Stimmungstest: 54% sagen NEIN zum Ozeanium

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Auf unserer Facebook-Seite wagten wir den Stimmungstest. Soll das Ozeanium an der Heuwaage gebaut werden? Eine Woche lang war unsere Community aufgerufen ihre Stimme abzugeben. Das Resultat zeugt vom kalten, rauen Wind der dem Projekt entgegenschlägt: Eine Mehrheit von 54% der insgesamt 1’629 Stimmenden sagten Nein zum Ozeanium, das von Boltshauser Architekten aus Zürich entworfen wurde.

Ozeanium Basel © nightnurse images, Zürich

Erschliessungshalle im Ozeanium Basel © nightnurse images, Zürich

Wer laut schreit, findet mehr Gehör? Wer die Kommentarspalte als Massstab für die Meinung der Bevölkerung zum Ozeanium-Projekt nahm, hätte eine viel höhere Ablehnung erwartet. Hier wurde fleissig Stimmung gegen den Neubau gemacht. „Nur die Freiheit ist Artgerecht“, war dabei die vielfach geäusserte Losung. Die Gegner aus Tierschutzkreisen machten erfolgreich mobil und dominierten mit ihren Argumenten den Diskurs. „Auf diese Weise Tiere zu zeigen ist Rückständig und nicht Zeitgemäss“, schrieb beispielsweise Kuno Bachmann. Und Leser Petter Rettenmund setze einen obendrauf: „Erinnert mich doch stark an die „Völkerschau“ im Zolli Basel. Kein Ozeanium für ein freiheitliches Basel.“

Ozeanium Basel © Boltshauser Architekten AG, Zürich

Schnitt Ozeanium Basel © Boltshauser Architekten AG, Zürich

Die Befürworter musste man in der Kommentarspalte mit der Lupe suchen. „Ich würd mich freuen, wenns gebaut wird“, schrieb Charlotte Erni zurückhaltend. Andere wünschten sich das im Wettbewerb nicht berücksichtige Projekt von Architektin Zaha Hadid zurück: „Mir hätte Zaha Hadid Architects‘ Entwurf gefallen. Nun ist es mir egal, ob überhaupt gebaut wird …“, kommentierte Xela Rats K. Calballik. Andere, wie Bobby Eclecto, störten sich an der von Roger Boltshauser gewählten Architektursprache: „Architektonisch o.k. – wenn auch offensichtlich einfallslos brutalistisch.“

Ozeanium Basel © Philipp Schaerer, Zürich

Leuchtturmprojekt an der Heuwaage? Das Ozeanium Basel © Philipp Schaerer, Zürich

Die Voten der Befürworter konnten an einer Hand abgezählt werden. Hier fehlte ganz offensichtlich das feu sacré, um sich in die Diskussion einzumischen. Ganz anders auf der Gegenseite. Der Präsident der Juso Basel-Stadt, Nicolas Eichenberger, formulierte seine Haltung unmissverständlich: „Das Ozeanium ist keine architektonische oder städtebauliche Frage, sondern eine ethische und ökologische. Und dann kann es nur ein Nein sein.“

Den Gegnern ist nicht nur das Ozeanium-Projekt ein Dorn im Auge, sondern der Zolli als Institution: „Bereits jetzt hat der Zoo Basel Mühe zu erklären, warum z.B. Wildschweine gefangen gehalten werden, obwohl diese Spezies in den heimischen Wäldern lebt und in keinster Weise bedroht ist“, argumentierte Eichenberger. Ob es da hilft, wenn die Befürworter betonen, dass – so wie der Zolli – auch das Ozeanium der Umweltbildung dienen soll und so einen Beitrag zum Artenschutz leisten werde. Unmissverständlich formulierte ihre Meinung Leserin Marie Neumann: „Zoos sind immer Tierquälerei.“

Ozeanium Basel © Boltshauser Architekten AG, Zürich

Fassade Ozeanium Basel © Boltshauser Architekten AG, Zürich

Welche Erkenntnis liefert die Umfrage? Trotz allem lauten, unüberhörbaren Säbelrasseln der Ozeanium-Gegner ist in der Bevölkerung auch Rückhalt für den Neubau vorhanden. Immerhin 46% sprachen sich für das Projekt aus. Was den Befürwortern jedoch zu denken geben sollte, ist die fehlenden positive Erzählung, die mangelnde Begeisterung für das Ozeanium. Ist das Projekt in Zeiten von Klimastreiks überhaupt noch sinnvoll? Den Befürwortern fehlt das feu sacré, das auf der Gegenseite im Überfluss vorhanden ist. Es gibt noch viel Aufholbedarf. Ansonsten wird das Resultat der Volksabstimmung ähnlich wie auf unserer Facebook-Seite ausfallen: 54% Nein zum Ozeanium…

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel

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