Vom Proberaum zum Kulturhotel: Das «Guggenheim» in Liestal| Baselbieter Baukultur #60

0

Ein Restaurant, ein Eventlokal mit Bühne, Proberäume für Musikerinnen und Musiker und ein Hotel noch dazu. Seit bald sieben Jahren bietet das Guggenheim am Wasserturmplatz in Liestal ein breites kulturelles Angebot. Das beliebte Lokal funktioniert. Dabei wäre alles fast anders gekommen.

Der neue rote Eingang verbindet das Restaurant links und das Eventlokal rechts – Kulturhotel Guggenheim, Liestal © Simon Heiniger / Architektur Basel

Der neue rote Eingang verbindet das Restaurant links und das Eventlokal rechts – Kulturhotel Guggenheim, Liestal © Simon Heiniger / Architektur Basel

Eigentlich hat Inhaber Eric Rütsche anfangs nur eine neue Lokalität für eine Musikschule gesucht. Die Räume in einem Gebäude gleich vis à vis des Guggenheim auf der anderen Seite der Geleise wurden zu klein. Zusammen mit der Architektin Sibylle Hartmann erarbeiten Rütsches einen architektonischen Vorschlag zur Umnutzung des seit längerer Zeit leerstehenden Stalls gleich an den Geleisen. Einen Neubau zu erstellen steht nie zur Diskussion. Da das markant gelegene Stallgebäude nicht geschützt ist, werden auch andere auf die Parzelle aufmerksam, bieten mehr. Bald wird klar, dass nur mit einem umfassenden Konzept genügend finanzielle Mittel aufgetrieben werden können, um einerseits das Stallgebäude sinnvoll umzubauen und andererseits die Räumlichkeiten für die Musikschule längerfristig nachhaltig zu betreiben. Man entscheidet sich, das anschliessende Wohngebäude ebenfalls in den Umbau miteinzubeziehen. Aus den Proberäumen für die Musikschule wird ein Gastronomie- und Hotelbetrieb mit Konzertbühne.

Grundriss Erdgeschoss – Kulturhotel Guggenheim, Liestal. Sibylle Hartmann, Architektur und Raum

Grundriss Erdgeschoss – Kulturhotel Guggenheim, Liestal. Sibylle Hartmann, Architektur und Raum

Die bestehenden internen Erschliessungen im Stall und im Wohnhaus reichen für das neue Betriebskonzept nicht aus. Im Zwischenbereich der beiden Bestandesbauten führt ein neuer Eingang Gäste und Besucher links ins Restaurant oder ins erste Obergeschoss in die Lobby. Während das Wohnhaus nur im Erdgeschoss für das Restaurant umgebaut wird, sind die Zimmer in den Obergeschossen noch zu einem grossen Teil original. Die sanitären Anlagen, wie Badewanne oder Toilette werden bewusst in den Raum gestellt um zu zeigen: wir sind neu. Die verschiedenen Zimmer sind alle entsprechend den Räumen unterschiedlich eingerichtet. Eine unkomplizierte Sache. Etwas schwieriger gestaltet sich der Umbau der Scheune. Wer Musik macht, ist auf eine ruhige Umgebung angewiesen. Eine Konzertbühne im Stockwerk darüber und laute Güterzüge neben dem Haus sind nicht eben gute Voraussetzungen. Sibylle Hartmann entscheidet sich für ein Haus im Haus. Die gesamten inneren Konstruktionen sind von der äusseren Hülle getrennt. Dabei geht viel Platz verloren, das Gebäude allerdings – seinerseits über lange Zeit der letzte Stall im Bereich des Wasserturmplatzes – kann so aber erhalten werden.

Der rückseitige Garten liegt direkt an den Geleisen – Kulturhotel Guggenheim, Liestal © Simon Heiniger / Architektur Basel

Der rückseitige Garten liegt direkt an den Geleisen – Kulturhotel Guggenheim, Liestal © Simon Heiniger / Architektur Basel

Die gesamte Haustechnik, die für einen solchen Betrieb nötig ist, verstauen Rütsches und Hartmann im neuen Keller im Rückbereich der Eingangszone. Darüber entsteht ein lauschiger Aussensitzplatz. Dass die Bahn wenige Meter entfernt vorbeirauscht stört hier keinen, man möchte kein Ort der Stille sein.

Jedes Zimmer ist anders – Kulturhotel Guggenheim, Liestal © Simon Heiniger / Architektur Basel

Jedes Zimmer ist anders – Kulturhotel Guggenheim, Liestal © Simon Heiniger / Architektur Basel

Architektur Basel hat sich den Umbau im Rahmen einer Open House Veranstaltung zeigen lassen. Das entstandene Konglomerat überzeugt nicht in erster Linie durch eine sorgfältige Planung einheitlicher Detaillösungen. Viel mehr ist es der Wille, mit jeder Situation individuell umgehen zu können, zwei unterschiedliche Gebäude zu verbinden und Vorhandenes sinnvoll zu nutzen. Diesen Lösungsansatz hat auch den Baselbieter Heimatschutz überzeugt. 2017 wurde der Umbau in Anwesenheit des damaligen Stadtpräsidenten Lukas Ott ausgezeichnet. Sibylle Hartmann hat den beiden Häusern trotz geballtem Raumprogramm keinen Hut aufgesetzt, den sie nicht tragen könnten, aber einen der sich sehen und – verglichen mit der ursprünglichen Idee – wohl auch bezahlen lässt.

Text: Simon Heiniger / Architektur Basel


Kulturhotel Guggenheim Liestal
Adresse: Wasserturmplatz 6+7, 4410 Liestal
Architektur: Sibylle Hartmann, Architektur und Raum
Baujahr: 2012 (Umbau)
Funktion: Hotel und Gastronomie


Fotos:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Eckert Christoph + Stalder Hansjörg (2017), „Das «Guggenheim» in Liestal – vom Kuhstall zum Eventhotel“ in „Für gute Baukultur im Baselbiet, Auszeichnung 2017“, Baselbieter Heimatschutz, Liestal.

Teile diesen Beitrag!

Comments are closed.