Sie fügen sich entspannt ins Stadtbild. Ihr Markenzeichen ist das «BVB-grüne» Dach und der Baslerstab an der Stirnseite des Gelenkstabs. Die Rede ist von den Bus- und Tramwartehallen vom «Typ Furrer». Sie wurden 1985 im Rahmen eines Wettbewerbs entworfen. Den ersten Preis erhielten die beiden Basler Architekten Rolf Furrer (* 1955) und Peter Stiner (1955–2019). Beim Normaltyp des Entwurfs von Furrer und Stiner leiteten Kragarme die Dachlasten in ein Torsionsrohr, dem Gelenk zwischen Dach und Stütze. Die in Druck- und Zugteile aufgelösten Stützen bündeln die Kräfte zum Boden. Besonders leicht differenzierbar sind die aus Glas oder Blech ausgefachten Rücken- und Seitenwände, da sie vom statischen System der Stützen und vom Dach unabhängig waren. Die schmale, hohe Teilung der Wände ermöglicht das Einfügen der gängigen Plakatformate. Eine bequeme Sitzbank aus Massivholz mit Rückenlehne ergänzten die Ausstattung. Die Tage des Typs «Furrer» sind jedoch gezählt. Sie werden – trotz mehrheitlich gutem Zustand – nach und nach durch den neueren Typ «Parapluie» ersetzt. Die Frage steht im Raum: Abbruch ohne Grund? Ist das in Zeiten der Klimakrise noch angebracht? Es regt sich Widerstand. Alt-Grossrat und Genossenschaftspräsent, Jörg Vitelli, hat gegen einen geplanten Abbruch in der Lehenmatt Einsprache erhoben. Wir haben mit ihm über seine Beweggründe gesprochen.

Wartehalle an der Lehenmattstrasse
Architektur Basel: Die Bushaltestelle am Nasenweg in der Lehenmatt wird erneuert. Dabei soll die bestehende Wartehalle ersetzt werden. Dagegen haben Sie zusammen mit der Stiftung Abendrot Einsprache erhoben. Weshalb?
Jörg Vitelli: «Die Wartehalle Nasenweg, genannt Furrer-Wartehalle, ist wie viele andere gleichen Typs noch in einem bemerkenswert guten Zustand. Die massiv gebauten und guten Schutz bietenden Wartehallen gingen in den Achtzigerjahren als Sieger aus einem Architekturwettbewerb hervor und wurden in der Folge überall in der Stadt errichtet.»
Die bestehende Wartehalle vom «Typ Furrer» ist in die Jahre gekommen. Wäre es nicht an der Zeit für etwas Neues?
«Beim Baudepartement, Städtebau und Architektur, wie auch bei den BVB herrscht immer noch die Buchhaltermentalität vor. Wenn ein Infrastrukturobjekt buchhalterisch abgeschrieben ist, dann muss es auch ersetzt werden, unbesehen, ob es funktional in Ordnung ist und noch nicht am Ende der Lebensdauer angelangt ist. Kein Hausbesitzer reisst seine Liegenschaft ab – nur weil die Abschreibungsdauer erreicht ist. Der überlegt sich wie sein Objekt renoviert werden kann damit es einen weiteren Lebenszyklus genutzt werden kann.»

Begrünung inklusive: Die Wartehalle an der Lehenmattstrasse
Die BVB verwendet seit ein einigen Jahren die Wartehalle vom Typ «Parapluie». Sie kritisieren deren Funktionalität. Was ist an der neuen Halle schlechter?
«Die neuen, vorwiegend aus Glas hergestellten Bus- und Tramwarteunterstände sind weniger lang. Sie haben weniger Sitzgelegenheiten, was besonders bei älteren ÖV-Benutzenden von Wichtigkeit ist. Ausserdem kann der Billetautomat nicht mehr im Unterstand platziert werden. Man muss im Regen ausserhalb das Billet lösen. Die geringere Dachtiefe bietet zudem einen geringeren Wetterschutz. Es regnet einem auf die Füsse.»
Wie kam es damals dazu, dass man diesen – nach Ihrer Einschätzung –schlechteren Typ ausgewählt hat? Waren die BVB schlecht beraten?
«Im Jahr 2005 kann seitens vom Baudepartement die Idee auf man müsse die „alten“ und zum Teil unterschiedlichen Bus- und Tramwarteunterstände durch ein neues, zeitgemässes Modell ersetzen, das alle bisherigen Unterstände ersetzen soll. Wohl entspricht der «Parapluie» vom Design her dem Zeitgeist, doch er hat funktional grosse Mängel. Offenbar konnten sich die BVB, welche die Interessen der Fahrgäste vertreten sollten, gegenüber den Architekten und den Vertretern des Stadtbildes nicht durchsetzen.»

Präzise konstruktive Details zeichnen die Architektur aus
Falls die Einsprache Erfolg hat, wird eine einzige Wartehalle erhalten. Das ist ein Tropfen auf den heissen Stein. Wie soll es weitergehen?
«In der Stadt stehen noch circa 70 Furrer-Wartehallen, welche gemäss dem vom Grossen Rat bewilligten Kredit im 2021 durch den Parapluie ersetzt werden soll. Dieser Beschluss ist zu einem Zeitpunkt gefällt worden, als das Theme ReUse/ReFit, Co2-Reduktion und Klimakrise erst aufkam. Inzwischen wurde in Basel-Stadt auch die Klimagerechtigkeitsinitiative deutlich angenommen welche ein Netto-Null-Ziel bis 2030 fordert. Funktionstüchtige Produkte wegwerfen und durch neue Objekte ersetzten, welche mit hohem Energieeinsatz hergestellt werden müssen und weniger funktional sind, passt nicht mehr in unsere Zeit. Deshalb hat Grossrat Jean-Luc Perret im 2023 einen Vorstoss im Grossen Rat eingereicht, der fordert, dass der Ersatz der Furrerhallen überdenkt werden muss. Das neue Credo soll lauten: erhalten statt verschrotten. Die Weiterverwendung der Furrer-Wartehallen schont nicht nur die Ressourcen sondern spart auch Geld, das anderweitig im ÖV besser eingesetzt werden kann.»
Danke für das ausführliche Gespräch. Schauen wir, wie es weitergeht.