Zwischen „selbstreferentiell“ und „massstabslos“: Alle Wettbewerbsbeiträge für das Unispital im Überblick

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Das Basler Unispital ist auf Wachstumskurs. Gegenüber des künftigen Klinikums 2 von giuliani.hönger Architekten soll ein weiterer markanter Baustein samt Hochhaus entstehen. Damit wird auf „künftige Entwicklungen und allfällige Veränderungen im Spitalbetrieb“ reagiert, wie das Unispital vergangene Woche mitteilte.

Unispital Perimeter B: Übersicht der Bauten

Unispital Perimeter B: Übersicht der Bauten

Die Lokalmatadoren Herzog & de Meuron entschieden den Wettbwerb auf dem sogenannten „Perimeter B“ für sich. Insgesamt hatten sieben renommierte Architekturbüros aus Basel und Zürich am Studienauftrag teilgenommen. Gesucht wurde „ein städtebaulich und architektonisch vorzügliches Projekt innerhalb des Perimeters B des Bebauungsplans
215, welches die Anforderungen an ein zukunftsweisendes, flexibles Spitalgebäude in vorbildlicher Weise erfüllt.“ Um die Qualitäten des Siegerprojekts besser einordnen zu können, wollen wir einen Blick auf alle sieben Beiträge werfen.

Projekt 1 Boltshauser Architekten: „Ungünstige Raumproportionen mit wenig Tageslicht“

Unispital Perimeter B: Boltshauser Architekten

Unispital Perimeter B: Boltshauser Architekten

Grundidee der städtebaulichen Setzung ist ein langes, radial geformtes Volumen. Seiner Rolle als Vermittler zwischen den Bestandsbauten wird der Neubau mit seiner vorgeschlagenen Positionierung jedoch nicht gerecht; die respektvolle Distanz zum Klinikum 1 vermag stadträumlich nicht wirklich zu überzeugen. Das südliche Ende des gebogenen Volumens endet abrupt an der Hebelstrasse, auch die Staffelung der Obergeschosse beurteilt das Beurteilungsgremium bezüglich Reaktion auf den Holsteinerhof als kritisch.

Unispital Perimeter B: Boltshauser Architekten

Unispital Perimeter B: Boltshauser Architekten

Das sehr eigenständige Erscheinungsbild des neuen Gebäudes mit hohem Glasanteil, den weiss gestrichenen Stahlstützen und den umlaufenden vorgehängten Balkonen setzt sich deutlich von seiner Umgebung ab. In Bezug auf die zu erstellende Geschossfläche wird sehr viel Nutzfläche angeboten, jedoch zu Lasten von betrieblichen Funktionalitäten. Dies nicht nur in Bezug auf Prozesse, sondern auch bezüglich Orientierung und innenräumlichen Qualitäten.

Unispital Perimeter B: Boltshauser Architekten

Unispital Perimeter B: Boltshauser Architekten

Die grosse Gebäudetiefe und die vorgeschlagene hohe Flächeneffizienz führen zu vielen Raumeinheiten ohne jeglichen Bezug zu Tageslicht oder auch oft zu schmalen und ungünstigen Raumproportionen. Es gelingt Boltshauser Architekten, das grosse Raumprogramm vollständig und vielerorts funktional zu organisieren, doch es bleiben zum Teil betrieblich relevante Mängel in beiden vorgegebenen Betriebsphasen bestehen. Auf die grosse Gebäudetiefe wird mit vier- und dreibündigen Geschossdispositionen reagiert. Dabei entstehen mancherorts sehr ungünstige Raumproportionen mit wenig Tageslicht. Die innenräumlichen Qualitäten vermögen generell nicht wirklich zu überzeugen.

Projekt 2 (Siegerprojekt) | Herzog & de Meuron / Rapp Architekten: „Fein konkaver Sockelbau mit Turm und Pavillon“

Unispital Perimeter B: Herzog & de Meuron

Unispital Perimeter B: Herzog & de Meuron

Ausgehend von der städtebaulichen Vision eines Life-Sciences-Campus, der sich durch eine Gruppe höherer Häuser stadträumlich auszeichnet, wird eine Komposition von drei Baukörpern vorgeschlagen: ein Sockelbau mit Turm und Pavillon. Der drei- bis viergeschossige Sockelbau übernimmt die Höhe der heutigen Schwesternhäuser und begleitet die Geometrie der Schanzenstrasse in einer fein konkaven Form, er endet volumetrisch angemessen zum Holsteinerhof.

Unispital Perimeter B: Herzog & de Meuron

Unispital Perimeter B: Herzog & de Meuron

Die Anbindung zum Klinikum 1 in der Flucht der Fassade zur Schanzenstrasse beeinträchtigt die Abwicklung der geschützten Fassade nur minimal und schliesst gleichzeitig den Spitalgarten ab. Der 13-geschossige Turm schafft ein klares Vis-àvis zum Klinikum 2. Zusammen mit dem Sockelbau spannt er den Freiraum des Spitalgartens auf und sichert ihn weiterhin als Herz des Areals. Zur Stadt definiert der Turm einen Platz mit dem Hauptzugang; die Kreuzung Klingelbergstrasse / Schanzenstrasse wird dadurch aufgewertet und es entsteht ein eindeutiges Gegenüber zum Neubau BSS ETH. Die Setzung des Turms ist funktional und stadträumlich präzise. Der 2h Schatten des Turms tangiert minimal Wohnliegenschaften an der Klingelbergstrasse.

Unispital Perimeter B: Herzog & de Meuron

Unispital Perimeter B: Herzog & de Meuron

Der Sockelbau ist vom Boden leicht abgehoben und übernimmt den topographischen Sprung entlang der Schanzenstrasse. Eine grosszügige Eingangshalle durchquert das Gebäude am Ausgleichpunkt der Höhenkoten Garten / Strasse und verbindet – wie im Klinikum 1 – Stadt- und Hofeingang. Die Fassade zur Stadt ist mit Brise Soleils fein strukturiert, mineralisch und hell; zum Garten erinnern auskragende Balkone und Stoffmarkisen an die heutigen Schwesternhäuser und lassen die ursprünglichen Ideen der Anlage, Luft, Licht, Erholung der Patienten im Garten, weiterleben.

Perspektive Klingelbergstrasse Richtung Schanzenstrasse/UKBB © Herzog & de Meuron

Perspektive Klingelbergstrasse Richtung Schanzenstrasse/UKBB © Herzog & de Meuron

Zwei Innenhöfe und offene Wartebereiche bringen Tageslicht und Orientierung in die langen Gänge des tiefen Baukörpers. Biomorphe Geometrien werden immer wieder eingesetzt: für die Treppenhäuser, die Eingangshalle und den Dachpavillon. Sie verweisen mit ihrer geschwungenen Form auf den Verlauf der ehemaligen Stadtmauer. Ein zurückgesetztes hohes Geschoss mit Veranstaltungsräumen trennt den über den Dächern auskragenden Kubus vom Sockelbau. Eine öffentliche oder halb-öffentliche Nutzung an dieser Schnittstelle ist ideal; ein Dachgarten auf dem Sockelbau bietet einen geschützten Aussenraum für das Personal wie für die Patienten und erweitert den Spitalgarten visuell aus.

Der ganze Entwurf ist geprägt von einer sorgfältigen und tiefen Auseinandersetzung mit der Aufgabe auf allen Ebenen, vom Städtebau bis zur Logistik und Konstruktion. Das Ergebnis entspricht somit den hohen Erwartungen sowohl der Stadt wie auch dem Universitätsspital Basel.

Projekt 3 | dany waldner + Morger Partner Architekten: „Selbstreferentiell und wenig kontextuell“

Unispital Perimeter B: Morger Partner

Unispital Perimeter B: dany waldner + Morger Partner Architekten

Mit der Entscheidung, die städtebauliche Setzung nur auf das Spitalquartier und nicht auf das gesamte Umfeld zu beziehen, gehen die notwendigen Bezüge zur gesamtstädtischen Situation verloren. Der geplante Abstand zum Klinikum 1 ist zu knapp und bedrängt die Architektur des Bettenhauses. Die Setzung des Turms exakt gegenüber dem Bettenturm des Klinikums 2 wirkt ungelenk. So städtebaulich nachvollziehbar und massvoll proportioniert der neue Platz am Holsteinerhof erscheint, so irritierend ist die Lesung der historisch gewollten Erschliessung desselben.

