Zwischen Arven und Lärchen: Das neue Waldhaus Spa von Miller & Maranta Architekten

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Spätestens seit dem Bad in Samedan und dem Hammam in Zürich gelten Miller & Maranta als versierte Bäderbauer. Vor gut einem Jahr wurde ihr drittes Bad vollendet: Das Spa im Hotel Waldhaus in Sils Maria. Seit 1995 begleiten Quintus Miller und Paola Maranta als Hausarchitekten das ehrwürdige Hotel im Oberengadin mit diversen Umbauten. Bekannt ist insbesondere der sehenswerte Einbau eines Rauchersalons mit dem einzigartigen Blick auf den Felsen…

Bereits vor dem Umbau verfügte das Waldhaus über ein Schwimmbad des Architekten Otto Glaus (1914-1996) aus dem Jahre 1970. Das neue Spa galt es mit grösster Zurückhaltung in den knapp bemessenen Raum zwischen der bestehenden Schwimmhalle, dem Wald und der Vorfahrt des Hotels zu integrieren. Von aussen besticht der Neubau durch einen schlichten Betonkörper, welcher durch die grossen, gut proportionierten Öffnungen und die Höhenversprünge des Dachrands gegliedert wird. Die Fenster sind aussen angeschlagen und haben einen Rahmen aus Baubronze, der ihnen eine schlichte Eleganz verleiht. Sie wirken je nach Tageslicht und Spiegelung wie an die Fassade gehängte Bilder, die den Wald und das Hotel abbilden – oder genauer gesagt reflektieren. Beim Beton selbst sind keine Fugen zu sehen, da die Oberfläche sand- und wassergestrahlt wurde: Im Sockelbereich etwas gröber, feiner gegen den Dachrand. Durch die Betonbearbeitung wirkt die Fassade homogen und ruhig – und nimmt gleichzeitig entspannt Bezug zur brettergeschalten Beton-Architektur der 70er-Jahre von Otto Glaus.

Waldhaus Spa von Miller & Maranta © Architektur Basel

Vom Hotelzimmer gelangt man via Beletage über eine Verbindungsbrücke zum neu gestalteten, freundlichen Empfang der Schwimmhalle und des Wellnessbereichs. Von dort führt eine zweiläufige Kaskadentreppe in die beiden neuen Untergeschosse. Im ersten Untergeschoss befinden sich die Massage- und Behandlungsräume. Steigt man die Treppe weiter hinunter, kommt man in den tief unter der Erde gelegenen, in den Fels gesprengten neuen Spa. Zur Überraschung wird man hier von strahlend hellem Tageslicht empfangen.

Man betritt den zentralen Raum mit einem „heissen Stein“ in der Mitte. Von dort aus werden alle weiteren Räume erschlossen: Das Arvenbad, das Lärchenbad, die Duschen, der Ruheraum und der Sauna- und Dampfbadbereich. Steht man im zentralen Raum, ergeben sich diverse Sichtbezüge zum Tageslicht – beispielsweise über das grosse Oberlicht. Das Arvenbad wird ebenfalls mittels einem weit oben liegenden Oberlicht zenital belichtet – und duftet zudem sanft nach Arve. Im Lärchenbad führt eine grosse Öffnung in der Decke zu einem einzelnen grossen Fassadenfenster und gibt den Blick frei auf den Lärchenwald. Erst jetzt begreift man, dass nicht alle Fenster in der Fassade dem Behandlungsgeschoss gewidmet sind. Einige davon führen bis ins Bad im 2. Untergeschoss und bringen das Licht und Sichtbezüge ins Dunkel.

Waldhaus Spa: Grundriss Bad © Miller & Maranta

Waldhaus Spa: Grundriss Bad © Miller & Maranta

Stimmungsvoll auch die Materialwahl: Von Hand geschnittene, weisse Mosaikplatten leiten das Tageslicht in die Tiefe. Wände, Boden und Decken sind damit ausgekleidet. Sie wurden vom Schweizer Glaskünstler Matteo Gonet in Zusammenarbeit mit Miller & Maranta eigens für das Spa-Projekt entwickelt und produziert. Auffällig sind die ausserordentlich breiten Fugen zwischen den Platten. Eine Referenz an den Terrazzo-Boden mit venezianischem Glasmosaik des italienischen Architekten Carlo Scarpa. Die den Haupträumen angelagerten Duschbereich, Ruheraum und Saunabereich wurden homogen materialisiert. Die Architekten haben sich hier für wasserundurchlässigen, gewachsten Betonbelag (Beton Ciré) in einem dunklen Beigeton entschieden. Durch die einheitliche und schlichte Materialisierung wirken die Räume ruhig, edel und grosszügig.

Und so liegt man entspannt im Bad, im Wasser aus dem Fextal treibend, zu den Lärchenwipfeln hochschauend, und erkennt eine grundlegende Qualität der Architektur: Die Stille. Von Rudolf Schwarz treffend umschrieben: „Sie enthält nichts Voreiliges, Aufgeregtes, mit dem man ja leicht eine kurze Weile auffallen kann. Die Stille, in der alle wirklich grossen Bauten sind.“

Text: Céline Dietziker / Architektur Basel


Hotel Waldhaus Sils Maria: Umbau Sportbad und Neubau Spa
Bauherrschaft: Hotel Waldhaus, Sils Maria
Architekten: Miller & Maranta, Basel
Bauleitung: Gaudenzi Marchesi Müller, Champfer
Bauingenieur: Beat E. Birchler, Zernez
Bauzeit: 2012- 2016

Öffnungszeiten
Hallenbad und Fitness: 7 bis 20 Uhr
Behandlungen: 8 bis 20 Uhr
Wellness: 10.30 bis 20 Uhr

Reservationen für auswärtige Gäste
Nur auf Voranmeldung (max. 24 Stunden im Vorfeld).
Eintritt CHF 55 (Happy hour bis 14 Uhr CHF 45).
Tel. +41 81 838 51 00
Infos: https://waldhaus-sils.ch/spa/

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