Neubau Naturhistorisches Muesum Basel und Staatsarchiv © Damian Poffet
Auszeichnung vor Eröffnung: Backstein-Preis für Naturhistorisches Museum und Staatsarchiv
Am Bahnhof St. Johann wächst seit Jahren eine der markantesten Baustellen Basels. Der markante Kopf zur Luzernerringbrücke ist von weitem sichtbar. Wo einst vor allem Infrastruktur den Ort prägte, entsteht ein gemeinsames Haus für das Naturhistorische Museum und das Staatsarchiv. Während im Innern noch gebaut und eingerichtet wird, ist die äussere Gestalt längst ablesbar. Seit einigen Monaten ist die Fassade fertig – und wurde nun bereits ausgezeichnet: mit dem Erich-Mendelsohn-Preis für Backstein-Architektur. Er wird seit 2008 alle drei Jahre vergeben. In der siebten Ausgabe erhielt der Neubau von EM2N in der Kategorie «Öffentliche Bauten, Sport und Freizeit» die Bronzemedaille. Die Jury würdigte insbesondere die konsequente Verbindung von städtebaulicher Setzung und Materialität.
Neubau Naturhistorisches Muesum Basel und Staatsarchiv © Silvano Pedrett
Wir machen uns auf den Weg ins St. Johann. Entlang der Bahntrasse staffeln sich die Baukörper in Richtung Vogesenplatz. Aus der Folge unterschiedlicher Volumen entwickelt sich schliesslich eine schmale Turmscheibe an der Luzernerringbrücke. Sie bildet den zeichenhaften Abschluss des langen Grundstücks und macht den neuen Wissensspeicher auch aus der Distanz sichtbar. Museum und Archiv bekommen damit nicht nur ein gemeinsames Haus, sondern auch eine gemeinsame Adresse.
Fassadenabwicklung © EM2N
Seine eigentliche Wirkung entfaltet der Bau jedoch über die Materialität. Backsteinflächen und Ortbetonbänder verbinden sich zu einer schweren, beinahe archaischen Hülle. Nicht der einzelne Stein steht im Vordergrund, sondern das textile Zusammenspiel von Stein und Fuge. Die Anmutung erinnert an Bauten von Sigurd Lewerentz. Die breiten, grob über die Steine verstrichene Mörtelfugen erzeugen eine gewebeartige Qualität der Aussenwand. «Das textile Zusammenspiel von Stein, Fuge und Ortbeton formt eine murale, monolithische Hülle, die Sammlung und Archiv schützt», schreibt die Jury.
Längsschnitt © EM2N
Grundriss © EM2N
Im Innern wird dieses Prinzip der Fügung und Schichtung fortgesetzt. Eine grosszügige Eingangshalle bildet die gemeinsame Adresse der beiden Institutionen. Von ihr aus entwickeln sich zwei vertikale Foyers zu eigenständigen Adressen. Das Staatsarchiv liegt als gläsernes Attikageschoss über der gesamten Gebäudelänge und öffnet den Blick über die Stadt. Im Turm verbindet eine 18 Meter hohe Halle die Planausgabe mit dem Lesesaal und schafft zugleich eine räumliche Schnittstelle zwischen Archiv, Museum und Quartier.
Neubau Naturhistorisches Muesum Basel und Staatsarchiv © Damian Poffet
Das Museum darunter übersetzt die Idee des Wissensspeichers in ein zweigeschossiges, weit gespanntes Regal. Die robuste Struktur soll nicht nur Sammlungen aufnehmen, sondern langfristig unterschiedliche Ausstellungen, Forschung und Vermittlung ermöglichen. Zwei Treppenhäuser schneiden durch diese Schichten und machen Teile des sonst verborgenen Museumsbetriebs sichtbar.
Neubau Naturhistorisches Muesum Basel und Staatsarchiv © Damian Poffet
Geduld ist gefragt. Nach einigen Schwierigkeiten und Verzögerungen beim Bau dauert es bis zur Eröffnung noch: Das Staatsarchiv wird erst im April 2028 eröffnen. Beim Naturhistorische Museum folgt ein Jahr danach: Die Eröffnung ist erst Mitte 2029 geplant. Nun gibt es Vorschusslorbeeren. Es mag ungewöhnlich sein, dass ein Haus noch vor seiner Inbetriebnahme eine Auszeichnung erhält. Die hohe Qualität der Fassade ist bereits erfahrbar, wobei der Baustellenzaun noch ein paar Meter Abstand einfordert. Die Frage nach der massiven und entsprechend CO2-lastigen Bauweise klammert der Preis aus nachvollziehbaren Gründen (er ist von der Backstein-Industrie finanziert) grosszügig aus. Die Wahl der massiven Bauweise kann programmatisch verstanden werden: Stichwort Permanenz. Der neue Wissensspeicher funktioniert als schützender, schwerer Körper, der seinen Inhalt für die nächsten Jahrhunderte gegen alles denkbare Unheil bewahrt – sofern unser Planet für Menschen dann noch bewohnbar ist.
Quelle: www.erich-mendelsohn-preis.com