So geht Baukultur! Heimatschutz prämiert drei vorbildliche Bauten

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Eine Woche nach der Auszeichnung Guter Bauten wurden erneut Preise für gutes Bauen verliehen. Diesmal vom Basler Heimatschutz, der seit 1969 jährlich fachmännisch renovierte Altbauten und vorbildliche Neubauten prämiert. Damit soll der besonders sorgfältige Umgang mit unserer Baukultur öffentlich gewürdigt werden. Ein Ausschuss des Heimatschutz-Vorstandes bewertet die Objekte sorgfältig. Im Rahmen der diesjährigen Jahresversammlung wurden folgende drei Bauten ausgezeichnet. Zwei davon erhielten ebenfalls die Auszeichnung Guter Bauten …

Wohnüberbauung Maiengasse von Esch Sintzel Architekten

Wohnüberbauung, Maiengasse © Kuster Frey

„Cour d’honneur“ in der Wohnüberbauung Maiengasse © Kuster Frey

Die Maiengasse und die Hebelstrasse liegen in einem Quartier mit Wohnhäusern, universitären Institutionen sowie dem Universitäts- und Kinderspital. Auf dem 4‘400 m2 grossen Areal in der Zone 4 waren ehemals Werkstätten des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) untergebracht. Der Rückzug des BVD eröffnete dem Kanton die Chance, erschwinglichen Wohnraum für unterschiedliche Generationen zu schaffen. Das Mehrgenerationen-Projekt wird durch einen Doppelkindergarten abgerundet. Insgesamt sind 55 Eineinhalb- bis Sechseinhalbzimmer- und teilweise Maisonettewohnungen. Ateliers und Hobbyräume entstanden. Die Baulücke zur Hebelstrasse wurde mit einem in die Häuserzeile integrierten Bau geschlossen.

An der Maiengasse öffnen sich zwei V-fönnig angeordnete, dreigeschossige Gebäudekomplexe zur Strasse hin und erschliessen die beiden Kindergärten und vier grosszügigen Treppenhäuser zu den Wohnungen. Die beiden Schenkel und ihre Verbindung im südlichen Bereich schaffen im Innenhof einen idealen, gassenartigen Platz zur Begegnung, zum Verweilen und Spielen. Dieser Freiraum dient sowohl dem Doppelkindergarten als auch der Wohnqualität. Gleichzeitig vermag er zwischen privatem und öffentlichem Raum zu vermitteln, Auf beiden Seiten der Schenkel entstanden zweigeschossige Reihenhäuser mit privaten Gärten, darüber unterschiedlich grosse Geschosswohnungen. Der Neubau zur Hebelstrasse erfolgt als Vierspänner, mit attraktiven Wohnstrukturen und hohen räumlichen Qualitäten. Maiengasse und Hebelstrasse unterscheiden sich städtebaulich. Dies manifestiert sich auch in unterschiedlicher Bebauung, Konstruktionsweise und Materialisierung der beiden Gebäude. Das Hofgebäude ist als Holzbau konzipiert mit Stützen und Trägern als Primärstruktur, Dadurch entstehen höhere Räume als üblich, die eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahlen. Die Leichtbauwände erlauben eine nachhaltige Bauweise, die an ihre Vorgänger, die alten Gewerbebauten des Hochbauamts erinnert.

Adresse: Maiengasse 7-15 / Hebelstrasse 52, 4056 Basel
Bauherrschaft: Elnwohnergemeinde Basel-Stadt vertreten durch Immobilien Basel-Stadt / Hochbauamt
Architektur: Esch. Sintzel Architekten, Zürich, Projektleitung Marco Rickenbacher / Schmid Landschaftsarchltekten, Zürich

Restaurierung Einfamilienhaus Angensteinerstrasse von Schröer Sell Architekten

Einfamilienhaus Angensteinerstrasse © Bernard Jaggi

Einfamilienhaus Angensteinerstrasse © Bernard Jaggi

Die beiden Einfamilienhäuser an der Angensteinerstrasse 31 und 33 wurden von dem Basler Architekten Vischer & Fueter im Jahre 1896 errichtet. Dank dem Zusammenwirken einer für die Qualitäten dieses Wohnhauses sensibilisierten Bauherrschaft gepaart mit den Fähigkeiten eines bestens ausgewiesenen Architekturbüros resultierte eine überzeugende Gesamtrenovation. Das über 100 Jahre alte Baudenkmal war allenthalben etwas sanierungsbedürftig, insbesondere was die technischen Einrichtungen wie Heizung, Elektrisch, Sanitäranlagen usw. anbelangt. Küche und Nasszellen wurden technisch wie auch gestalterisch nach praktischen Kriterien und in modernem Design gehalten. Diese Erneuerungen kontrastieren ideal und äusserst zurückhaltend zum ursprünglichen Bestand in den Wohnräumen und Erschliessungszonen, wo sehr schöne Parkettböden und Terrazzo fachgerecht aufgefrischt wurden und Wände und stuckierte Decken in Weisstönen gehalten sind.