Unispital Perimeter B: Morger Partner

Unispital Perimeter B: Morger Partner

Die zunächst nachvollziehbare und überzeugende Idee, dem Tumorzentrum am Holsteinerhof eine eigene identitätsstiftende Adresse zu geben, führt in der weiteren Vertiefung zu einer Reihe von auch strukturell ungünstigen Dispositionen. Es fehlt eine klare Erschliessungshierarchie und spezielle Elemente wie die aufwändige Freitreppe verlieren ohne Publikumsverkehr ihre Wirkung in der Phase 2. Ungünstig sind die teilweise inmitten der Räume platzierten Stützen. Die Aufteilung der Laborflächen des Tumorzentrums auf einer Vielzahl von Ebenen ist nicht vertretbar und wird vom Beurteilungsgremium als immanentes Entwurfsproblem bewertet. Zwar lässt die Materialisierung eine klare und ästhetische Handschrift erkennen, doch entsteht der Eindruck, dass der Kontext des Spitals nicht gebührend berücksichtigt wird. Das Konzept der Umsetzung der beiden Phasen überzeugt unabhängig von der guten Raumprogrammerfüllung nicht, da mit den vorgesehenen Nutzungsänderung in vielen unterschiedlichen Zonen des Hauses maximale Störungen im Betriebsablauf während der Umbauphase absehbar sind.

Unispital Perimeter B: Morger Partner

Unispital Perimeter B: Morger Partner

Seine grösste Stärke entwickelt das Projekt in der Abwicklung an der Schanzenstrasse vom Hochpunkt mit gebührlichem Abstand zum Klinikum 1 bis zum abgestuften Kopf am Holsteinerhof. Insgesamt wirkt die Architektur des Gebäudes selbstreferentiell und wenig kontextuell in Bezug auf das weitere Umfeld.

Projekt 4 | Burckhardt+Partner: „… der Turm wirkt wie eine fragile Mitte“

Unispital Perimeter B: Burckhardt + Partner

Unispital Perimeter B: Burckhardt+Partner

Das Projekt legt einerseits einen viergeschossigen, an der Einmündung der Klingelbergstrasse geknickten Flachbau an die Schanzenstrasse und akzentuiert die nördliche Seite des Perimeters zum Klinikum 1 hin mit einem städtebaulich markanten Turm. Im Ensemble betrachtet, wirkt der Turm wie eine fragile Mitte zwischen Klinikum 2 und Biozentrum, was in der Stadtsilhouette eine fragliche Konstellation ergibt. Die vorgeschlagene Höhe ist weder städtebaulich noch von der Nutzung her wirklich zwingend; seine Nähe zum Klinikum 1 ist kritisch zu beurteilen. Weiter ist die vorgeschlagene, umlaufende Kolonnade städtebaulich nicht präzise und erscheint im Kontext nicht angemessen.

Unispital Perimeter B: Burckhardt + Partner

Unispital Perimeter B: Burckhardt + Partner

Die gewölbte Ausbildung der Fassaden wird zum prägenden Thema des Entwurfes und ist zu allen Seiten gleich angewandt. Zum Spitalgarten hin könnte diese Idee mit der Spiegelung des Grüns in der Wölbung einen interessanten Effekt hervorrufen, zur Strassenseite hin wird dies jedoch in Frage gestellt. Darüber hinaus scheint es, dass die Rasterfassade und die rhythmisierenden Wölbungen zueinander in formalem Widerspruch stehen, auch dürfte sich die Konstruktion in der Ausführung als sehr aufwändig erweisen. Das Verhältnis des Sockelbaus zum Turm ist nicht schlüssig ausformuliert, was sich in typologischen Widersprüchen bei der Fassadengliederung.

Unispital Perimeter B: Burckhardt + Partner

Unispital Perimeter B: Burckhardt + Partner

In der abschliessenden Projektpräsentation überwiegen allerdings die erheblichen städtebaulichen Mängel. Architektonisch versucht der Entwurf, mit einer einfachen und doch starken Thematik die komplexe Aufgabe zu bewältigen. Das vorgeschlagene Gebäude vermag aber sowohl typologisch, als auch in der räumlichen und gestalterischen Durchbildung seiner Architektur und seiner inneren Organisation nicht wirklich zu überzeugen.

