Viel Asphalt und Stein. Hinten der Hohen Mauern ein bisschen Grün und das schönste Hochhaus von Basel. © Martin Zwahlen
Rheinuferpromenade – ein fehlgeschlagenes Begrünungsexperiment
An Wochentagen ist es ein wichtiger Velo-Verbindungsweg von der Stadt zur Dreiländerbrücke. Der Rheinuferweg zwischen Dreirosenbrücke und der französischen Grenze ist für einen gemütlichen Abendschwumm zu empfehlen. Seit diesem Sommer ist die Promenade von vielen entdeckt worden und wird rege genutzt. Das, obwohl der Ort einer kahlen Hitzeoase gleicht. Über den Winter sollte sich das ändern. Die Stadtgärtnerei setzt gerade mehrere Aufwertungsmassnahmen um, die das gescheiterte Vegetationskonzept retten sollen.
Viel Asphalt und Stein. Hinten der Hohen Mauern ein bisschen Grün und das schönste Hochhaus von Basel. © Martin Zwahlen
Kritik am Projekt wurde bereits häufig geäussert. Das gesamte Bauwerk mit den vielen Überwachungskameras erweckt bei vielen Personen das Bild eines Bollwerks. Der Ghostwriter H.W.R schrieb in seinem Blog: «Der «Elsässerrheinweg» hat an diesem Tag fast ohne Menschen eine eigenartige Ausstrahlung. – Er erinnert mich an eine Festung. An die Mauern und Wehrgänge von Bellinzona. Man könnte sich dazu unterirdische Gänge vorstellen, Geschütz-Stellungen und Wachtpatrouillen.» Hingegen sehen von den edel anmutenden aufgesetzten Kalksteinbändern geblendete Architekturkritiken in diesem Betonbauwerk «einen warmen, textilen Ausdruck» In einem Interview 2016 für die Tageswoche beginnt Herr Hager mit dem Satz: «Jetzt sieht es tatsächlich noch extrem kahl aus.» Im weiteren Teil vom Artikel verspricht er uns bald eine artenreiche Ritzenvegetation und voluminöse schattenspendende Bäume.
Zahnlücken in der Mauer. Pflanzen sind noch keine gewachsen, aber die ersten Steine sind bereits herausgefallen. © Martin Zwahlen
2007 gewann uniola (damals noch Hager Partner AG in Zürich) den Wettbewerb «Neunutzung Hafen St. Johann – Campus Plus». Gefordert war eine neue Fuss- und Veloverbindung entlang des Rheins zu der französischen Gemeinde Hüningen. Bei der Auslobung betitelte das Baublatt den Entwurf als «Hängende Gärten». Die Grundidee war nämlich, dass die Fugen der Mauern und Plattenbeläge mit der Zeit von Spontanvegetation besiedelt werden und sich somit ein üppiger Bewuchs bildet.
Luftbild mit dem alten St. Johann Hafen (2010) © GeoPortal BS
Die Arbeiten im Hafenareal dauerten über 5 Jahre. Viel Material wurde angeliefert, damit wurde der alte Hafen überdeckt und das Grundstück der Novartis erweitert. Nach über sechsjähriger Planung und zwei Jahren Bauzeit konnte die Promenade 2016 eröffnet werden. Während diesen ganzen Jahren hätte sich die Vegetation, in den dafür vorgesehen Ritzen zwischen den Steinen, ansiedeln können. Doch ist bis heute ausser ein paar verkümmerter Bäume nichts Grünes entlang der Promenade zu sehen.
Der Hafen wird überdeckt und aufgefüllt, damit das Novartis Areal vergrössert werden kann. (2012) © GeoPortal BS
An den etwa 28 Millionen Baukosten, beteiligte sich der Bund mit 4 Millionen, weil es sich um ein grenzüberschreitendes Vorhaben zu Gunsten von Fussgängern und Velofahrenden handelt. Die restlichen 24 Millionen wurden vom Kanton übernommen. Novartis hat lediglich das Planungsverfahren (Wettbewerb und Planung bis Ratschlag) übernommen.
Die geschwungene Linie vom Bauwerk ist im Luftbild gut erkennbar. (2021) © GeoPortal BS
Viele Leute nutzen die Promenade, um in die nahe gelegene «Petite Camargue» zu gelangen oder auch um nach Frankreich oder Deutschland einkaufen zu gehen. Seit diesem Sommer können die Leute von einer Oase in der Beton- und Asphaltwüste profitieren. Das neue Restaurant, Bar und Club «Basso» hat im Asklepios von Herzog & de Meuron eröffnet. Die Möglichkeit nach einem Rheinschwumm etwas zu trinken und bis spät auf einer Party zu tanzen, alles am gleichen Ort, ist in der Stadt einmalig.
Im Kiesstreifen entlang der Mauer sollten Pflanzen wachsen. Ein Vlies zwischen Kies und Boden erschwert die Ansiedlung der Pflanzen und darunter viel Beton. © Martin Zwahlen
Die Arbeiten haben begonnen. Bevor die Pflanzen und Bäume kommen, muss der Asphalt zurückgebaut werden. © Martin Zwahlen
Dass die Stadtgärtnerei den Ort nun begrünt und die Aufenthaltsqualität steigert, ist zu begrüssen. In der Planung wurden die Landschaftsarchitekten uniola involviert. Leider ist ihnen die vor allem im Luftbild erkennbare Form der Mauer wichtiger als ein angenehmes Stadtklima. «Eine partielle Begrünung der Mauern mit Kletterpflanzen wird angestrebt, ohne dass die markanten, geschwungenen Mauern als identitätsstiftende Gestaltungselemente der Rheinuferpromenade verdeckt werden.» schreibt uniola auf ihrer Website. Im Wettbewerb waren überwuchernde Hängegärten mit einer Anlehnung zur Pfalz geplant, jetzt soll es eine gezähmte Begrünung werden.
So stellen sich die Landschaftsarchitekten uniola die Aufwetung der Promenade vor. © uniola
Experimente führen zu neuen Erkenntnissen. Bei einem 600 Metern langen Projekt mit zwei Kilometer Mauern und 10'000 Quadratmeter Mauerfläche (stolze Zahlen auf der Website von uniola) und Kosten von 28 Millionen Franken wären ein Mock-up und Test sicherlich möglich gewesen. Insbesondere, weil die Projektierungszeit 6 Jahre gedauert hat, etwa so lange wie die Mauern jetzt schon stehen und nun von der Stadtgärtnerei neu begrünt werden müssen.
Text: Martin Zwahlen / Architektur BaselQuellen: Projektbeschrieb auf der Website von uniola: https://www.uniola.com/de/project/jor707_zzw883_bwe568/ Intervien mit Guido Hager: https://tageswoche.ch/politik/zu-wenig-gruen-landschaftsarchitekt-guido-hager-nimmt-stellung-zur-kritik/index.html Blog von Ghostwriter H.W.R: https://www.schreibenlassen.ch/homepage/155-2022_10_25.html