Superblock St. Johann © Kantons- und Stadtentwicklung
Basler Superblocks: Der Versuch ist vorbei, die Zukunft offen
Nach einem Jahr ist Schluss: Die beiden Superblock-Tests im St. Johann und im Matthäus werden zurückgebaut. Im St. Johann sind die Abbauarbeiten bereits abgeschlossen, im Matthäus beginnen sie ab sofort. Was bleibt, ist zunächst eine Evaluation – und die offene Frage, was aus dem Experiment resultiert.
Der Kanton hatte die beiden Gebiete vor einem Jahr als «Stadt als Labor» eingerichtet. Ziel war es, Erfahrungen mit verkehrsberuhigten, begrünten und unterschiedlich nutzbaren Quartierstrassen zu sammeln. Untersucht werden nun unter anderem Verkehrsaufkommen, Parkierung, Unfälle, Luftqualität, Sauberkeit und Ordnungsbussen. Hinzu kommen Befragungen von Anwohnenden, Nutzenden und Gewerbe sowie Gespräche mit Personen aus den Quartieren. Der Versuch endet damit genau dort, wo eine städtebauliche Diskussion eigentlich interessant wird: bei der Frage, was aus den Erkenntnissen räumlich und politisch folgt.
Feierliche Eröffnung des Superblock Tests St. Johann im Sommer 2025 © Kantons- und Stadtentwicklung
Denn ein Superblock ist nicht primär eine Ansammlung von Sitzgelegenheiten, Pflanztrögen und temporären Möblierungen. Entscheidend ist die Veränderung des Strassenraums und damit seiner Funktion. Wird eine Strasse weiterhin hauptsächlich als Verkehrsfläche gedacht – oder als Teil eines zusammenhängenden öffentlichen Raums? Dr. Erik Wegerhoff hat im Espazium-Beitrag genau auf diesen Punkt hingewiesen: «Gut begründbar und tatsächlich innovativ wäre es, kurze Strassenabschnitte wie etwa die gesamte Matthäus- und Teile der Oetlingerstrasse komplett für jeglichen motorisierten Verkehr zu sperren und fussläufig von den Seiten zu erschliessen sowie fundamental zu entsiegeln und intensiv zu bepflanzen. Und das in einem umfassenden und langfristigen Versuchsgebiet, das als Netz gedacht ist, denn nur als solches ergeben Strassen Sinn.»
Das ist eine deutlich weitergehende Vorstellung als jene eines temporär möblierten Strassenraums. Wegerhoff fordert keinen Superblock als Einzelobjekt, sondern ein Netz: mehrere miteinander verbundene Strassenräume, deren Funktion sich dauerhaft verändert. Erst dadurch liesse sich überprüfen, was eine Verkehrsberuhigung städtebaulich tatsächlich bewirkt. Der Kanton betont derweil die planmässige Beendigung der Tests. Eine Verlängerung sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Die temporären Elemente werden anderen Projekten zugeführt oder zurückgebaut. Über die Zukunft der Superblocks soll der Regierungsrat voraussichtlich im ersten Quartal 2027 entscheiden. Dann soll auch die Evaluation veröffentlicht werden.
Superblock Matthäus © Kantons- und Stadtentwicklung
Bis dahin bleibt ein Jahr Versuchserfahrung. Ob daraus ein neues Verständnis des Basler Strassenraums entsteht, wird weniger an der Qualität einzelner Pflanzungen oder Möblierungen abzulesen sein als an der Frage, ob die Stadt bereit ist, Verkehrsflächen neu zu verteilen. Der Versuch ist beendet. Das Experiment mit der Stadt als Labor müsste dann eigentlich erst beginnen.
Quelle: Medienmitteilung Präsidialdepartement Kanton Basel-Stadt