Wettbewerb Kuppel: Alle Projekte im Überblick

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Was lange währt, wird endlich gut. Ob diese abgedroschene Phrase auf die Neue Kuppel zutreffen wird, kann noch nicht mit abschliessender Sicherheit gesagt werden. Achtzehn (!) Jahre nach dem ersten Architekturwettbewerb stehen die Zeichen allerdings besser denn je, dass im Nachtigallenwäldeli künftig tatsächlich wieder Konzerte stattfinden – und an die legendäre Geschichte der „alten“ Kuppel angeknüfpt werden kann. Das Siegerprojekt von VOLUME 2 von Vécsey Schmidt Architekten liefert die architektonische Blaupause dazu. In unserem Artikel wollen wir einen Blick auf sämtliche Wettbewerbsprojekte werfen.

Ziel des Wettbwerbs bestand darin „ein städtebaulich, architektonisch und funktional hochwertiges Projekt zu finden, das der einmaligen Chance gerecht wird, die sich der Basler Popszene und der Musikstadt Basel bietet.“ Soviel zur Ausgangslage.  Für die Wettbewerbsjury konnten Beat Aeberhard, Kantonsbaumeister Basel-Stadt, als Vorsitzender sowie die renommierten Architektinnen und Architekten Christine Binswanger, Emanuel Christ, Anna Jessen und Alban Rüdisühli als FachpreisrichterInnen gewonnen werden.

Der Neubau soll gemäss Jurybericht „einen neuen Trend setzen. Das «Herz» der Neuen Kuppel Basel soll dabei wieder der Konzertsaal sein, der den optimalen Konzert- oder Partybesuch bieten und über eine herausragende Aufenthaltsqualität verfügen soll.“ Das tönt alles etwas schablonenartig, eigenwartig unspezifisch. „Die Neue Kuppel Basel soll aus Sicht von Promoterinnen und Promotern, von Musikerinnen und Musikern sowie von Besucherinnen und Besuchern wieder in der ersten Liga der Schweizer Konzertclubs spielen.“ Nie meh Nati B also.

Siegerprojekt | VOLUME 2 von Vécsey Schmidt Architekten: „explizit auf die Renaissance verweisender Habitus“

Visualisierung des Konzertraumes © Vécsey Schmidt Architekten, ponnie images

Wir starten mit dem Siegerprojekt. Ein gestrecktes Oktagon bestimmt hier die Typologie, mit welcher sich überraschend selbstverständlich und entspannt die funktionalen Fragen zu lösen Vermögen. Der Konzertsaal befindet sich im ersten Obergeschoss, was für den Betrieb eine gewisse Herausforderung darstellt. „Üblich sind erdgeschossig angelegte Clubs. Andererseits bietet das Foyer im Erdgeschoss mit dem angelagerten Barbetrieb auch eine grosse Chance zur Bespielung des Nachtigallenwäldeli.“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Vécsey Schmidt Architekten

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Vécsey Schmidt Architekten

Der sakrale Ausdruck des Bauwerks lässt sich kontrovers diskutieren. Ist die auf den ersten Blick romantische Haltung dem Ort angemessen? Die Jury bemerkt, dass eun „historisierender, explizit auf die Renaissance verweisender Habitus mit einer im Ausdruck dezidierten Industriehaftigkeit korreliert.“ Die Fassade besteht aus Stahlrahmen die mit Sichmauerwerk ausgefacht werden. „Das hat formal zunächst etwas Verstörendes. Dass eine in der Subkultur der 1960er-Jahre geborene Musikrichtung sowohl im Mainstream angekommen ist, als auch nach wie vor subversiven Anspruch hegt, findet vorliegend in der Architektur allerdings ihren durchaus adäquaten Ausdruck.“

Aussenvisualisierung des Siegerprojekts © Vécsey Schmidt Architekten, ponnie images

Am Ende bleibt viel Lob: „Insgesamt ist den Verfasserinnen und Verfassern mit VOLUME 2 ein allseits überzeugender Vorschlag gelungen, der das Potenzial hat, die Neue Kuppel Basel als emblematischen Ort im Nachtigallenwäldeli mit einem eigenständigen Gepräge einem neuen Publikum zu erschliessen.“

2. Rang | BLACKSTAR von Architecture Club: „eine Blackbox im wahrsten Sinne des Wortes“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Architecture Club

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Architecture Club

Ntz ntz ntz ntz… Der in Basel bisher wenig bekannte „Architecture Club“ liefet einen  „eindrücklichen Projektvorschlag und eine Bereicherung in der Diskussion darum, was die Neue Kuppel Basel sein sollte.“ Die Architekten schlagen eine Blackbox mit grosser Medienfassade vor. Ein Club, der vibriert und den Besuchern im Innern wuchtige Bässe durch Mark und Bein treibt. „Auch im Innern ist alles in Schwarz gehalten, farb- und materiallos, theatralisch. Das ganze Gebäude ist wie eine einzige Bühne erfahrbar, die sich in den Dienst der Künstlerinnen und Künstler stellt, die mit ihren Licht- und Medienshows das Gebäude in Farbe und in Schwingung versetzen werden, jedes Mal neu.“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Architecture Club

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Architecture Club

Dass es am Schluss nur zum zweiten Rang reichte, hat gemäss Jury drei Hauptgründe: „Erstens wurde die Abstraktion und grosse Volumetrie des Baukörpers als Fremdkörper im Park, im weitesten Sinn im Zolli wahrgenommen. Zweitens wurden Zweifel an der Richtigkeit einer derartig grossen Medienfassade geäussert, abgesehen davon, dass sie aus einem separaten Budget finanziert werden müsste. Und drittens war es die Überdeutlichkeit, die Eindeutigkeit des Clubs – vielleicht auch seine leichte Retro-Orientierung –, die die grosse Mehrheit der Jury für das Gewinnerprojekt VOLUME 2 stimmen liess.“ Ntz ntz ntz ntz.

CASABLANCA von Kunz und Mösch Architekten: „das weisse Haus steht selbstbewusst im Park“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Kunz und Mösch Architekten

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Kunz und Mösch Architekten

„CASABLANCA, das weisse Haus, steht selbstbewusst im Park. Genau gesagt, scheint es zu schweben, ein skulpturales Betonobjekt auf einem gläsernen Sockel. Rechtwinklig im Grundsatz und ungerichtet lädt es von allen Seiten Besucherinnen und Besucher ein. Dies und seine gleichzeitig raue, mineralische Ausstrahlung finden bei der Jury Gefallen, das Verhältnis zwischen Natur und Skulptur. Der Familie der Pavillons zugehörig, ist dieses Gebäude mysteriös, nicht sofort lesbar, was könnte es sein? Es weckt Neugier, wie es die ehemalige Kuppel in ganz anderer Weise auch tat, als zentrierte Zeltstruktur, der man nicht ansah, dass sie ein nachtaktives Musiklokal, ein Club war.“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Kunz und Mösch Architekten

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Kunz und Mösch Architekten

Von der Jury wird das „ungünstige Verhältnis eines zu kleinen Saals gegenüber zu grossen Bars, und zu Lufträumen über diesen Bars, welche in ihrer asymmetrischen, grossen Volumetrie raumakustische Herausforderungen für den Saal selbst darstellen könnten.“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Kunz und Mösch Architekten

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Kunz und Mösch Architekten

„Die mit dem Konzept absolut schlüssige hohe Transparenz im Erdgeschoss, welche den Saal mit dem Park in Verbindung bringt, resultiert in grossen Aufwendungen für akustische Verglasungen, auch ist ein geforderter Ausgleichsraum bei sehr lauten Konzerten mit den vorgeschlagenen Textilien nicht zu leisten – wenn die Abtrennungen jedoch verglast werden müssten, ginge das Konzept des «Saals im Park» irgendwann nicht mehr auf.“

CIRCUM von Lukas Raeber: „kompositorisches Prinzip von Kreis und Rechteck“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Lukas Raeber

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Lukas Raeber

Kreis und Rechteck werden von Lukas Raeber in spannungsvolle Beziehung gesetzt. „Ein runder Raum umgeben von rechtwinkligen Zubauten. Das kompositorische Prinzip von Kreis und Rechteck, das wir sowohl aus dem Städtebau wie auch aus der bildenden Kunst kennen, wird in der Folge zum Leitmotiv des gesamten Entwurfs. Die Kombination und die Überlagerung von Kreis und rechteckigen Figuren bestimmen gleichsam das Projekt.“ Man kann von einem äusserst konzisen entwerferischen Ansatz sprechen.

