Wettbewerb Gemeindeverwaltung: Oberwil liegt an der „Grand Rue“

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Zentralisieren, konzentrieren, Synergien nutzen, Wege verkürzen. Die heute auf verschiedene Bauten und Standorte verteilte Verwaltung der Baselbieter Gemeinde Oberwil soll an einem Standort zusammengefasst werden. Das wiederum bedingt einen Neubau. Wie die neue Oberwiler Gemeindeverwaltung künftig aussehen wird, ist nun bekannt. Beim Architektur-Wettbewerb hat das Projekt „Grand rue“ von BGM Architekten aus Basel gewonnen.

Anlass für uns, einen genaueren Blick auf das Wettbewerbsresultat zu werfen. Im Feld der Teilnehmer waren durchaus namhafte Büros wie Morger Partner, Buol & Zünd, Ackermann Architekten oder Kunz und Mösch vertreten. Gefordert war eine neue, aussagekräftige „Adresse“ der Gemeinde und „den zentral gelegenen Standort im Ortskern von Oberwil im Rahmen dieser Planung aufzuwerten“. Daneben wurde die Nachhaltigkeit der „Energiestadt Oberwil“ gross geschrieben: „Die Bebauung soll so entwickelt werden, dass ein Optimum an Energieffizienz sowie die Gewinnung von Energie am Gebäude mit einem möglichst geringen Anteil an Grauer Energie möglich sind. Eine kompakte Bauweise mit geringen Einschnitten schafft eine gute Voraussetzung. Grundsätzlich bieten darin die Leichtbauweise (z.B. Holzbau) gegenüber der Massivbauweise Vorteile.“

1. Preis: „Grand Rue“ von BGM Architekten, Basel

Es mag auf den ersten Blick erstaunen, dass beim Wunsch nach einer „leichten Bauweise“ ein derart massives, mineralisches Projekt gewonnen hat. Der Entwurf von BGM Architekten offenbart bei genauerer Betrachtung seine Qualitäten beim sensiblen Umgang mit dem städtebaulichen Kontext. Die Architekten entwickeln aus der Lektüre der historischen Dorfentwicklung eine stringente Setzung der neuen Gemeindeverwaltung an der Hauptstrasse. Das seitlich in der Höhe gestaffelte Volumen vermittelt mit der heterogenen, teilweise kleinmassstäblichen Nachbarschaft. Der Grundriss ist einfach, aber effizient organisiert. Sämtliche Räume sind rund um einen zentralen Lichthof angeordnet. So werden alle Geschosse räumlich miteinander in Beziehung gebracht. Leise Kritik könnte man –  in Bezug auf die Vorgabe nach ökologischer Nachhaltigkeit – an der etwas gar konventionellen konstruktiven Ausformulierung als massiver Betonbau mit vorgehängter Betonelementfassade üben. Das soll die unbestrittenen Qualitäten des Entwurfs jedoch in keiner Weise schmälern: Wie bei kaum einem anderen eingereichten Projekt wird hier aus der Analyse des Ortes eine schlüssige architektonische Geschichte entwickelt. Ohne Spektakel oder grosses Aufsehen, sondern mit  Präzision und gestalterischer Zurückhaltung.

 

2. Preis: „Paley“ von Müller Sigrist Architekten AG, Zürich

Was das Siegerprojekt in Sachen Umsetzung der Vorgaben zur ökologischen Nachhaltigkeit eher vermissen lässt, wird beim zweitplatzierten Projekt von Müller Siegrist umso stärker thematisiert. Ein grosszügiger Einsatz von Photovoltaik auf den horizontalen Fassadenbändern und auf dem auskragenden Vordach wird vorgesehen. Dem architektonischen Ausdruck des Hauses fehlt dadurch jedoch die Prägnanz. Schwierig vorzustellen, dass es zu einem identitätsstiftenden Bauwerk im Dorfkern von Oberwil werden könnte. Der Entwurf ist äusserst effizient und erfüllt die funktionalen Vorgaben mit Bravour. Was fehlt ist eine klare gestalterische Idee, eine einprägsame Geschichte. Das Projekt weist zwar keine Fehler auf, wird dadurch jedoch gar „neutral fast generisch“ wie es im Jurybericht heisst.

 

3. Preis: „Jaques“ von Ackermann Architekten BSA SIA AG, Basel

Das drittplatzierte Projekt von Ackermann Architekten sucht sein Glück im Quadrat: Der quadratische Grundriss verankert das Haus selbstverständlich im städtebaulichen Kontext. Die Allseitigkeit stärkt den Anspruch des öffentlichen Hauses im Dorf. Ackermann Architekten gelingt es, „mit wenigen zurückhaltenden Massnahmen drei Freiräume unterschiedlicher Qualität zu kreieren“. Dem quadratischen Grundriss und der Gebäudestruktur entsprechend können alle Arbeitsflächen den Fassaden entlang angeordnet werden. Die typologische Stringenz der inneren Raumaufteilung problematisiert sich im Aussenraum. Hier übt die Jury Kritik an der zu wenig aussagekräftigen Gestaltung. „Die Verfassenden schlagen eine Vielzahl an unterschiedlichen Grünflächen, welche mit Ausnahme der Situation auf dem «Düblin Platz» kaum gestalterische Qualitäten aufweisen,“ lautet das strenge Urteil.

 

4. Preis: „Quinque“ von phalt Architekten AG, Zürich

Nach dem Quadrat ist vor dem Pentagon. Auf dem vierten Platz landet das Projekt von phalt Architekten, die einen fünfeckigen Bau vorschlagen. Auch diese geometrische Grundform fügt sich erstaunlich selbstverständlich in den städtebaulichen Kontext ein. Leider bleibt der Entwurf im Innenraum vieles schuldig. Man sucht vergebens eine grosszügige Eingangshalle, einen räumlich spannungsvollen Lichthof oder eine einladende Treppenanlage. Das Raumprogrogramm wirkt zu sehr in das Gebäudevolumen hineingepresst. Der Jurybericht fasst das Dilemma folgendermassen zusammen: „Das Projekt besticht durch die grundsätzliche Idee des polygonalen Kubus, der in der Einordnung des Gebäudes am Ort und in seiner Erscheinung nur Vorteile aufweist. Leider stehen dem gegenüber die Zwänge im Innern. Die starke Nutzung und die rigide Form des Kerns lassen wenig Spielraum für Veränderungen und Anpassungen zu.“

Öffentliche Ausstellung zum Wettbewerb
Die Ausstellung im Pavillon an der Talstrasse 65 in Oberwil zeigt alle Arbeiten der zwölf Architekturteams, die am Wettbewerb teilgenommen haben. Im Rahmen von Führungen präsentieren Jurymitglieder jeweils die vier besten Arbeiten des Architekturwettbewerbs im Detail. Die Ausstellung kann ohne Voranmeldung zu folgenden Zeiten besucht werden: Freitag, 17. August, 18 Uhr und Samstag, 18. August, 10 Uhr sowie in der darauf folgenden Woche am Freitag, 24. August, 18 Uhr und am Samstag, 25. August, 10 Uhr. Die Mitglieder der Wettbewerbsjury freuen sich auf zahlreiche Interessierte.

Jurybericht
Weitere Infos und die Projekte aller 12 Teilnehmer finden sich hier > Donwload Jurybericht

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