Aktuelles 12.10.26

Pflegen für die kommende Generationen: Bäume im Hitzestress

Am ersten kälteren Tag des Herbstes hat uns Petra Huser, die neue Leiterin der Stadtgärtnerei Basel-Stadt, am Birsköpfli empfangen. Eingeladen waren wir zu einem Presserundgang zu den Folgen des ausserordentlichen Hitzesommers auf den Basler Baumstand. Hinter uns liegt ein Jahrhundertsommer, der für diverse Hitzerekorde gesorgt hat. Der Name ist trügerisch. Solche Sommer werden wir in diesem Jahrhundert noch öfters erleben.

Eins vorweg: Im Moment wurde noch kein erhöhter Verlust der Baumsubstanz vermerkt. Frühestens im Frühling werden wir erfahren, ob alle Bäume den Winter überstanden haben und im nächsten Jahr austreiben.

Das stark frequentierte Birköpfli scheint nach dem Hitzesommer völlig erholt, dahinter steckt viel Unterhaltsarbeit. © Martin Zwahlen für Architektur Basel

Unter diesen extremen Bedingungen leiden nicht nur wir Menschen, sondern unsere gesamte Umwelt. Während sich mobile Lebewesen, wie Insekten, Vögeln, Tiere oder wir uns bei intensiver Hitze an einem kühleren Ort bewegen können, sind die Pflanzen an ihrem Standort gebunden. In der Natur befindet sich die Vegetation in einem dynamischen Prozess, der es ihr erlaubt, sich an den Standort anzupassen und sich in der korrekten Zusammensetzung zu etablieren. Hingegen wird im urbanen Kontext die Pflanze an einem bestimmten, limitierten Standort platziert und hat gemäss diesen Vorgaben zu gedeihen, um ihre zukünftige Funktion zu erfüllen. Nämlich primär für den Menschen Schatten zu spenden.

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Bei Neupflanzungen werden häufig «Klimabäume» gepflanzt; damit sind Baumarten und Sorten gemeint, die speziell für extremen Bedingungen gezüchtet wurden. Auch werden an einem Standort möglichst unterschiedliche Arten gewählt, damit sich ein Krankheitsbefall nicht zu leicht verbreiten kann. Eine weitere Strategie kann sein, die Bäume in kleine Gruppen, Clumps, zu setzen. Damit sie sich gegenseitig schützen. Dabei entsteht eine gewisse Konkurrenz, und es ist möglich, dass einer aus der Gruppe eingeht oder bewusst zurückgeschnitten werden muss, damit sich die anderen optimal entwickeln können. Diese Sukzessionsstrategie wird auch bei Altbäumen angewendet. Neben grossen Bäumen wird ein Jungbaum gepflanzt, der in 30 bis 50 Jahren, wenn der altersbedingt mächtige Baum zurückgeschnitten werden muss, bereits großgewachsen sein wird.

Die mächtige Pappel konkurrenziert die Rochtürme, daneben die Jungpflanze die in einigen Jahren an Höhe zulegen wird. © Martin Zwahlen für Architektur Basel

«Wer ernten will, muss säen.» Das ist Vergangenheit; wer ernten will, muss säen und anschliessend pflegen. Bäume, die durch die Stadt gepflanzt werden, standen zuvor 10 Jahre in einer Baumschule und wurden dort hochgezogen. Meistens stehen sie nahe beieinander und sind dadurch vor Wind geschützt. Zusätzlich werden sie regelmässig gepflegt, kontrolliert und bewässert. In dieser Phase wird der Baum immer wieder umgepflanzt und dabei der Wurzelballen zurückgeschnitten. Die Gründe dafür sind vor allem, das Gewicht für den anschliessenden Transport zu verringern und in der Baumschule die Bäume möglichst nah beieinander setzen zu können. Erst beim Setzen in einem Park oder im Freiraum hofft man, dass sie gut anwachsen. Also, dass ihr Wurzelwerk sich ausbreitet und möglichst gut an Wasser, Nährstoffen und Luft ankommt. Bis sie so weit sind, werden die Jungbäume in den ersten zehn Jahren gepflegt. Insbesondere in Dürreperioden müssen sie regelmässig gegossen werden.

