Wettbewerb Coop-Areal Pratteln: „Geschichte des Ortes weiterschreiben“

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Die Neugestaltung des Areals der ehemaligen Coop-Verteilzentrale in Pratteln nimmt konkrete Formen an. Der Juryentscheid zum städtebaulichen Wettbewerb fiel einstimmig auf den Entwurf des Basler Büros Bachelard Wagner Architekten und der Landschaftsarchitekten raderschallpartner aus Meilen. Der prämierte Vorschlag schreibt die Geschichte des Ortes weiter.

Direkt nördlich des Bahnhofs Pratteln, auf dem Areal der alten Coop-Verteilzentrale, wird die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft Logis Suisse AG (LSAG) ein „attraktives und lebendiges Quartier mit Wohn- und Gewerbenutzungen entwickeln.“ Darüber hinaus hat die Gemeinde Pratteln in Aussicht genommen, eine neue Schulanlage mit Dreifachturnhalle, auch für Vereinsnutzung, zu realisieren.

Jury am Gewinnermodell © foto-werk gmbh, Basel - Michael Fritschi

Wettbewerbsziel
Ziel des Wettbewerbs war die Erarbeitung von zukunftsweisenden und wirtschaftlich tragfähigen, städtebaulichen Konzepten, die das enorme Entwicklungspotenzial des Ortes aktivieren und zugleich sorgfältig und nachhaltig mit den Bestandsqualitäten umgehen sowie die nördlich des Bahnhofs gelegenen Wohnquartiere um ein Areal mit Zentrums- und Begegnungsqualitäten ergänzen. Hohe Ansprüche an die eingeladenen Architekten also. Als zentrale Aspekte galt es, die Verteilung der Nutzungen aufzuzeigen, die Freiräume zu definieren und die Anordnung der Baumasse als Grundlage für preisgünstigen Wohnungsbau zu bearbeiten sowie ein unabhängiges Baufeld für eine mögliche Schule auszuscheiden.

Transformation zum Stadtquartier
Der Transformationsprozess vom Industrieareal zum Wohn- und Gewerbequartier wird im Dialog mit breiten Interessengruppen und Institutionen geführt. Teile der bestehenden Gebäude bleiben erhalten, sie werden bereits während des Planungsprozesses genutzt und prägen die zukünftige Identität des Quartiers. Das Quartier erweitert mit anziehender und dichter Wohn-, Freizeit- und Gewerbenutzung den bestehenden Dorfkern von Pratteln nach Norden über die Gleise. Die Entwicklung fördert Raumangebote für verschiedenste Wohn-, Arbeits- und Lebensformen. Die Planung bindet das Quartier über die Nord-Süd- und Ost- West-Achsen eng an das bestehende Dorf und den Norden Prattelns an. Die städtebaulichen Strukturen fördern Begegnungsräume für nachbarschaftliches Zusammenleben. Stimmige Freiräume von hoher Qualität und unterschiedlicher Funktion prägen das Areal und dienen als Treffpunkte für die Nachbarschaft. Als ökologische Richtschnur dient die 2000- Watt Gesellschaft.

Es wird Mass genommen © foto-werk gmbh, Basel - Michael Fritschi

Juryentscheid
Aus der Vielfalt der zehn eingereichten Beiträge entschied die Jury einstimmig für den Entwurf «Quartett» des Basler Büros Bachelard Wagner Architekten und der Landschaftsarchitekten raderschallpartner aus Meilen. Die Jury begründet ihre Entscheidung mit folgenden Worten: „Das Siegerprojekt bildet durch sein klares Konzept, dem städtischen Auftritt nach aussen und der grosszügigen Quartierparkanlage in der Mitte einen robusten Baustein in einem im Wandel begriffenen Stadtteils Pratteln nördlich der Gleise. Gleichzeitig bildet die Möglichkeit der situativen Haltung an den Rändern beste Voraussetzungen für einen besonders guten Übergang zu angrenzenden Quartierteilen. Die Transformation zu einer neuen Komposition der industriellen Altbauten und Neubauten mit eigener Identität ist gelungen. Die geplante Schule mit Dreifachturnhalle ergänzt die Gesamtanlage wirkungsvoll.“

Projektbeschrieb
Zentrale Idee des Projektes ist die rund 7’600 m2 grosse Quartierparkanlage inmitten einer Grossform mit differenzierter Haltung zum Kontext. Der Entwurf greift bewusst die Grossmassstäblichkeit der industriellen Vergangenheit auf und schreibt damit die Geschichte des Ortes fort. Die Grosszügigkeit des Hofes und die klare Zonierung der Flächen durch Niveauunterschiede, Materialisierung oder Bepflanzung verspricht das Miteinander von zahlreichen gemeinschaftlichen und privaten Nutzungen ohne Konflikte. Die offene, nicht kommerziell genutzte Shedhalle mit Orangerie trägt wesentlich zum Funktionieren der Nutzungsidee bei. Der nördliche Baukörper reagiert mit einem Gartenland und einer differenzierten Höhenentwicklung auf die kleinmassstäbliche Nachbarschaft. Im Bestandsriegel und dem Zuckersilo sind Büro- und Gewerbenutzungen vorgesehen. Insgesamt werden rund 470 Wohnungen vorgeschlagen. Die städtebauliche Setzung erlaubt gemäss Jury mit „Gebäudeform und -tiefe auf die spezifische Situation des Ortes zu reagieren und vielfältige Wohntypologien anzubieten.“ Die neue Schulanlage mit Dreifachturnhalle soll in unmittelbarer Nachbarschaft zur bestehenden Schule an der Münchackerstrasse zu liegen kommen. Die Stapelung der Schulräume über der Turnhalle erlaubt einen sparsamen Umgang mit der erforderlichen Grundstücksfläche.

Grundriss Erdgeschoss © Bachelard Wagner Architekten

Grundriss Erdgeschoss © Bachelard Wagner Architekten

Weitere Planungen und Übergangsnutzungen
Das vorliegende städtebauliche Konzept wird in einer nächsten Phase zum Richtprojekt weiterentwickelt, das als Grundlage für ein ordentliches Quartierplanverfahren dienen kann. Ein möglicher Baubeginn ist daher nicht vor 2022 zu erwarten, so dass die ersten neuen Bewohner frühestens ab 2024 einziehen. Parallel zu diesen Entwicklungen werden Teile der bestehenden Bausubstanz bereits während des Planungsprozesses genutzt. Für die Koordination und Verwaltung der Übergangsnutzungen wurde von der LSAG die Raum auf Zeit GmbH beauftragt, die Anfragen zu aktuell verfügbaren Räumen und Flächen gern beantwortet. Über die kommenden 4 Jahre machen diese Nutzungen im Bereich Gewerbe, Kultur, Freizeit und Sport das Areal erlebbar, dienen als Anknüpfungspunkt für die Transformation und werden die zukünftige Identität mitprägen. Die begleitende Entwicklung einer Quartier-Identität und die Areal-Kommunikation werden vom Basler Büro denkstatt sàrl betreut.

Ausstellung
Im alten Zuckersilo an der Münchackerstrasse 1 werden die Beiträge am Samstag 24.03. von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr öffentlich zu besichtigen sein. Eine weiterführende Ausstellung der eingereichten Entwürfe und des Planungsprozesses ist am Eröffnungsfest ab dem 02.06.2018 geplant.

Weitere Informationen
Weitere Informationen zum Areal, der vollständige Jurybericht und Bildmaterial auch auf der Areal-Webseite
www.zentrale-pratteln.ch abgerufen werden.

(Bilder: foto-werk gmbh, Basel – Michael Fritschi)

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