Eine echte Herausforderung war die substanzschonende Restaurierung der Fenster unter gleichzeitiger Verbesserung ihrer energetischen Eigenschaften. Dabei konnten die wunderschönen originalen Fenster inkl. der Vorfenster erhalten und restauriert werden. Repariert und aufgefrischt wurden auch sämtliche Schlagläden sowie die raffinierten Faltläden bei den Fensteranlagen zu Terrasse und Balkonen. Einige frühere Umbaumassnahmen konnten nun in Annäherung an den Originalzustand wieder korrigiert werden. So wurde zum Beispiel der alte Lichtschacht, der vom Dach her Licht in die Kernzone brachte, reaktiviert. Es ist ein ganz besonderer Glücksfall, dass dieses zu Recht im Denkmalverzeichnis eingetragene Gebäude im Besitz einer Bauherrschaft ist, die nicht nur den Blick für das Ganze, sondern auch speziell für die Qualitäten im Detail hat. Im Austausch mit dem Architekturbüro Schröer Sell ergab sich eine fruchtbare und kreative Zusammenarbeit, die zu diesem insgesamt hervorragenden Ergebnis führte.

Adresse: Angensteinerstrasse 33, 4052 Basel
Bauherrschaft: Gabrielle Lüscher-Engi, Hans Peter Brugger
Architekten: Schröer Sell Architekten GmbH, Basel

Doppelkindergarten mit Tagesstrukturen an der Paradiesstrasse in Riehen von Miller & Maranta

Doppelkindergarten Riehen © Ruedi Walti

Doppelkindergarten Riehen © Ruedi Walti

An der Paradiesstrasse in Riehen ist ein faszinierender Kindergarten-Neubau entstanden. Er befindet sich in unmittelbarer Nähe des Schulhauses an der Burgstrasse. Da heute die Schulen auch Tagesbetreuung anbieten, die im Schulhaus nicht unterzubringen waren, hat man in den Neubau auch diese Nutzung integriert. Er enthält also zwei Kindergärten, dazu auch noch Aufenthaltsräume für die Primarschüler. Für den Neubau wurde 2014 ein eingeladener Wettbewerb ausgeschrieben, der von den Architekten Miller & Maranta gewonnen wurde. Die Architekten haben einen L-förmigen eingeschossigen Baukörper geschaffen, der von einem hohen, weit herabgezogenen Dach bekrönt wird. Dessen Form und die asymmetrisch gestalteten Dachhüte geben dem Bau eine heimelige und phantasievolle Note. Das Gebäude ist in Leichtbauweise erstellt und auf eine Stahlplatte pavillonartig aufgesetzt. Im Erdgeschoss befindet sich zwischen den Fensterfronten und einer umlaufenden Stützenreihe, die das heruntergezogene Dach trägt, ein durchgehender regengeschützter Umgang.

Die beiden Kindergärten und der Tagesstrukturbereich haben verschiedene Eingänge. Auf der Rückseite des Gebäudes liegt ein Garten mit grosszügig angelegtem Spielplatz. Das Innere des Gebäudes enthält drei Kernzonen mit den umgebenden Nebenräumen. Die Wande sind holzverkleidet und bewirken dadurch eine wohnliche Atmosphäre. Die Haupträume sind bis unter das Dach durchgehend hochgezogen und von Oberlichtern beleuchtet. Dadurch entsteht eine faszinierende Raumwirkung. Die Nebenräume dagegen sind niedriger angelegt, mit darüber liegenden Räumen im Dachgeschoss. Hier haben sich die Architekten im Bereich der beiden Kindergärten etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Spiel- und Erholungsplätze für die Kinder, die sich hier zurückziehen können. Dank architektonischem Können und grossem Einfühlungsvermögen ist hier ein Gebäude entstanden, das für die Kinder und ihre Betreuer wohl wirklich ein kleines Paradies an der gleichnamigen Strasse sein dürfte.

Adresse: Paradiesstrasse 45 / 47, Riehen
Bauherrschaft: Gemeinde Riehen
Architekten: Miller & Maranta, dipl. Architekten ETH BSA SIA

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