Wohnung zu vermieten | „reduce to the max“ minimale Maisonetten im Erlenmattquartier

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„Une maisonette, s’il vous plaît !“ Auf der Erlenmatt wird bald ein weiterer Baustein, bestehend aus vielen Maisonetten, fertiggestellt. Ab Frühling 2019 sind die knapp 50 neue Wohnungen von Atelier Abraha Achermann Architekten aus Zürich bezugsbereit. Bauherr der beiden fünfstöckigen Häuser ist die Stiftung Abendrot.

Alles, nur nicht eingeschossig! Es gibt Duplex-, Triplex- und sogar viergeschossige Wohnungen. Erschlossen werden die Wohnungen über zweigeschossige Lauben im 1. und 3. Stock. Dadurch kann die die Einsicht- und Belichtungsproblematik einer Laubenerschliessung entschärft werden. Einige Wohnungen sind über eine Wendeltreppe direkt mit den Gewerberäumen und Ateliers im Erdgeschoss verbunden. Dies ermöglicht es, Wohnen und Arbeiten zu kombinieren.

Die beiden Häuser wurden in Schottenbauweise konzipiert. Die Fassade in Holzbauweise ist Aussen mit Welleternit verkleidet, Innen mit einer lasierten Seekiefer. Die Betondecken und –wände sind sichtbar belassen. In den Decken gibt es keine Einlagen. Aufputz heisst hier das Zauberwort. Alle Installationen von Sanitär, Heizung und Elektro sind offen verlegt. Die bewusste Reduktion des Ausbaustandards trägt dazu bei, die Mietpreise für einen Neubau tief zu halten. Wobei tief bei Neubauten immer relativ ist.

Wir stellen euch eine Wohnung genauer vor. Die ausgewählte 3.5 Zimmer-Maisonettewohnung ist 82m2 gross und kostet monatlich CHF 1‘743.- exklusive den Nebenkosten.

Wohnungsgrundriss-©-Atelier-Abraha-Achermann

Wohnungsgrundriss-©-Atelier-Abraha-Achermann

Über eine Treppe oder den Lift erreicht man den Laubengang im 1. Obergeschoss. Die Eingangstüre aus Holz verfügt über ein rundes Fenster, durch das man einmal durch die schlauchförmige Wohnung bis ans andere Ende der Fassade blicken kann. Tritt man hinein steht man unvermittelt in der Küche. Diese ist mit 3 ½ Elementen auf das Allernötigste reduziert. Der Gefrierschrank wurde in einen gemeinschaftlichen Kellerraum verbannt. Eine Garderobe sucht man vergeblich. Direkt hinter der Küche folgt mit dem Bad der einzig abgetrennte Raum auf diesem Geschoss. Das Bad entspricht dem heutigen Standard und überrascht höchstens mit der abgehängten Decke aus einem weiss gestrichenem Metallpaneel. Neben dem Bad führt ein Korridor ins Wohnzimmer.

Prägend für diesen Raum ist die Stahlwendeltreppe, welche in der Ecke direkt neben dem Bad steht. Je nach Wohnung steht die Treppe in der Küche oder wie hier im Wohnzimmer. Die Wendeltreppe führt uns ein Geschoss höher. Dort liegt auf beiden Seiten der Treppe je ein Zimmer. In dieser Wohnung können die Zimmer durch raumhohe Schiebetüren voneinander getrennt werden.

Stahltreppe auf der Baustelle © Atelier Abraha Achermann

Das macht die Wohnung für  unterschiedliche Bewohner attraktiv: Familien mit einem Kind, Wohngemeinschaften oder Paare. Bei anderen Wohnungen ist das Obergeschoss ein grosser offener Raum und wird nicht durch Wände unterteilt. Dies schränkt die möglichen Bewohnerstrukturen ein. Die meisten Wohnungen verfügen zudem über einen kleinen Balkon.

In dieser Wohnüberbauung gibt es viele gemeinschaftliche Angebote: Ein Schaltzimmer direkt neben dem Café Ost im Erdgeschoss, ein Jokerzimmer im 3. Obergeschoss, eine Gemeinschaftsküche mit dem Cheminée und die Dachterrassen, welche gemeinsam bepflanzt und genutzt werden können.

Neben der Gemeinschaft steht auch das Soziale im Vordergrund: Die „Mobile Basel“ stand von Anfang an als fester Mieter für ein Viertel der Wohnfläche fest. 22 jungen Erwachsenen in schwierigen Lebenssituationen wird ein Übergangswohnraum geboten. Dabei wird auf feste Strukturen und individuelle Unterstützung gesetzt.

Fassade Goldbachweg © Atelier Abraha Achermann

Der Titel auf der Vermietungswebsite verspricht „Eine passende Wohnung für fast jede Lebensform mit viel Freiraum für eine individuelle Gestaltung.“ Dem können wir mit zwei Ausnahmen zustimmen: Einerseits für  gehbehinderte Menschen und andererseits für ältere Menschen sind die mehrgeschossigen Wohnungen mit den internen Wendeltreppen nur bedingt geeignet.

Low tech first. Der reduzierte Ausbaustandard ist ein guter Ansatz, um die Mietpreise tief zu halten. Die Maisonettewohnungen vermitteln das Gefühl eines Einfamilienhauses, aber auf kleinerer Fläche und nicht freistehend. Sie leisten damit einen Beitrag zur Verdichtung. Im Wissen, dass wir unsere individuelle Wohnfläche  verkleinern sollten und das die Zeiten des Einfamilienhauses vorbei sind, liefert das Haus einen zukunftsweisender Lösungsvorschlag. Frei nach dem Motto: „Reduce to the max.“

Text: Céline Dietziker | Architektur Basel
Weitere Infos zur Vermietung: https://erlenmatt.abendrot.ch/wohnen/

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