauen. Oder Bäume pflanzen.

Visualisierung „Rheinterrassen“ © pg landschaften

In der Uferböschung oberhalb der Mittleren Brücke schliessen drei übereinanderliegende Terrassen an die bestehenden Steinstufen an. Die Holzterrassen bieten rund 150 Sitzplätze mit Blick auf das Grossbasler Ufer. „Eine darunterliegende Holzplattform direkt am Wasser bildet auf einer Länge von 43 Metern zugleich Landestelle und Einstiegsmöglichkeit für Rheinschwimmer sowie eine grosszügige Sitzfläche“, heisst es im Projektbeschrieb. Die lieblos-schematischen Visualisierungen der „Rheinterrassen“ lassen ob der gestalterischen Qualität der Holzsitzstufen gewisse Zweifel aufkommen. „Die Rheinterrassen gliedern sich zurückhaltend in die Böschung ein.“ Auch hier bestehen Zweifel. Werden sich die Sitzstufen in das Stadtbild des Kleinbasler Rheinufers integrieren können? Gemäss Medienmitteilung soll ein „Akzent“ gesetzt werden. Und weiter: „Mitten in der Innenstadt sollen ab Ende Juni 2020 neue Rheinterrassen zusätzlichen Platz zum Verweilen und Erleben des Rheins bieten.“ 

Detailschnitt „Rheinterrassen“ © pg landschaften

Fazit: Die Absicht, am beliebten Kleinbasler Rheinbord zusätzliche Sitzplätze zu schaffen, ist gut und richtig. Stellt sich nur die Frage zu welchem Preis und in welcher Form. 387‘000 Franken Steuergelder – wovon allein 20’000 für „Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit“ verwendet würden – für eine temporäre, gestalterisch nur bedingt überzeugende Lösung aus dem Fenster zu werfen, scheint wenig sinnvoll. Auch punkto Ökologie: Es ist wenig nachhaltig, für eine Nutzungsdauer von nur drei Jahren Erdanker und Schraubfundamente in die Uferböschung zu schlagen. Jedes banale Sitzbänkli hält länger als drei Jahre. Und wennschon sollte daraus zumindest ein Projekt mit sozialem oder didaktischem Anspruch werden. Wieso können die Stufen nicht als Gemeinschaftswerk von Lehrlingen (Bauzeichner, Holzbau, Metallbau…) erstellt werden? Oder als integratives Projekt mit Flüchtlingen realisiert werden? Im besten Fall könnten damit auch die hohen Erstellungskosten reduziert werden…

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel


Weitere Informationen zur IBA Basel 2020 finden Sie unter: http://iba-basel.net

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