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Lukas Raeber

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Lukas Raeber

Die Jury machte hierbei eine „Konfliktzone“ zwischen rund und eckig aus. „Die dominante Figur ist der runde Saal. Genau genommen ist er polygonal abgekantet. Räumlich verspricht er eine attraktive Situation, die sich für viele unterschiedliche Bespielungen eignen dürfte. Die in den Rundraum kragende Galerie mag hingegen sowohl formal als auch in Bezug auf ihr Tragwerk nicht restlos zu überzeugen.“ Die Möglichkeit, den Saal direkt zum Aussenraum zu öffnen, wertet die Jury wiederum als einen interessanten Vorschlag. Auch wenn eine solche Öffnung aus Lärmschutzgründen natürlich nur für ruhige Veranstaltungen in Frage käme.

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Lukas Raeber

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Lukas Raeber

„Zurück zur «Konfliktzone», da, wo der Kreis in das Rechteck stösst und dieses zusammenpresst: Die Nebenräume im L-förmigen Zubau kämpfen an vielen Stellen mit einem Platzproblem. So wirken sowohl Foyer wie auch Treppen und Garderoben sehr klein und machen an einigen Stellen einen geradezu labyrinthischen Eindruck. Auch scheinen die Flurzonen im Bereich der Toilette und des Warenlifts nicht gross genug zu sein. Besonders gilt das im obersten Geschoss. Die Anordnung der Bandpro- beräume mit dem kleinen Lichthof wirkt zwar charmant, gleichwohl muss man sich fragen, ob der so vorgestellte Plan für den beabsichtigten Zweck wirklich geeignet ist. In der Gesamtbetrachtung mag das Projekt des eingebauten Rundbaus nicht vollständig zu überzeugen. Es scheint, als seien etwas zu viele Räume und Funktionsabläufe Opfer des formalen Kompositions- prinzips geworden. Dass der starke Formwille auch zu vielen überraschenden und reizvollen Motiven und Momenten führt, ist dem Projekt hingegen hoch anzurechnen.“

HEXY von Rahbaran Hürzeler Architekten: „beinahe pragmatisch“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Rhabaran Hürzeler Architekten

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Rhabaran Hürzeler Architekten

Keep it simple! Eine Blechkiste im Park schlagen Rhabaran Hürzeler vor. „Der einfache rotbraune Kubus steht selbstverständlich am Ort, beinahe pragmatisch aufgestellt. Unkompliziert.“ Darin sieht die Jury einen gewissen Charme. „Das Gebäude hat etwas von einem technischen Objekt. Es passt ganz gut zu den Gebäuden in seiner Umgebung. Ein bisschen sieht es aus wie ein Container.“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Rhabaran Hürzeler Architekten

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Rhabaran Hürzeler Architekten

Rhabaran Hürzeler sprechen von einer wandelbaren Architektur: „Am Tag ist das Haus so etwas wie ein grosser Gartenpavillon, am Abend und in der Nacht sieht es aus wie eine hinterleuchtete Gitterstruktur. So mag HEXY konzeptionell vielleicht tatsächlich ein wenig an den berühmten Fun Palace von Cedric Price erinnern.“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Rhabaran Hürzeler Architekten

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Rhabaran Hürzeler Architekten

In Bezug auf den architektonischen Ausdruck stellt sich die Jury die Frage, ob das Motiv der fachwerkartigen Stahlstruktur, die den Kubus umgibt, nicht etwas aufgesetzt wirkt: „Die sehr schöne Vorstellung einer filigranen und offenen Struktur beschränkt sich nämlich auf diese äusserste Schicht. Im Innern ist das Gebäude, schon nur aus Gründen des Schallschutzes, das genaue Gegenteil: eine massive Konstruktion aus Betonscheiben. Damit sind wir im Innern auch mit einer ganz anderen Idee von Raum konfrontiert.“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Rhabaran Hürzeler Architekten

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Rhabaran Hürzeler Architekten

„Der Vorschlag zeigt einen zentrierten sechseckigen Raum, der sich über zwei Staffelungen nach oben verjüngt und über eine kaleidoskopische Lichtlaterne zum Himmel önet. Dieser sehr ansprechend formulierte Konzertsaal ist das Herzstück des gesamten Entwurfs. Alle anderen Räume sind ihm geometrisch und formal untergeordnet. So regelt das zentrale Hexagon den Grundriss auf allen Geschossen – auch auf dem obersten Geschoss, da, wo die Bandproberäume angeordnet sind. Die Vorstellung dieser im Kreis angeordneten Räume ist sehr verführerisch. Aus betrieblicher Sicht muss man sich allerdings fragen, ob Grösse und Geometrie dieser Räume wirklich tauglich sind. Interessant sind ihre Fenster. Sie sind es, die über ihre zeichenhafte, dreieckige Figur den sonst etwas vermissten Zusammenhang zwischen innerer und äusserer Form wieder herstellen.“

