Vor den Toren der Stadt: Villa Gauss | Baselbieter Baukultur #74

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Architekt*in unbekannt – bereits mehrere Male stachen interessante Bauten aus der Masse, deren Urheberschaft nicht geklärt ist. Auch die Villa Gauss in Liestal ist ein Kind unbekannter Eltern. Ohne Zweifel fest steht allerdings der Bauherr, Armeninspektor Martin Birmann. Ihm hat Liestal sein erstes Spital von 1877 zu verdanken. Birmann spielte in der Baselbieter Spitalgeschichte eine wesentliche Rolle. Im Beitrag zum Kantonsspital der Architekten Rudolf Steiger und Hermann Fietz haben wir Birmann bereits vorgestellt.

Villa Gauss, Liestal © Simon Heiniger / Architektur Basel

Villa Gauss, Liestal © Simon Heiniger / Architektur Basel

Birmann kaufte 1863 die Obere Matte des Berrigutes an der Liestaler Rheinstrasse und liess sich eine Villa bauen. Leider ist nicht klar, wem Birmann den Entwurf anvertraute. Die Denkmalpflege Baselland lässt ihre Vermutung, wonach Architekt Christoph Riggenbach (Villa Solitude und Elisabethenkirche in Basel) dafür verantwortlich sein könnte, offen. Jedenfalls hätte er bereits den Baubeginn 1864 nicht mehr miterlebt; Riggenbach starb ein Jahr zuvor. Vollendet wurde das Gebäude 1866.

Die Villa Gauss an der Rheinstrasse, Liestal (bearbeitet), Grundlagen Luftbild © Bundesamt für Landestopografie swisstopo

Die Villa Gauss an der Rheinstrasse, Liestal (bearbeitet), Grundlagen Luftbild © Bundesamt für Landestopografie swisstopo

Wer auch immer hat uns ein sehenswertes Gebäude hinterlassen. Die zweigeschossige Villa mit fast quadratischem Grundriss verfügt allseitig über hohe Fenster mit Gesimsverdachungen. Gegliedert wird die Fassade zudem über Ecklisenen. Eine kleine Freitreppe zeigt den Eingang an, darüber ruht ein minimaler Balkon. Die Traufe des flachen Walmdachs wird ost- und westseitig von einer Lukarne unterbrochen. Im Erdgeschoss lockert ein mittiger Erker die Ostfassade auf. Gehalten wird das etwas in die Höhe gezogene Gebäude durch einen Sockel und ein Attikageschoss mit kleinen viereckigen Fensteröffnungen. Stuckdecken und Wandtäfer im Inneren, sowie eine äusserst detailliert gestaltete Studierstube zeugen wohl von Birmanns Geschmack.

Villa Gauss, Liestal © Simon Heiniger / Architektur Basel

Abgesehen davon lässt sich die Villa durchaus auch regional verankern. Etwa finden wir – ähnlich wie bei der etwas älteren Villa Ehinger von Melchior Berri aus dem Jahr 1830 in Münchenstein einen nordseitigen Laubenanbau; damals wohl für Basler Landsitze bezeichnend. Die Villa Gauss in Liestal ist im kantonalen Inventar der geschützten Kulturgüter aufgeführt.

Text: Simon Heiniger / Architektur Basel


Villa Gauss
Adresse: Rheinstrasse 24, 4410 Liestal
Architektur: unbekannt, möglicherweise Christoph Riggenbach
Baujahr: 1864-1866
Funktion: Wohnen / Arbeiten


Fotos:
– © Simon Heiniger / Architektur Basel
Karten/Luftbild:
– Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Quellen:
– Kantonales Inventar der geschützten Kulturdenkmäler Basel-Landschaft

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