FHNW Campus Dreispitz © Evolution Design
Lernen in der langen Halle – der neue FHNW Campus Dreispitz
Das Haus ist lang. Rund 200 Meter um genau zu sein. Die Fassade mit den dunklen Bändern erinnert an Lagerhallen auf dem Dreispitz. Wir stehen vor Basels neustem Hochschulgebäude. Der von E2A Architekten entworfene FHNW Campus nimmt ab kommendem Herbstsemester rund 1200 Studierende und 150 Mitarbeitende der Hochschulen für Wirtschaft und Informatik auf. Nach zweijähriger Bauzeit wurde der Neubau an der Dornacherstrasse 394 eröffnet.
© E2A
Seine ungewöhnliche Form ergibt sich zunächst aus dem Grundstück: Rund 200 Meter lang und gerade einmal 30 Meter breit, erinnert es an die linearen Lagerhallen, die den Charakter des Dreispitz über Jahrzehnte geprägt haben. E2A machen diese Geometrie nicht zum Problem, sondern zum Entwurfsprinzip. Der Bau entwickelt sich als Abfolge von zurückspringenden Geschossen, die dem langen Volumen eine Staffelung geben und zugleich unterschiedliche Nutzungen aufnehmen. Unten, wo das Gebäude breiter ist, liegen die publikumsintensiven Bereiche: Aula, Bibliothek und Mensa. Darüber folgen die Lehr- und Lernbereiche. In den schmaleren oberen Geschossen sind Institute und Verwaltung angeordnet. Die vertikale Gliederung folgt damit einer einfachen Hierarchie vom öffentlichen zum konzentrierten Arbeiten.
Lobby eines Ibis Hotels? Nein, die neue "Event Zone" der FHNW © Evolution Design
Auch im Inneren setzt der Entwurf auf eine klare Trennung zweier Systeme. Offene Lernfelder bilden die räumliche Grundstruktur. Sie lassen sich unterschiedlich bespielen und neu konfigurieren – vom Unterricht über Gruppenarbeit bis zum individuellen Lernen. Dem gegenüber stehen zwei kompakte Treppenanlagen, die als skulpturale Kerne ausgebildet sind. Diese Treppen sind mehr als Erschliessung. Über mehrere Geschosse von Lufträumen begleitet, verbinden sie die Ebenen visuell und räumlich. Wer sich durch das Gebäude bewegt, soll dabei nicht einfach von A nach B gelangen, sondern anderen Nutzern begegnen. Die Zirkulation wird damit selbst zum Bestandteil des Hochschulbetriebs.
Das "Wissen zirkuliert" im Trepenhaus © E2A
Das ist insofern bemerkenswert, als Hochschulgebäude heute gerne mit Begriffen wie «Austausch», «Flexibilität» und «neuen Lernwelten» beschrieben werden. In Dreispitz wird daraus vor allem eine räumliche Frage: Wie viel Offenheit verträgt ein Gebäude, ohne beliebig zu werden? Und wie lässt sich Bewegung so organisieren, dass daraus tatsächlich Begegnung entstehen kann? Die Antwort von E2A liegt weniger in einer spektakulären Einzelgeste als in der Organisation des Hauses. Die lineare Parzelle wird zur räumlichen Sequenz, die offenen Felder zur flexiblen Arbeitslandschaft, die Treppen zu sozialen Knotenpunkten. Die etwas übermotivierte und bunte Innenarchitektur aus der Feder von Evolution Design trägt wenig zur räumlichen Qualität bei. Es hätte sich gelohnt, näher bei der Analogie der Lagerhalle zu bleiben – und auf die Aneignung der Studierenden zu vertrauen. Die "Event Zone" erinnert an die Lobby eines Ibis-Hotels. Wie so oft: Weniger wäre mehr gewesen.
Ein Hauch Werner Panton weht durch den FHNW Campus © Evolution Design
Der neue Campus fügt sich damit in einen Teil des Dreispitz ein, der sich zunehmend vom Gewerbe- zum Hochschul- und Kunststandort entwickelt. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen die Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel, das Kunsthaus Baselland und das Haus der Elektronischen Künste. Mit dem FHNW-Neubau kommt ein weiterer grosser öffentlicher Baustein hinzu.
Dass die beiden Hochschulen Wirtschaft und Informatik künftig unter einem Dach arbeiten, ist dabei nicht nur eine organisatorische Veränderung. Das Gebäude versucht, die gewünschte Durchmischung räumlich zu ermöglichen – nicht über eine offene Büro-Landschaft als Selbstzweck, sondern über Felder, Kerne, Treppen und Blickbeziehungen. Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt allerdings erst, wenn im Herbst die Studierenden einziehen und aus der geplanten «Ideenwerkstatt» ein tatsächlich genutzter Hochschulalltag wird. Das Haus wird zur grossen Lernhalle.
Quelle: Medienmitteilung Finanzdepartement und Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW