Unsere achtfache Leseempfehlung: Zeit für Basler Architekurliteratur!

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Die Coronakrise fordert uns alle heraus. Die meisten ArchitektInnen arbeiten inzwischen im Homeoffice. Architekturvorträge und öffentliche Besichtigungen finden vorerst keine mehr statt. Sämtliche Museen sind geschlossen. Die Verlangsamung des Lebens bietet auch Chancen. Wann, wenn nicht jetzt, könnte man sich wieder einmal der Architekturlektüre widmen? Die Buchläden sind zwar geschlossen; die Webshops jedoch weiterhin offen. Für genügend Nachschub an geistiger Nahrung ist also gesorgt. Wir haben für euch als Leseempfehlung eine eine kleine Auswahl besonders lesenswerter Basler Architekturliteratur zusammengestellt.

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Hans Schmidt: Beiträge zur Architektur 1924 – 1964

Das beeindruckende theoretische Werk des Basler Architekten Hans Schmidt wird in diesem kleinen Büchlein zusammengefasst. Von den radikalen Texten in der legendären Zeitschrift ABC über die von seinem Sowjet-Aufenthalt geprägten Überlegungen zum Formalismus und Monumentalen bis zu Texten über das standardisierte, industrielle Bauen in der DDR, versammeln sich auf 200 Seiten vielschichtige Gedanken zur Architektur. Da fragt Schmidt beispielsweise rhetorisch: „Muss industrielles Bauen langweilig sein?“ Nach dem Ersten Weltkrieg entschied sich Schmidt, seine Entwürfe grundsätzlich auf die veränderte soziale Situation auszurichten und den Weg der Industrialisierung und Massenproduktion einzuschlagen. Der Reprint von Schmidts Schriften bildet eine unverzichtbare Quelle zur Klärung von Grundfragen der modernen Schweizer Architektur. Fazit: Seine wichtigsten „Beiträge zur Architektur“ sind noch heute von Relevanz.

Hans Schmidt: Beiträge zur Architektur 1924 – 1964
GTA Verlag, 1993, CHF 42.00
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Wer ein Faible für Gotik und Barock hat, ist bei Rose Marie Schulz-Rehberg bestens aufgehoben. Anhand von Bauten wie dem Münster oder dem Stadthaus der Bürgergemeinde lässt sich durch die Jahrhunderte ein Panorama der Stadt- und Wirtschaftsgeschichte Basels nachzeichnen. Bis um 1500 waren es ausnahmslos sakrale Bauten, deren Ersteller überliefert sind. Danach gewann die Errichtung von Profanbauten zunehmend an Bedeutung, allen voran das Rathaus sowie Zunfthäuser und später auch Privathäuser. Im 18. Jh. dominierten dann die Palais der Seidenbandproduzenten und Kaufleute das Stadtbild. Die Publikation geht bis zu den frühesten namentlich bekannten Architekten zurück. Mit diesem Band findet nach den beiden Vorgängerbänden der Überblicke über mehr als 600 Jahre Baugeschichte in Basel seinen Abschluss.

Rose Marie Schulz-Rehberg: Architekten von der Gotik bis zum Barock. Bauen in Basel 1280 – 1780
Christoph Merian-Verlag, 2019, CHF 40.00
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03

Wenn Architektur etwas zur Bekämpfung der Klimakrise beitragen will, dann ist das Thema wiederverwendeter Baumaterialien von grosser Bedeutung. Die Publikation untersucht das Potenzial historischer Konzepte des Upcyclings – der qualitativen Wiederverwendung von Bauten und Bauteilen – und stellt sie neuen Entwicklungen in der Architektur- und Baupraxis gegenüber. Die Autoren gehen dabei der Frage nach, inwiefern sich neue Lösungen für die Architektur der Zukunft gewinnen lassen; damit „Wiederverwendung und Upcycling“ keine Frage von Idealismus, sondern ein Argument der Ökonomie und gestalterisch-konstruktiven Qualität werden kann. Das Buch enthält einen lesenswerten Beitrag des Basler Baubüros in situ rund um Barbara Buser: „Arbeiten mit dem Gefundenen“ lautet dabei das Credo.

Daniel Stockhammer: Upcycling – Reuse and Repurposing as a Desing Principle in Architecture
Triest Verlag, 2020, CHF 39.00
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04

„Menschen wie Häuser, Häuser wie Städte, Städte wie die Welt“ von Carl Fingerhuth © Birkhäuser Verlag

Sein Name ist für die Architekturstadt Basel von grosser Bedeutung. Die Rede ist von Carl Fingerhuth, dessen Tätigkeit als Kantonsbaumeister in Basel vieles angeregt, viele Türen geöffnet und grosse Architektenkarrieren ermöglicht hat. Das Buch ist ein persönlicher Rückblick: Ein halbes Jahrhundert Erfahrung bei der Arbeit mit Städten in Europa, Afrika und China, sein Amt als Kantonsbaumeister in Basel, Lehrtätigkeit an Universitäten in Europa und Amerika sowie Publikationen wie das in vier Sprachen erschienene Buch Learning from China bilden den prägenden Hintergrund Carl Fingerhuths. Eine lesenswerte Auseinandersetzung mit dem heutigen Umgang mit der Stadt als Lebensraum des Menschen.

