Aktuelles 13.08.26
Baubewilligung

Bauinspektorat-Dauerkritik zeigt Wirkung: Leiterin geht frühzeitig in Rente

Das Bau- und Gastgewerbeinspektorat (BGI) des Kantons Basel-Stadt bekommt eine neue Leitung. Die bisherige Leiterin Luzia Wigger Stein wird Anfang 2027 vorzeitig pensioniert. Die Stelle soll zeitnah ausgeschrieben werden. Gesucht wird eine Person mit Erfahrung in Architektur und Bauwirtschaft.

Der Schritt kommt nach Monaten zunehmender Kritik. Bauherrschaften beklagen seit Längerem die Dauer der Baubewilligungsverfahren. Noch schwerer wiegt die Kritik an der internen Führungskultur. In ihrem Sonderbericht stellte die parlamentarische Geschäftsprüfungskommission (GPK) dem BGI ein schlechtes Zeugnis aus. Es fehle an einer «kollaborativen und professionellen Führungskultur», stattdessen herrsche eine «angstgeprägte und einschüchternde Kommunikationskultur».

Der politische Druck war entsprechend gross. Mehrere Parteien forderten Konsequenzen; die LDP sprach von «Führungsversagen auf verschiedenen Ebenen» und verlangte eine externe Überprüfung. Regierungsrätin Esther Keller musste reagieren. Die vorzeitige Pensionierung Wigger Steins ist nun die sichtbarste Konsequenz.

Die Neubesetzung ist mehr als eine Personalie. Das BGI funktioniert als eine zentrale Schnittstelle zwischen Planung, Architektur, Bauherrschaften und Verwaltung. Seine Entscheide beeinflussen, wie schnell und unter welchen Bedingungen in Basel gebaut werden kann. Gerade bei komplexen Bauvorhaben kann eine schlecht organisierte und geleitete Verwaltung zum Engpass werden. Ob der Wechsel an der Spitze den erhofften Kulturwandel bringt, wird sich erst zeigen. Die Übergangsphase bis Anfang 2027 birgt die Gefahr, dass sich bestehende Probleme akzentuieren. Ein unmittelbarer Wechsel an der Spitze hätte ein deutlicheres Signal für einen Neubeginn setzen können.

Interview mit Esther Keller © Laurence Ziegler / Architektur Basel

«Es geht darum, die Spielräume zu nutzen, zu beraten, Ausnahmen zu ermöglichen.»

Entscheidend wird sein, was aus der Neubesetzung folgt. Eine gute Baubewilligungsbehörde muss Recht anwenden – aber sie sollte Bauvorhaben auch planerisch verstehen – und vor allem ermöglichen. Für Basel bietet die neue Führung die Chance, den Fokus wieder stärker auf bauliche Kompetenz, Verhältnismässigkeit und Lösungsoffenheit zu legen. Oder wie es Esther Keller vor zwei Jahren im Gespräch mit architekturbasel.ch formulierte: «Es geht darum, die Spielräume zu nutzen, zu beraten, Ausnahmen zu ermöglichen.»

Quelle: Medienmitteilung Bau- und Verkehrsdepartement