Römische Villa Munzach Liestal | Baselbieter Baukultur #24

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Bei Bauarbeiten zur Erneuerung einer Wasserquelle entdeckte man in Liestal 1950 die Überreste älterer Bausubstanz. In der Folge legte man über Jahre eine Anlage frei, die alles vorstellbare übertraf.

2000 Jahre zuvor…
Viele zivile römische Siedlungen oder militärisch genutzte Einrichtungen gründen auf keltischen Vorgängerbauten. Vermutlich auch der Gutshof «Munciacum» in Liestal. Die frühesten Funde konnten der Zeit um 100 v. Chr. zugeordnet werden. Nur gerade 5 km vom ungleich bekannteren Augusta Raurica enstand im 1. Jhd. n. Chr. eine 150 × 320 m grosse Villenanlage. Die heutige Vorstellung, wie die Anlage wohl ausgesehen haben mag ist wage; angenommen wird eine Anordnung nach klassisch römischem Schema: eine architektonisch und räumlich in sich geschlossene Einheit, die sich vermutlich auch selbst versorgte. Im Prinzip besteht der typische römische Gutshof aus einem Herrenhaus («pars urbana») und einem Ökonomieteil («pars rustica»). Das Herrenhaus der Villa Munzach dürfte sehr geräumig gewesen sein. Dazu gehörte neben einer grossen Küche ein vornehmer Säulengang sowie ein Badetrakt. Mosaikböden im Inneren, Amphoren oder mit Carraramarmor verzierte Säulen weisen auf eine Eigentümerschaft aus der Oberschicht hin.

Römische Villa Munzach, Liestal © Architektur Basel

Römische Villa Munzach, Liestal © Architektur Basel

Dem kompakten Herrenhaus stand der Ökonomieteil gegenüber. Die vom Herrenhaus ausgehende angenommene U-förmige Anlage wurde von einer Umfassungsmauer gegen aussen begrenzt. Die Ökonomiegebäude reihten sich jeweils entlang dieser Mauer auf. Längs durch die Anlage floss der Rösernbach. Zum Gutshof gehörte vermutlich eine gewisse Anzahl Felder zur Produktion.

Mittelalterliche Funde
Erschwerend zur Bestimmung der baulichen Elemente der Anlage kommt wohl hinzu, dass sich verschiedene Nutzungsepochen überlagern. So dürfte die Villa Munzach den Niedergang des römischen Reiches zwar nicht unbeschadet überlebt haben, bestand aber danach als Dorf weiter. Ab 550 bis 1200 n. Chr. entwickelte sich ein kleines Dorf. Im 7. Jhd. wurde die mittelalterliche Kirche «St. Laurentius» gebaut. Sie stand bis 1765. Einer Urkunde des Klosters St. Gallen nach existiert «Monzacha» um 800 n. Chr. als Gerichtsort.

Römische Villa Munzach, Liestal © Architektur Basel

Römische Villa Munzach, Liestal © Architektur Basel

Ausführlichere Informationen, Kartenmaterial der Ausgrabung und Zeichnungen der vermuteten Anlage, sowie Berichte und Dokumentationen finden sich auf der Website der Munzachgesellschaft Liestal.

Römischer Gutshof Munzach Liestal
Funktion: Villenanlage
Adresse: Bienentalstrasse, 4410 Liestal
Entdeckung: 1950
Gründung: ca. 1. Jhd n. Chr.
Vorgängerbauten: ca. 100 v. Chr.


Text:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Fotos:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Informationstafel vor Ort
– Website der Munzachgesellschaft Liestal

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