PULS von Casesar Zumthor: „eigenartige Komplexität an Verschneidungen“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Casear Zumthor

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Casear Zumthor

Einen runden Solitär setzt Ceaser Zumthor gekonnt in Szene. „PULS übersetzt das Programm für die Neue Kuppel Basel in einen Solitär, der aus dem Zusammenschnitt von zwei Kegelkörpern und einem Zylinder gebildet ist. Ein angelagerter Quader beherbergt einen Lift und gibt dem runden Baukörper eine gerade Kante, der so nach Südosten den Anschluss an die Bestandsbauten sucht. In diesem Spiel der Geometrien entsteht ein von Nordosten zugängliches, grosszügiges Foyer mit einer Galerie über dem Konzertsaal, der im Untergeschoss liegt und den man über eine weich geschwungene Treppe erreicht. Der Konzertsaal ist das innere Raumvolumen des einen Kegels, der im Inneren ringsherum eine breite Kannelur besitzt, mit goldener Farbe belegt ist und sich wie das Innere eines steilen Zirkuszeltes nach oben verjüngt.“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Casear Zumthor

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Casear Zumthor

„Während die Zylinder innen aus Spritzbeton materialisiert sein sollen, ist der äussere Zylinder ein leichter Stahlbau, erinnert in den Darstellungen an das Äussere eines Gasometers, ist jedoch wenig nachvollziehbar mit Polycarbonatelementen ausgefüllt.“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Casear Zumthor

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Casear Zumthor

Die Jury fasste es folgendermassen zusammen: „Das Projekt weist an einigen Stellen räumlich sehr unterschiedliche, aber schöne Momente auf, ist hinsichtlich Benutzung und Ablauf durchdacht und in Bezug auf die Geometrisierung durchaus interessant überlegt. Im Ganzen aber entsteht eine eigenartige Komplexität an Verschneidungen, die geometrische Resträume im Schnitt und konstruktive Fragen erzeugen. Der Entwurfsgedanke ist allenfalls leichter zu verstehen, wenn man sich das Gebäude deutlich vergrös- sert an einem andern Ort vorstellt. Teil der Projektabgabe ist ein schönes kleines Konzeptmodell, das grosse Modell legt die Bewegungsabläufe anschaulich dar, aber auch die konstruktiven Schwachpunkte.“

ROSSIGNOL von Studio Landell de Moura: „kein nachvollziehbares neues Bild für einen Club“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Studio Landell de Moura

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Studio Landell de Moura

Studio Landell de Moura schlagen eine organische Holzstruktur mit Terrassenlandschaft vor. „ROSSIGNOL übersetzt das Programm für die Neue Kuppel Basel in einen amöbenförmigen Solitär, der frei im neu geschaffenen Grünraum am Birsig steht und sich, einem Schneckenhaus ähnlich, über drei Geschosse nach oben verjüngt, sodass in den meandrierenden Rücksprüngen Aussenräume entstehen, die oben in einer Dachterrasse enden. Über je einen Eingang von Südwesten und von Südosten erreicht man sinnfällig ein Foyer und von dort an der organisch gewundenen Bar vorbei über zwei schmale Eingänge den ebenfalls amöbenförmigen Konzertsaal, dessen östliches Ende, abgeschnitten, die Bühne darstellt.“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Studio Landell de Moura

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Studio Landell de Moura

Der Raum ist hier im Fluss: „Das Projekt überzeugt auf den ersten Blick durch eine gefällige Grundstimmung und einen reizvoll kontinuierlichen Raumfluss. Bei genauerem Studium der Bewegungsabläufe und der entstehenden Räumlichkeiten weist es aber einige Fragen auf.“ Die organische Raumbildung hat auch ihre Tücken: „Es entstehen teilweise Resträume, deren Unterhalt und Pflege vor allem auch in den geschaffenen Aussenräumen langfristig zu Problemen führen werden.“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Studio Landell de Moura