Projekt 5 | Generalplaner Gmür: „massstabslos und fremd im Kontext“

Unispital Perimeter B: Generalplaner Gmür

Unispital Perimeter B: Generalplaner Gmür

Die Verfasser schlagen einen kompakten, riegelartigen Baukörper vor, dessen Form sich aus den beiden auf dem Bestandsareal vorherrschenden Gebäudeausrichtungen ableitet. Das resultierende Volumen soll sich durch diese Bezüge auf dem Areal verorten. Trotz der geometrischen Herleitung wird die Gebäudeform dem komplexen Kontext nur bedingt gerecht. Insbesondere die Nähe und Höhenentwicklung zum Gebäude Klinikum 1, aber auch zum Holsteinerhof, sind problematisch. Der massige Baukörper erscheint trotz seiner Vor- und Rücksprünge zu unvermittelt und sperrig im Kontext.

Unispital Perimeter B: Generalplaner Gmür

Unispital Perimeter B: Generalplaner Gmür

Das Gebäude wird durch vier Erschliessungskerne und drei dazu versetzte Lichthöfe gegliedert und strukturiert. Die Lift- und Nebenraumkerne werden dabei jeweils zur Klingelbergstrasse / Schanzenstrasse hin mit einer Aufenthaltszone samt offener Treppenanlage kombiniert. Die resultierenden Geschossflächen sind flexibel bespielbar. Die Lichthöfe sind recht knapp dimensioniert und bringen allenfalls nicht genügend Tageslichteintrag; eine Baumbepflanzung der Höfe erscheint schwer umsetzbar. Die Fassade besteht aus einer raumhohen Verglasung und einem vorgesetzten baulichen Sonnenschutz. Die gewebeartig in Erscheinung tretende Fassade überzieht den Baukörper allseitig und wird lediglich im Bereich des Haupteingangs aufgebrochen. Dadurch erscheint der Neubau massstabslos und fremd im Kontext.

Unispital Perimeter B: Generalplaner Gmür

Unispital Perimeter B: Generalplaner Gmür

Das Beurteilungsgremium würdigt grundsätzlich die städtebauliche Herleitung wie auch das Bestreben, dem Neubau eine individuelle Prägung in Bezug auf Struktur und Ausdruck zu geben. Der Projektbeitrag scheint jedoch auf der Ebene des Städtebaus wie auch der architektonischen Gestaltung noch nicht über grundsätzlich formulierte Ansätze hinaus zu führen und stellt, zumindest partiell, mehr Schema als Projekt dar. Die erkennbaren Mängel sind mitunter dieser Diskrepanz zwischen Konzept und Projekt geschuldet.

Projekt 6 | PG Nissen Wentzlaff / Ludes Architekten – Ingenieure: „gestufte und leicht geknickte Gebäudefigur“

Unispital Perimeter B: Nissen Wentzlaff / Ludes Architekten

Unispital Perimeter B: Nissen Wentzlaff / Ludes Architekten

Die Verfasser schlagen entlang der Schanzenstrasse eine gestufte und leicht geknickte Gebäudefigur vor, welche als strassenbegleitendes Gebäude mit einem turmartigen Aufbau in Erscheinung tritt. Gesamthaft will der Neubau mit den Bestandsbauten ein ausgewogenes Gebäudeensemble um den Spitalgarten und mit dem Turmbau eine sinnvolle Gruppierung von Türmen erzeugen. Im Verhältnis zum zukünftigen Bettenturm erscheint der Turm jedoch zu schlank und in Bezug zu den Bestandsbauten sind die Traufhöhen des Neubaus noch nicht genau abgestimmt. Auch die Gebäuderücksprünge bei den beiden Flügelbauten können als plastische Modifikationen architektonisch nicht überzeugen.

