Preisgünstige Wohnungen: Harry Gugger gewinnt Wettbewerb am Hirtenweg in Riehen

0

Wohnraum ist knapp im Kanton Basel-Stadt. Das ist keine Neuigkeit. Neu ist, dass der Staat verstärkt selbst auf dem Wohnungsmarkt aktiv wird. Der lautstarke Ruf der Basler Stimmbevälkerung nach mehr und vor allem günstigen Wohnungen hallt nach. Am Hirtenweg in Riehen plant der Kanton deshalb zusätzlichen Wohnraum. Das Ziel ist, bestehende Bauten zu sanieren und etappenweise durch Ersatzneubauten zusätzlichen erschwinglichen Wohnraum zu schaffen. Im Rahmen eines Wettbewerbs wurde hier ein Projekt für 40 preiswerte Wohnungen gesucht. Wir stellen euch das Siegerprojekt von Harry Gugger Studio vor.

Wohnbebauung Hirtenweg in Riehen © Harry Gugger Studio

Beim Hörnli: Situationsplan der Wohnbebauung Hirtenweg © Harry Gugger Studio

Im Kontext der Gemeinde Riehen, der Nähe zum Friedhof Hörnli und einer ruhigen und beschaulichen Umgebung wurde „eine hohe städtebauliche, architektonische und landschaftsarchitektonische Qualität erwartet.“ In der Jury sassen neben Kantonsbaumeister Beat Aeberhard, die Architekten Rolf Mühlethaler und Anna Jessen, sowie Landschaftsarchitekt Beat Rösch.

Wohnbebauung Hirtenweg in Riehen © Harry Gugger Studio

Wohnbebauung Hirtenweg in Riehen © Harry Gugger Studio

„Innovative Wohnkonzepte für einen einfachen Standard“ waren gefragt. Ganz im Geiste der NILBO-Holzbauten von Hans Bernoulli auf dem nahegelegen Landauer. „Die Gebäude sollen in Holz- oder Teilhybridbauweise mit hohem Vorfertigungsgrad in Etappen mit kurzer Bauzeit realisiert werden“, hiess es im Wettbewerbsprogramm. NILBO 2.0 sozusagen.

Wohnbebauung Hirtenweg in Riehen © Harry Gugger Studio

Grundriss der Wohnbebauung Hirtenweg in Riehen © Harry Gugger Studio

Harry Gugger Studio entwickelten ihr Projekt aus einer intensiven Lektüre des Ortes: „Die charmante Kleinteiligkeit der Bauten im Norden mit ihren in unterschiedlicher Intensität genutzten Gärten, die strengen Wohnbauten aus den späten 70ern mit dem zentralen Wiesenplatz und schliesslich der idyllische Gemeinschaftsgarten im Süden des Areals sind jeweils eigene Welten, die von Baumgruppen und prachtvollen Einzelbäumen durchwebt sind und so miteinander verbunden werden.“

Wohnbebauung Hirtenweg in Riehen © Harry Gugger Studio

Eine Gruppe von drei Bauten bilden einen offenen, grünen Hofraum. Die Bauten setzen sich aus vorfabrizierten Wohnmodulen zusammen, die preisgünstig und innert kurzer Zeit errichtet werden können. „Die Setzung der drei Bauten ergibt sich aus der Überschneidung von Abstandsflächen, dem Erhalt prägender Baumgruppen, optimaler Orientierung der Wohnungen, rationaler Erschliessungstypologien, der Nutzung bestehender Untergeschosse und der vorgeschlagenen Etappierung“, beschreiben die Architekten ihr Projekt.

Wohnbebauung Hirtenweg in Riehen © Harry Gugger Studio

Effizient, aber grosszügig: Wohnbebauung Hirtenweg in Riehen © Harry Gugger Studio

Typologisch gelang dem Siegerprojekt eine Mischung zwischen effizienten Grundrissen und räumlicher Grosszügigkeit: „Wenngleich sehr ökonomisch geschnitten, bieten die Wohnungen durch Sichtbeziehungen und flexible Raumnutzung eine grosszügige Wohnsituation. Loggien, von verschiedenen Zimmern betretbar, komplettieren das Angebot an individuell nutzbarem Aussenraum.“

Wohnbebauung Hirtenweg in Riehen © Harry Gugger Studio

Fassadenmodell © Harry Gugger Studio

Bemerkenswert ist mitunter die Form des Juryentscheids: „Der Zuschlag geht an das Team, welches die tiefsten Kosten (m2-Preis vermietbare Fläche) pro Nutzwertpunkte und damit das beste Verhältnis der Qualität zum Preisangebot aufweist.“ Die Realisierbarkeit von preisgünstigem Wohnen erhielt also eine besondere Gewichtung bei der Jurierung. Die effiziente Modulbauweise von Harry Gugger Studio war hierbei offensichtlich vorteilhaft.

Es ist begrüssenswert, dass sich der Kanton aktiv für preisgünstigen Wohnraum und innovative Bauprojekte einsetzt. Das an der Maiengasse erfolgreich eingeläutete Comeback des kommunalen Wohnungsbaus findet am Hirtenweg eine vielversprechende Fortsetzung.

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel

Teile diesen Beitrag!

Comments are closed.