Carl Fingerhuth: Menschen wie Häuser, Häuser wie Städte, Städte wie die Welt
Birkhäuser, 2010, CHF 56.00
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05

Wer kennt sie nicht? Die legendären, allseits geliebten Baumgartnerhäuer, ein besonderes Phänomen der Basler Baukultur. Zwischen 1926 und 1938 erstellte die Architekturfirma Baumgartner & Hindermann in Basel rund 300 Mehrfamilienhäuser, die sich in fünf Quartieren ringförmig um das Stadtzentrum gruppieren. Als „Baumgartnerhäuser“ sind sie bis heute in Basel ein Begriff: Man schätzt ihre selbstverständliche städtebauliche Einordnung und die hohe Wohnqualität, die sich in den gut proportionierten, polyvalenten Räumen manifestiert. Dieses Buch zeigt, wie hier aus unternehmerischen Beweggründen und durch konsequente Rationalisierung des Entwurfs- und Bauprozesses eine Serie von Häusern entstand, die sich baukastenartig zu Straßenzügen und Gevierten fügen ließen. Es lenkt damit die Aufmerksamkeit auf einen in der Geschichtsschreibung wenig beachteten Typ des Mehrfamilienhauses, der bewusst dem „Mittelmass“ folgt und doch eine hoch entwickelte Urbanität und Qualität erreicht.

Die Baumgartnerhäuser – Basel 1926-1938
Birkhäuser-Verlag, 2001, CHF 49.00
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06

Keine Stadt auf diesem Planeten hat einen fundierteren, umfassenderen, besseren Architekturführer als Basel. Das mag etwas hoch gegriffen sein, ist aber so. Der „Architekturführer Basel“ von Dorothee Huber ist an Qualität und Substanz kaum zu überbieten. Auch beim 100sten mal Durchsehen lernt man noch etwas Neues über unsere Baukultur. Der Führer zeigt, wie sich aus den frühen Keltensiedlungen Schritt für Schritt die heutige Stadt entwickelt hat, und wie sich diese in ihren Bauten spiegelt. Die Publikation enthält Grundrisspläne, Namens- und Ortsregister und Stadtpläne, in denen alle vorgestellten Bauten eingezeichnet sind. Porträts bedeutender Architekten und Baumeister finden sich im ganzen Buch eingestreut. Fazit: Must-have und alltime-classic der Basler Architekturliteratur.

Dorothee Huber: Architekturführer Basel
Die Baugeschichte der Stadt und ihrer Umgebung
Christoph Merian Verlag, Basel, 2019, CHF 59.00
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07

Das Freidorf – Die Genossenschaft
Leben in einer aussergewöhnlichen Siedlung
© Christoph Merian Verlag, Basel

Vergangenes Jahr hat das Freidorf seinen 100. Geburtstag gefeiert. Im Zuge dessen wurde die Siedlung mit einer schönen Publikation gewürdigt. Die grosse Stärke des Buchs liegt in der ganzheitlichen Betrachtung des Freidorfs – ganz im Sinne der „Vollgenossenschaft“ werden viele unterschiedliche Aspekte beleuchtet, von der Ökonomie bis zur Gartengestaltung. Die lesende ArchtektIn hätte sich einen (noch) stärkeren Fokus auf die architekturhistorischen Aspekte gewünscht. Die Architektur des Freidorfs – vom Städtebau bis zum Detail – kommt insgesamt etwas zu kurz, wobei sich die Frage stellt, an wen sich das Buch in erster Linie richtet: An Baufachleute? Historiker? Genossenschafter? Freidörfler? Positiv hervorzuheben sind die vielen Bilder und Pläne. Dem kulturellen Reichtum des Freidorfs wird das Buch auf jeden Fall gerecht. Viele spannende Details und Anekdoten aus der Geschichte gibt es zu entdecken – erfreulicherweise wird der Blick dabei auch nach vorne, in die Zukunft, gerichtet. Mit den Worten des Autorenteams: „Es wird für die Siedlungsgenossenschaft Freidorf wichtig sein, rechtzeitig Visionen und Ideen zu entwickeln.“ Auf eine rosig schimmernde Zukunft des Freidorfs!

Das Freidorf – Die Genossenschaft
Leben in einer aussergewöhnlichen Siedlung
Christoph Merian Verlag, Basel, 2019, CHF 49.00
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Basler Wohngrundrissquarett © Architektur Basel

Basler Wohngrundrissquarett © Architektur Basel

Unsere letzte Empfehlung ist spielerischer Natur (und ein bisschen in eigener Sache): Das Basler Wohngrundrissquartett! Es versammelt 64 Wohnungsgrundrisse aus den letzten 120 Jahren in Basel. In jeder Epoche wurden besonders exemplarische, relevante Wohnbauten ausgesucht: Vom Haus am Viadukt von Baumeister Rudolf Linder bis zur Stadterle von Buchner Bründler.Sämtliche Grundrisse sind in einheitlichem Massstab gezeichnet. Dazu gehört ein Poster mit Stadtplan und Abbildungen aller Gebäude, in denen sich die Wohnungen befinden. Fazit: Das Quartett sorgt für Kurzweile und einen umfassenden Überblick über den Wohnungsbau in Basel.

Basler Wohngrundrissquartett
Verlag das Archiv, 2019, CHF 35.50
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Artikel: Lukas Gruntz / Architektur Basel

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