Im Gellertquartier entsteht mit fast 250 neuen Wohnungen eine der grössten Wohnüberbauungen in ganz Basel – einmal abgesehen von der Erlenmatt. Doch der Reihe nach: Im Jahre 2011 wurde der Architekturwettbewerb mit sieben eingeladenen Teams von Stump & Schibli Architekten gemeinsam mit Bryum Landschaftsarchitekten gewonnen. Eine wesentliche Auflage des Wettbewerbs bestand darin, die hohe Qualität des Areals als parkähnliche Anlage und den hervorragenden Baumbestand so weit wie möglich zu schonen und zu bewahren. Der städtebauliche Antwort der Architekten bestand dabei einerseits aus vier versetzt angeordneten und in der Höhe gestaffelten Bauten mit Bauhöhen von 6, 7, 8 und sowie einem Hochhaus mit 13 Geschossen. Auf dem Arealteil mit Eigentumswohnungen der Rhodonia wurde zudem eine zusammenhängende, viergeschossige Grossform konzipiert, die im Norden mit einem 10-geschossigen Turm abgeschlossen wird.
Die Architektur des bereits fertiggestellten und bewohnten Arealteils der Helvetia besticht in der äusseren Erscheinung durch ihre sorgfältig proportionierte und ausgeführte Fassade bestehend aus vorfabrizierten Betonelementen. Auf einem minimal eingezogenen Sockel aus gestocktem Ortbeton liegen die akkurat gefügten Betonelemente mit gesäuerter Oberfläche, die jeweils ein Metallfenster samt Lamellenstoren rahmen. Die hellgrau-beige Farbigkeit lässt den Beton elegant wirken und verleiht der Fassade eine gewisse Leichtigkeit. Auch die Sonnenstoren der Loggien sind farblich fein abgestimmt. Der Dachrand wird von einem Aluminium-Blech ausgezeichnet. Der Betrachter fragt sich höchstens, ob der oberste Abschluss eine minimale Veränderung in der Proportion der Betonrahmen verlangt hätte. So wirken die Häuser etwas gar „abgeschnitten.“
Im Innern findet die schlichte Eleganz der Fassade ihre Fortsetzung: Im Eingangsbereich mit lasierten Betonwänden steht ein nobles Empfangsmöbel in dunkelbraunem Holzfurnier. Auch das Treppenhaus mit flächigen Brüstungselementen als Absturzsicherung und Sichtbetonwänden kommt äusserst stringent daher. Alle Bauteile wirken robust und werthaltig – ohne irgendeine Form von Überfluss oder Opulenz. Mit einer Prise Ornament wurde der Veloraum des Hochhauses in Form einer speziellen Lochfassade ausgezeichnet: Ein Muster von kleinen runden Fenstern erzeugt von aussen wie im Innenraum eine besonderes Licht-Schatten-Spiel. Es ist der einzige Ort der gesamten Überbauung, wo einem so etwas wie Verspieltheit, ja fast Heiterkeit, begegnet. Die Architektur zeichnet sich ansonsten in jeder Hinsicht durch ihre Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt aus.
Text und Fotos: Lukas Gruntz / Architektur Basel