«Roche und Novartis stehen ausserhalb des Rechts. So wie in der mittelalterlichen Stadt die Klosteranlagen.»

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Im gut gefüllten Saal des Union im Kleinbasel lud das Architekturmuseum und die Zeitschrift werk, bauen + wohnen zur Diskussion um die künftige Stadtentwicklung Basels: Bereits die Einführung durch Kantonsbaumeister Beat Aeberhard zeigte die Grenzen und Schwierigkeiten des Wachstums der Stadt: Bis 2050 sollen in Basel 26‘000 zusätzliche Arbeitsplätze und Wohnraum für 16‘000 Menschen entstehen. Wenn man gemäss Statistik von zwei Stadtbewohnern pro Arbeitsplatz ausgeht, bedeutet das fehlende Wohnungen für über 30‘000 Menschen. Darüber hinaus soll der «Pendlerzuwachs begrenzt werden» und «niemand direkt auf die Strasse gestellt werden.» Basel, die eierlegende Wollmilchsau. Wie das funktionieren soll, liess Aeberhard offen.

Die anschliessende Diskussion stiess an die Grenzen der thematischen Komplexität: Ein echte Kontroverse, ein Wettstreit der Ideen entbrannte nicht. Sie wünsche sich keine grosse Veränderung, meinte die junge Architektin, Charlotte Von Moos, gleich zu Beginn. Und nahm der Diskussion damit viel Wind aus den Segeln. Immerhin lieferte der neue S AM-Direktor, Andreas Ruby, einige gute Steilpässe: «Wir spüren den Druck des Wachstums, wie kann es gelingen, dagegen einen Unterdruck zu erzeugen, der offene, nicht differenzierte Potentialräume ermöglicht?» Architektin Anna Jessen sprach sich für eine «Welcome City» (in Referenz zur ‚Arrival City‘ des deutschen Pavillons an der diesjährigen Biennale) aus, wobei insbesondere der Bespielung des Erdgeschosses eine entscheidende Rolle zukomme. Man müsse auch den Mut haben den «Kernstadtkörper anzufassen». Sie skizzierte eine Verlegung des Bahnhofs SBB in die Talachse der Birsig. Es blieb die einzig konkret-anschauliche Idee an diesem Abend. Leider stiess sie auf keine Resonanz.

Das prominenteste Mitglied der Runde, Pierre de Meuron, argumentierte in gewohnt überlegt-überlegener Gelassenheit: «Die Stadt ist ein Psychogramm seiner Bewohner.» Resignation? Altersmilde? Auf jeden Fall keine besonders anspornende Erkenntnis, wenn es doch darum geht, in Zeiten der erstarkenden Nationalismen, Ideen für eine künftige, lebenswert-offene Grenzstadt Basel zu skizzieren. «Stadt entsteht nicht von einem Tag auf den anderen», damit hatte de Meuron sicherlich recht. Dennoch wirkten die Worte mit Blick auf die unglaublich dynamische Entwicklung der Pharmaareale etwas hohl. Die Begründung folgte sogleich: «Roche und Novartis stehen ausserhalb des Rechts. So wie in der mittelalterlichen Stadt die Klosteranlagen.» Ja, so eine Podiumsdiskussion ist immer auch ein Psychogramm der Architekten einer Stadt.

Text: Architektur Basel / Bild: werk, bauen + wohnen

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