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Studio Landell de Moura

Grundsätzliche Bedenken hatte die Jury betreffend der Erschliessung: „Nach aussen offen laufende Treppen wie der Ausgang der Bandproberäume aus dem Untergeschoss und das letzte Ende des Terrassenaufganges sind so nicht umsetzbar.“ Die Materialisierung der Fassade mit Bambus sorgte ebenfalls für Irritation. „Der in der Fassade linear gebändigte und horizontal abgeschnittene Bambus hat wenig zu tun mit der frei wachsenden Pflanze und ist in der Materialwahl un- verständlich. Die Erscheinung des gesamten Baukörpers kann in der Materialisierung und Geometrisierung weder einen Bezug zum Bestand noch zum Naturraum aufbauen und vermag über das Ganze kein nachvollziehbares neues Bild für einen Club an diesem Ort zu erzeugen.“ 

THE SHOW MUST GO ON von Lukas Baumann: „klare Grundgeometrie in Zylinderform“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Baumann Lukas Architektur

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Baumann Lukas Architektur

Der Entwurf von Lukas Baumann fasziniert mit virtuosem Grundrissspiel. Kreis und Kreissegmente werden gekonnt kombiniert. „Die zylindrische Gebäudegeometrie und seine Setzung im Aussenraum unterstützen die fliessende Gestaltung des Parkraumes um den Gebäudekörper. Dabei sucht das Gebäude eine Art morphologischen Dialog mit dem benachbarten Viadukt. Die sichtbare oberirdische Volumetrie wird bewusst klein gehalten mit der Absicht, die Massstäblichkeit eines Parkgebäudes im Nachtigallenwäldeli zu erreichen. Eine klare Grundgeometrie in Zylinderform als ein Ganzes und seine innere Teilung mit Kreissegmenten bilden das kompositorische Gestaltungsprinzip“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Baumann Lukas Architektur

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Baumann Lukas Architektur

„Die Grundform wird von drei Rundtürmen flankiert, welche durchaus nachvollziehbar die Vertikalerschliessungen aufnehmen. Diese zwar wenig mächtige Erscheinung an der Terrainoberfläche wird sehr aufwendig und teuer erkauft, indem eineinhalb Untergeschosse des insgesamt fünfgeschossigen Körpers unter dem Grundwasserspiegel des Birsigs liegen – mit aufwendigen Baugrubensicherungen und Wasserhaltungsmassnahmen. Die Konstruktionsweise der Bohrpfahlwand im Erdreich wird im oberirdischen Teil des Gebäudes mittels Schalungseinlagen abgebildet. Dadurch wird die massive Körperhaftigkeit durch eine kontinuierliche Aneinanderreihung von Säulen artikuliert und erhält eine leise Monumentalität. Das Gebäudeinnere wird mit einem Futteral aus Holz ausgekleidet.“

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Baumann Lukas Architektur

Projektwettbewerb Neue Kuppel Basel © Baumann Lukas Architektur

Auf funktionaler Ebene äusserte die Jury verschiedene Bedenken: „Die grosse Geste mit Freitreppe zum Park wird auf der Rückseite mit einer ebenso grossen Treppe aus dem Sockelgeschoss wiederholt. Mit seiner einzigen Funktion als Nottreppe scheint dieses Mittel jedoch nicht adäquat. Die Publikumsführung ist insgesamt eher unübersichtlich und leider mit betrieblich ungenügenden diversen Engpässen durchsetzt. Der Konzertsaal ist durch seine konkaven Seitenwände und einer Guckkastenbühne szenograsch ungeeignet. Die Galerie wird in einzelne logenartige Räume mit runden Sichtönungen unterteilt – die Beziehung zum Hauptsaal wirkt dadurch nachteilig separiert. Als additiver Zusatz wird die kräftige Geometrie durch notwendige Stützen der Tragstruktur überlagert, welche sich als störende Elemente im Raum manifestieren. Durch das von der Geometrie dominierende Gestaltungsprinzip entstehen insgesamt viele innenräumliche Zwänge, welche in vielen Bereichen nicht die Selbstverständlichkeit der äusseren Erscheinung im Park erreichen.“

Fazit
Es ist bemerkenswert: Die meisten Projekte zeugen von der Suche nach einer kanonischen Form. Ob Oktagon, Kreis oder Dreieck – die klassische Geometrie liess die Bässe tanzen. Dem Siegerprojekt gelang es mit bemerkenswerter Entspanntheit, die vielschichtigen und komplexen Anforderungen an die Neue Kuppel in eine stimmige Gesamtform zu bringen. In diesem Sinne: Kuppel, bring the beat back and pump up the volume!

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