Haus Streicher (1934) von Hermann Baur © Lukas Gruntz / Architektur Basel
Haus zu verkaufen: Holzhaus von Hermann Baur mit grandioser Aussicht
Der Weitblick ist grandios. Das Auge schweift über das Birs- und Leimental hinweg bis ins Elsass. Wir befinden uns an der Waldstrasse in Arlesheim. Hier steht eine unbekannte Ikone des Neuen Bauens, ein denkmalgeschütztes Holzhaus von Architekt Hermann Baur mit Baujahr 1934. Haus zu verkaufen: Das besondere Juwel sucht für knapp 1.5 Mio. CHF eine neue Eigentümerschaft. Wir haben vorbeigeschaut.
Perspektive Haus Streicher (1934) © Hermann Baur
Der Name ist Programm: Die Waldstrasse markiert die Grenze zwischen Einfamilienhausquartier und Spitalholz. Wir befinden uns oberhalb von Arlesheim. Hier liess der Journalist und Schriftsteller Siegfried Streicher 1934 das Wohnhaus für sich und seine Familie erbauen. Eine Persönlichkeit: Streicher war damals Feuilletonredaktor des Basler Volksblatts, das er später als Chefredaktor leitete, bevor er ab 1944 bis wenige Jahre vor seinem Tod für die Rundschau des Schweizer Fernsehens arbeitete. Das Haus bot Platz für seine sechsköpfige Familie – samt grossem Studierzimmer im Obergeschoss.
Fotografie kurz nach Fertigstellung: Haus Streicher (1934) in Arlesheim © Hermann Baur
Man erreicht das Haus über den Weg von der leicht erhöhten Waldstrasse. Das Haus strahlt hangseitig vor allem eins aus: Bescheidenheit. Heute würde man von Suffizienz sprechen. Die zweiflügligen Fenster verfügen über konventionelle Faltläden. Die Fassade besteht aus einer horizontalen, weiss gestrichenen Stülpschalung aus Föhrenholz. Ursprünglich war das Holz nur mit Leinöl gestrichen. Das Haus wirkte also deutlich «hölzerner». Architekt Hermann Baur suchte die «natürliche Einheit mit der dahinterliegenden Waldzunge».
Haus Streicher (1934) von Hermann Baur © Lukas Gruntz / Architektur Basel
Für die einfache Konstruktion gab es gute Gründe. Die 1930er-Jahre waren geprägt von der Weltwirtschaftskrise, die 1939 schliesslich im Zweiten Weltkrieg mündete. Stahl und Beton als Baumaterialien waren damals kaum noch erschwinglich, Holz hingegen schon. So entwarf Baur einen schlichten Holzskelettbau mit Pultdach, das mit Falzblech belegt ist.
Schnitt Haus Streicher (1934) © Hermann Baur
Die Bauzeit war rekordverdächtig: vier Monate. Die Südfassade ist mit ihren weit auskragenden Balkonen hingegen weniger bescheiden. Sie versprühen Optimismus und erinnern an amerikanische Holzhäuser. Hier nahm Architekt Baur Themen der kalifornischen «Case Study Houses» der 1940er-Jahre vorweg.
Grundrisse Haus Streicher (1934) © Hermann Baur
Der L-förmige, funktionale Grundriss basiert auf zwei Raumschichten. Er ist äusserst effizient organisiert. Hangseits im Norden befinden sich das Treppenhaus, die Küche und die Bäder. Auf der Südseite befinden sich sowohl das Wohn- als auch die Schlafzimmer. Sie profitieren von der tollen Aussicht und haben jeweils eine vorgelagerte Terrasse. Die Kinderzimmer sind zeittypisch knapp geschnitten, lassen sich jedoch gut möblieren. Im massiv gebauten Sockelgeschoss, das einen direkten Zugang zum Garten hat, befinden sich neben der Heizung der Vorratskeller, die Waschküche und die Werkstatt. Eine besondere Qualität ist der grosse, terrassierte (Nutz-)Garten. Er bietet viel Platz für den Anbau von Gemüse und Obst. Ein grüner Daumen ist von Vorteil.
Haus Streicher (1934) von Hermann Baur © Lukas Gruntz / Architektur Basel
Inzwischen steht das Einfamilienhaus unter Denkmalschutz – und sucht eine neue Eigentümerschaft. Auf dem Preisschild stehen 1.495 Mio. CHF, wobei für die notwendige Renovation mit Denkmalsubventionen zu rechnen ist. In Anbetracht der grandiosen Aussicht, des Grundstücks mit knapp 600 Quadratmetern und der baukulturellen Bedeutung scheint der Preis angemessen. «Ein Liebhaberobjekt auf zwei Wohnebenen mit Blick auf die idyllische Umgebung», heisst es in der Verkaufsbroschüre. Es wäre dem einzigartigen Haus zu wünschen, dass darin eine architekturaffine Familie ein neues Zuhause findet.
Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel
Haus zu verkaufen:
Baudenkmal sucht neue Eigentümerschaft
Haus Streicher (1934) von Hermann Baur © Lukas Gruntz / Architektur Basel