Unispital Perimeter B: Nissen Wentzlaff / Ludes Architekten

Unispital Perimeter B: Nissen Wentzlaff / Ludes Architekten

Für die innenräumliche Organisation bildet die gewählte Gebäudefigur eine interessante Ausgangslage. Wie im Konzeptschema dargestellt, entspricht die in drei Gebäudeteile gegliederte Figur annähernd den zusammengefassten Raumgruppen des Tumorzentrums, der Labormedizin und des Bereichs Lehre und Forschung. Dem Eingang an der Schanzenstrasse folgt ein zweigeschossiger, offener Hallenraum, welcher direkt zum Spitalgarten führt und die beiden Gartenebenen innenräumlich verbindet. Kritisch sind hier die Höhendifferenzen mit den Treppenstufen und Rampen. Für die Versorgung mit Tageslicht ist die Ausbildung von Lichthöfen in den oberen Geschossen des Gebäudes grundsätzlich angemessen. Da nur einer der Lichthöfe bis ins Erdgeschoss reicht, fehlt dort Tageslicht. Der Turm ist zu schlank dimensioniert; der Raster des Tragwerks ist mit dem Grundriss ungenügend koordiniert und führt zu räumlichen Konflikten. Die einfache und homogene Fassadengestaltung erscheint architektonisch zu undifferenziert und entspricht mehr dem Ausdruck eines eigenständigen Solitärs als einem bewusst auf den Kontext eingehenden Gebäude.

Unispital Perimeter B: Nissen Wentzlaff / Ludes Architekten

Unispital Perimeter B: Nissen Wentzlaff / Ludes Architekten

Das Projekt zeigt auf einigen Ebenen diskussionswürdige und angemessene Lösungsansätze. Vor allem überzeugt die Raumgruppierung der Nutzungen gemäss den betrieblichen Anforderungen und deren Übereinstimmung mit der gewählten Gebäudefigur. Weitere Aspekte wie die kontextuelle Einbindung des Gebäudes, die Anordnungen der verschiedenen Eingänge, die durchlässige Eingangshalle sowie die betriebliche Organisation sind grundsätzlich gut gelöst. Hingegen können die Proportionen und die Nutzbarkeit des Turmes, die fehlende Abstimmung der Tragstruktur mit den Grundrissen, die fehlende Anbindung an die Logistik und nicht zuletzt der Ausdruck der gewählten Fassadengestaltung nicht überzeugen.

Projekt 7 | ARGE Harry Gugger Studio / Itten+Brechbühl: „Im Grundsatz ist vieles richtig gemacht…“

Unispital Perimeter B: ARGE Harry Gugger Studio / Itten+Brechbühl

Unispital Perimeter B: ARGE Harry Gugger Studio / Itten+Brechbühl

Das Projekt schlägt einen im Grundsatz geschickt modulierten Baukörper vor: Das Gebäude folgt konsequent der Klingelbergstrasse / Schanzenstrasse, wodurch ein urban gefasster Strassenraum entsteht. Ein schmaler und niedriger Südflügel schafft genügend Distanz zum Holsteinerhof. Akzentuiert wird die Komposition durch einen aus dem Gebäudevolumen vorkragenden Turm. Bei näherer Betrachtung wirft die Turmsetzung allerdings Fragen auf. Sie scheint dem 2h Schatten geschuldet zu sein, was strassenseitig deren städtebaulich wenig glaubwürdige Positionierung im Zusammenspiel mit dem Neubau des BSS ETH-Gebäudes veranschaulicht. Zum Spitalgarten hin suggeriert der Turm mit seiner aus dem Volumen tretenden, risalitartigen Gebäudeschicht eine Öffentlichkeit, die auf dieser eher intimeren Seite überzeichnet wirkt. Im Gegensatz dazu wird auf der Seite der Schanzenstrasse – dem eigentlichen Gesicht des neuen Klinikums 3 – eine klar öffentlichkeitswirksame Geste vermisst. Die vorgeschlagenen Kolonnaden des Haupteingangs wirken sowohl geometrisch wie räumlich verkrampft und wenig überzeugend.

