Umbau Wohnhaus in Riehen: Das Glück liegt im Detail

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Am Anfang standen ein grosses Fragezeichen und ein leerstehendes Haus: Lässt sich in einen kleinteiligen, schlecht belichteten Altbau aus dem 19. Jahrhundert zeitgemässes Wohnen integrieren? Der Umbau von Architekt Tobias Hilbert liefert eine eindeutige Antwort: Ja, es lässt sich. Ihm gelang es, dem kleinen Reihenhaus an der Schützengasse in Riehen  das über ein Jahr lang keinen Käufer fand neues Leben einzuhauchen. Hell und einladend sind die Räume nach dem Umbau. Der Bezug zum Garten wurde gestärkt.

„Die Grundidee des Umbaus bestand hauptsächlich darin, durch den Abbruch einiger Wände ausreichend Licht ins innere des Gebäudes zu bringen und die neuen Räume so zu zonieren, dass die ursprüngliche Raumaufteilung nicht komplett verloren geht,“ erklärt Tobias Hilbert. Die äussere Erscheinung änderte sich nur sanft: So wurde die Strassenfassade durch den Abbruch des in den 1980-er Jahren hinzugefügten Vordachs wieder in den Originalzustand zurückgeführt. Das Haus fügt sich nun besser ins Bild der Reihenhäuser. Auf der Gartenseite wurde ein aussenliegender zweigeschossiger WC-Anbau abgerochen und ein grosses Fenster zum Garten eingefügt.

Im Erdgeschoss wurde mehr Raum geschaffen. Dafür sind alle Innenwände entfernt worden. Der neue Raum wurde durch ein freistehendes Möbel und die eingefügten Unterzüge gegliedert. Einerseits zeichnen sich die drei Raumschichten Küche, Essen und Wohnen deutlich ab, andererseits ist das Erdgeschoss bereits beim betreten des Hauses als ein grosszügiger Raum mit freier Durchsicht in den Garten erlebbar. Im Wohnbereich wurde die tiefe Decke durch eine neue Holzdecke ersetzt, bei der die Balken sichtbar sind und dadurch einen höheren Raumeindruck erzeugen.

Auch die Erneuerung der Haustechnik wurde architektonisch gedacht: Durch die Verlagerung der Heizung ins Dachgeschoss konnte der vorhandene Kamin für den Einbau eines Cheminées genutzt werden. Eine Holztreppe, die über die gesamte Breite des Hauses verläuft, stellt die Verbindung in den Garten her und bildet durch ihre Ausrichtung nach Westen einen wunderbaren Abendsitzplatz. Die Treppe ist nicht nur den Zugang in den Garten, sondern deckt auch die Aussentreppe in den Keller ab. Ein Teil der Treppe lässt sich wie eine Kofferraumklappe öffnen und ermöglicht so den direkten Zugang zum Keller.

Die Böden im gesamtem Haus bestehen aus gebürsteten und geölten Eichendielen, die Wände sind mit einem hellen, roh belassenem Kalkputz verputzt. Die Decken wurden mit Gips abgeglättet und ebenfalls roh belassen. „Bei der Materialisierung habe ich viel Wert auf natürliche und möglichst wenige Materialien gelegt“, sagt Hilbert. Die hellen Wände und Decken transportieren nicht nur viel Licht ins Innere sondern verleihen dem Haus durch ihre leicht wolkige Struktur Ruhe und Gelassenheit. Die bestehende Treppe wurde von zahlreichen Lackschichten befreit, die Geländer mit Ölfarbe gestrichen und die Treppenstufen geölt.

Der Umbau besticht durch den gelassen-souveränen Umgang mit denkmalpflegerischen Fragen. Einer akkuraten Rekonstruktion wurde eine Weiterentwicklung im Sinne der bestehenden Struktur des Hauses vorgezogen. Es integriert sich heute besser in den Kontext und bietet im Innern dennoch Wohnraum, der heutigen Ansprüchen zu genügen vermag. Hilbert selbst sieht den Umbau nicht im Sinne einer grossen Geste, sondern vielmehr in der Addition vieler kleiner Eingriffe und Massnahmen, „die in ihrer Summe zu einem stimmigen Ganzen führen.“

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