Mit Feuerwehrschläuchen und mobilen Sprinklern werden die Rasenflächen in der Stadt bewässert. © Martin Zwahlen für Architektur Basel

Giessen kennen wir von unseren Balkonpflanzen; mit zwei grossen Kannen ist es gemacht. In der Stadt bedeutet Bewässern etwas anderes. Zum Einordnen ein paar Zahlen. Zurzeit pflanzt die Stadt Basel jährlich etwa 150 neue Bäume, zusätzlich müssen 200 bis 250 Bäume ersetzt werden. Jährlich sind es insgesamt 350 bis 400 Jungbäume, die über 10 Jahre intensiv gepflegt werden. Das bedeutet insgesamt rund 3500 Bäume, die die Stadtgärtnerei in einer Dürreperiode wöchentlich giessen muss. Wöchentlich sind es 1.4 Millionen Liter Wasser, die mit unterschiedlichen Methoden zu den Bäumen transportiert werden müssen. Eine Herkulesaufgabe.

Mit dem Unterhaltsfahrzeug können 2000 Liter bis zu den Bäumen transportiert werden. © Martin Zwahlen für Architektur Basel

Der Hitzesommer sorgte für einen Ausnahmezustand. Die Belastung für die Stadtgärtnerei war so hoch, dass auch Mitarbeiter aus der Planung, der Administration und dem Tiefbauamt mithelfen mussten. Auch die Fahrzeuge, die das Wasser bis zu den Bäumen transportierten, waren nicht ausreichend. Dafür wurden Unterhaltsfahrzeuge mit Wassertanks aufgerüstet und von Hydranten Feuerwehrschläuche verteilt.

Die Fahrt in die Baumkrone mit der Hebebühne eröffnet neue Ausblicke auf den Park und zeigt den Umfang und die Grösse der Bäume. © Martin Zwahlen für Architektur Basel

Neben dem Bewässern der Jungbäume müssen sich die Gärtner der Stadt auch um den alten Baumbestand kümmern. Eine regelmässige Kontrolle und Überwachung sind notwendig, denn auch die Bäume stehen bei grosser Hitze unter Stress. Dieser kann sich unterschiedlich manifestieren, unter anderem durch den Abwurf von Blättern, aber auch durch das Ausbrechen ganzer Äste. Was eine Gefahr für die Menschen darstell, insbesondere, wenn sich an schönen und warmen Tagen viele Leute in den Parks aufhalten.

Bei anhaltender Dürre können Bäume als Schutzmechanismus ganze Äste abwerfen, hier im Schützenmattpark. © Stadtgärtnerei Basel-Stadt

Die starke Beanspruchung der Freiräume durch den Menschen ist eine weitere Belastung, sowohl für die Pflege als auch für die Bäume selbst. Der Andrang von Gruppen hinterlässt viel Littering, das eingesammelt und abtransportiert werden muss, die Rasenflächen müssen bewässert und gepflegt werden, und bei Veranstaltungen oder an stark frequentierten Stellen wird der Boden verdichtet. Dadurch schliessen sich die Poren, und Wasser und Luft gelangen nicht mehr bis zu den Baumwurzeln, was für die Pflanze ein weiterer Störfaktor ist.

Vor dem Galizi ist der Antrag ständig hoch, dabei geht der Rasen ein und der Boden wird verdichtet. © Martin Zwahlen für Architektur Basel

Zurzeit sind in Basel die Ressourcen vorhanden, finanziell, an Arbeitskraft oder an Wasser, damit wir von qualitativen und gut gepflegten Freiräumen profitieren können. Trotzdem sucht die Stadtgärtnerei nach Lösungen, um diese Qualität langfristig aufrechtzuerhalten. Neben den oben erwähnten Strategien und Massnahmen wird geprüft, wie die Bevölkerung sich einbringen kann. Mehrere Personen haben ihr Interesse bekundet, zu unterstützen. Ein spannender Ansatz, da die Pflege auch in der Gemeinschaft ausgelebt werden soll. Für den kommenden Sommer wünschen wir den Mitarbeiter:innen der Stadtgärtnerei und ihren über 28'000 Stadtbäumen viel Erfolg und Gelingen bei der Pflege.

Text: Martin Zwahlen / Architektur Basel