Verdichtung Hirzbrunnen-Quartier: Wohngenossenschaft Riburg geht mutig voran

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Wer heute durch das Hirzbrunnen-Quartier hinter dem Badischen Bahnhof schlendert, erlebt ein ruhige, fast verschlafene Nachbarschaft. Und dies trotz zentraler Lage samt guter Verkehrsanbindung. An der Bäumlihofstrasse als Hauptachse des Quartiers ist wenig Leben zu sehen. Der Stadtwanderer könnte sich genauso in Allschwil, Pratteln oder Frenkendorf wähnen, aber kaum einen Gedanken daran verschwenden, dass wenige hundert Meter entfernt der ICE nach Hamburg auf ihn wartet.

Hier im Hirzbrunnen ist die Wohngenossenschaft Riburg beheimatet – und mit fast 400 Wohnungen eine der grössten Grundeigentümer. Genau diese Genossenschaft hat grosse Pläne. „Unsere Analyse hat gezeigt, dass bei einzelnen Häusern sowohl der bauliche als auch der finanzielle Aufwand für eine Sanierung unverhältnismässig hoch wäre. Aus diesem Grund haben wir uns dafür entschieden, die Liegenschaften in den kommenden Jahrzehnten etappenweise durch Neubauten zu ersetzen“, so Peter Bänziger, Präsident der WG Riburg. In einem Ideen- und Projektwettbewerb im Jahre 2016 wurde eine Strategie für die Entwicklung der Siedlung aus der Nachkriegszeit gesucht. Dank Burckhardt+Partner wurde man fündig. Die Architekten schlagen den etappenweisen Ersatz der charakteristischen Zeilenbebauung in Ost-West-Orientierung vor. Bei der Zeile an der Riburgstrasse 3 bis 13 werden die Architekten bis 2020 den ersten Tatbeweis liefern. Die heute 36 Wohnungen werden durch 59 neue ersetzt.

Die neue Zeile in Weiss fügt sich selbverständlich in den Kontext ein

Die gesamte Siedlung soll in den kommenden Jahren sanft nachverdichtet werden. Von der aktuellen Ausnützungsziffer von circa 1.0 auf rund 1.6. „Die Zeilen greifen gestalterisch das Thema der Gartenvorstadt auf, erlauben durch bessere Ausnutzung der bestehenden Zonenvorschriften jedoch die Realisierung von markant mehr Wohnraum“, erklärt Daniel Keller, Leiter Projektentwicklung. Tatsächlich zeigen die Visualisierungen dreigeschossige Häuser mit ausgebautem Satteldach. Verdichtung stellt man sich normalerweise anders vor. Grauer, härter, städtischer. Burckhardt+Partner hat im Gespräch mit der Genossenschaft bewusst keine stärkere Verdichtung angestrebt. Auch wenn diese mittels Bebauungsplan oder bei Inkrafttreten der Zonenplanrevision möglich gewesen wäre. „Das Hirzbrunnen soll nicht allzu städtisch werden“, meint Samuel Schultze, Geschäftsleiter von Burckhardt+Partner. Er befürchte, das Quartier könnte dadurch seine Identität verlieren.

Moudlares Baukasten-Prinzip bestimmt den Städtebau

Das Projekt sieht eine Zeilenbebauung nach dem Baukasten-Prinzip vor. Verschiedene Module – mal Zweispänner, mal Dreispänner – können dabei kombiniert werden. Auch in der Konstruktion der Häuser ist ein hoher Grad an Vorfabrikation vorgesehen. Wahrscheinlich wird es sich um einen Holzbau handeln. Die modulare Konzeption erlaubt es zudem, einzelne Bauwiche in jeder Zeile vorzusehen. Diese Durchgänge ermöglichen eine bessere Durchwegbarkeit und Verknüpfung der gemeinschaftlichen Grünräume. Damit wird die Attraktivität des Aussenraums gesteigert.

Durchwegung der Zeilen verbindet die Grünräume

Auch im Innern der Neubauten soll es lebendig zu und her gehen. Der Fokus liegt auf Familienwohnungen. Von den 59 geplanten Einheiten werden rund 60 Prozent über 4.5 und 5.5 Zimmer verfügen. Dabei wird eine 4.5-Zimmer-Wohnung weniger als 2‘000 Franken Monatsmiete kosten. „Wir haben heute mehrheitlich 3-Zimmer-Wohnungen im Angebot. Viele junge Familien verlassen unsere Genossenschaft, weil wir ihnen keine grössere Wohnung anbieten können. Das wollen wir ändern“, erklärt Genossenschaftspräsident Bänzinger.

Und so besteht die Hoffnung, dass nach Fertigstellung 2020 wieder mehr spielende Kinder auf den Strassen des südlichen Hirzbrunnenquartiers anzutreffen sein werden. An der ausserordentlichen Generalversammlung vom 18. Januar 2018 stimmten die Genossenschafter der Umsetzung der ersten Etappe mit grosser Mehrheit zu. Ein mutiger erster Schritt zur Verdichtung des Quartiers – und dessen Wiederbelebung.

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel

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