Unispital Perimeter B: ARGE Harry Gugger Studio / Itten+Brechbühl

Unispital Perimeter B: ARGE Harry Gugger Studio / Itten+Brechbühl

Im Grundriss schlagen die Projektverfassenden eine einfache, weitgehend nutzungsneutrale Primärstruktur vor. Eine mittig gesetzte Kernschicht erlaubt einen klassischen Dreibünder, der unterschiedliche Bespielungen zulässt. Aufgrund der vielen innenliegenden Flächen wird die Flexibilität im Sockel und insbesondere in den in den Obergeschossen überlagerten Bereichen von Turm und Sockel erkauft mit einer reduzierten Tageslichtversorgung. Kritisch bemängelt wird die Vorfahrt: Die Kolonnade wirkt gestalterisch unbeholfenen und die funktionale Überlagerung von Vorfahrt und Fussgängerfluss führt zu Nutzungskonflikten. Die im Bereich des Spitalgartens im ersten Geschoss vorgelagerte Kolonnade überrascht. Funktional ist sie zwar nachvollziehbar, doch generiert sie nur bedingt Vorteile für die Gesamtsituation. Die Projektverfassenden haben sich intensiv mit dem architektonischen Ausdruck beschäftigt, das Beurteilungsgremium erachtet die Fassadensprache insgesamt jedoch als zu wenig ortsbezogen. Das Gebäude bleibt letztlich etwas im Generischen verhaftet.

Unispital Perimeter B: ARGE Harry Gugger Studio / Itten+Brechbühl

Unispital Perimeter B: ARGE Harry Gugger Studio / Itten+Brechbühl

Im Grundsatz ist vieles richtig gemacht: Die Modulierung des Gebäudevolumens etwa lässt gute Ansätze erkennen. So bleibt der Garten zum Holsteinerhof ungeschmälert und das Baudenkmal Holsteinerhof wird im Vergleich kaum bedrängt. Auch das Tragwerkskonzept ist schlüssig und ermöglicht die zwingend notwendige hohe Nutzungsflexibilität. Doch das Beurteilungsgremium ortet auch gravierende konzeptionelle Fehlentscheide.

Der Turm greift derart stark in den Garten aus, dass der Eindruck entsteht, das «Gesicht» des Hauses sei typologisch zur falschen Seite gesetzt. Auch gegenüber dem Klinikum 1 wird eine wenig sensible Haltung bemängelt. Die Passerelle und die damit verknüpfte Erschliessung des Parkhauses sind strukturell aufwändig, erscheinen massiv und sperrig und bedrängen das geschützte Spitalgebäude. Gestalterisch wählen die Projektverfassenden eine Fassadensprache, die aufgrund ihrer zwar ambitionierten, aber auch etwas generischen Anmutung nicht zu überzeugen vermag. Insgesamt ist dem Projektteam ein durchaus interessanter und in vielen Belangen gründlich durchgearbeiteter Beitrag gelungen, der die Diskussion im Beurteilungsgremium angeregt und auf wesentliche Fragestellungen fokussiert hat.

„Ein Entwurf, der auf mehreren Ebenen zu begeistern vermag…“
– Fazit von Kantonsbaumeister Beat Aeberhard

Ansicht Hebelstrasse © Herzog & de Meuron

Ansicht Hebelstrasse © Herzog & de Meuron

„Es erfüllt uns mit grosser Freude, dass wir nach sorgfältiger Abwägung ein Siegerteam auswählen konnten, dass die komplexen Anforderungen profund erforscht, daraus konzeptionell die richtigen Annahmen getroffen und einen Entwurf präsentiert hat, der das Beurteilungsgremium auf mehreren Ebenen zu begeistern vermag. Stellvertretend sei hier auf die Fassadengestaltung zum Garten verwiesen, die mit den auskragenden Balkonen und den heiteren Stoffmarkisen auf die heutigen Schwesterhäuser verweist und gleichzeitig das atmosphärisch dichte Bild eines zeitgenössischen Spitalbaus evoziert. Das Beurteilungsgremium ist vollkommen überzeugt, dass mit dem auserkorenen Projekt von Herzog de Meuron und Rapp Architekten die Grundlage für einen weiteren identitätsstiftenden Baustein des Campus Gesundheit geschaffen wird. Ein Spitalgebäude, das die Gesamtkonzeption intelligent weiterschreibt.“

Quelle: Jurybericht „Neubau Perimeter B“ © Universitätsspital Basel, 2019 >  Download HIER

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