Sesam, öffne dich! Beim Meret Oppenheim Hochhaus tut sich was

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Gross war der Aufruhr über das Erscheinungsbild des Meret Oppenheim-Hochhaus (kurz: MOH) beim Bahnhof SBB. In einem polemischen Artikel in der BaZ wurde der Neubau mit Schimpf und Schande bedacht. Dabei wurde das „hermetische, klobige“ Äussere kritisiert, gleichzeitig jedoch vergessen, dass sich die Faltläden in bewohntem Zustand ab Februar 2019 individuell öffnen oder schliessen werden – und dem Haus damit ein lebendiges, im besten Fall verspieltes Aussehen verleihen werden.

Bei all dem Getöse ging dies auf der Redaktion am Aeschenplatz irgendwo unter. Diese Woche haben die Projektverantwortlichen reagiert: Ein grosser Teil der Faltläden wurden geöffnet. Damit offenbarte sich ein erstes Mal das spätere Erscheinungsbild im bewohnten Zustand. Das Haus wirkt kleinteiliger und lebendiger. Dafür geht jedoch etwas von der skulpturalen, kubischen Qualität des Stapelvolumens verloren.

Axonometrie © wh-p Ingenieure AG

Axonometrie des MOH © wh-p Ingenieure AG

Die Leserschaft von Architektur Basel reagiert in einer entsprechenden Umfrage auf unserer Facebook-Seite mehrheitlich positiv auf die geöffneten Läden. „Geschlossen wahrlich übel, aber mit geöffneten Läden ganz interessant,“ schreibt beispielsweise Leser Laurent Voegelin. Auf den Aspekt der Wandelbarkeit und Dynamik weist Philipp Fuchs hin: „Gefällt mir gut mit den geöffneten Faltläden. Ich denke, so wird sich das Gebäude stets wechselhaft und dynamisch präsentieren – damit wird auch der brutalistische, sehr massive Eindruck gemildert.“ Francis Barcelo formuliert seine Meinung kurz und bündig: „Wird super aussehen, wenn es belebt ist.“ Was man noch nicht beurteilen kann, ist die Wirkung im bewohnten Zustand bei Nacht, wenn die Wohnungen jeweils unterschiedlich beleuchtet sein werden. „Zum Glück sind die oberen Stockwerke Wohnungen, so dass es dann wirklich auch bei Nacht etwas interessanter wirkt,“ schreibt Leser Tobias Biedert.

Bemerkenswert sind die vereinzelten Stimmen, die den gschlossenen Zustand bevorzugen. „Naja, geschlossen waren die Körper imposanter und ruhiger. Jetzt gleicht es doch mehr einem Gebastel,“ meint beispielsweise Matthias Braun. Kritisch betrachtet wird ausserdem die städtebauliche Setzung und Volumetrie insbesondere in der Blickachse vom Aeschengraben. „Gegen das Haus ist nichts einzuwenden. Gibt einige langweiligere Hochhäuser. Schade ist es jedoch um den Blick vom Aeschengraben über den Centralbahnplatz. Da verliert das historische Bahnhofsgebäude mit dem MOH im Hintergrund an Grösse und Ausstrahlung…“, schreibt Leser Dieter Bachmann.

Meret Oppenheim Hochhaus © Architektur Basel

Meret Oppenheim Hochhaus © Architektur Basel

Bei all den unterschiedlichen Ansichten und Meinungen ist etwas sicher: Es gab und gibt in Basel wohl kaum ein Gebäude, das schon während der Bauphase eine derart kontroverse Diskussion auszulösen vermochte. In diesem Sinne freuen wir uns auf das fertige – und vor allem bewohnte – Meret Oppenheim Hochhaus ab Februar kommenden Jahres. Wir werden berichten.

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel

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