Aktuelles 20.08.26

Lindenhofarel © Miller & Maranta

Baueingabe erfolgt: Lonza-Hochhaus bekommt zwei Schwestern

Auf dem Lindenhofareal dürfte sich in den kommenden Jahren einiges verändern. Das denkmalgeschützte Lonza-Hochhaus wird saniert, daneben entstehen zwei neue Hochhäuser mit insgesamt 215 Mietwohnungen. Die Baugesuche sollen noch im August 2026 eingereicht werden. Die Neubauten projektieren Miller & Maranta; die Sanierung des bestehenden Hochhauses übernimmt Burckhardt Architektur.

Lonza-Hochhaus © Bruno Thüring

An der Medienkonferenz formulierte Andreas Bohrer, Chief Legal & Corporate Affairs Officer von Lonza, das Verhältnis des Unternehmens zu seinem Basler Hauptsitz mit grossen Worten: «Der Lonza-Turm ist für uns hoch emotional, identitätsstiftend für Basel. Er ist wie die La Grande Dame – eine Ikone. Sie ist jetzt bald im Pensionierungsalter und wir wollen sie wieder frisch machen und mit zwei eleganten Schwestern ergänzen. Der Turm kann stolz auf sich sein – und wir sind stolz auf den Turm.»

Die baukulturelle Ausgangslage ist anspruchsvoll. Das Lonza-Hochhaus gilt als bedeutendes Beispiel der Schweizer Nachkriegsmoderne. Nach einer ersten Fassadensanierung 1997 wurde 2024 ein Schutzvertrag mit der Denkmalpflege abgeschlossen. Nun soll das Gebäude technisch erneuert werden, ohne sein äusseres Erscheinungsbild zu verändern. Die Fassadenelemente werden gereinigt, die bestehenden Rahmen mit neuer Isolierverglasung weiterverwendet. Auch Foyer und Treppenhäuser bleiben erhalten. Erneuert wird gemäss Burckhardt vor allem dort, wo es technisch notwendig ist.

Lindenhofarel © Miller & Maranta

Die beiden Neubauten orientieren sich am Bestand – ohne diesen nachzuahmen oder zu banalisieren. Miller & Maranta entwickeln die charakteristische Fassadensprache mit einer stärkeren Tiefenwirkung weiter. Aufgefächerte Fassadenelemente sollen Verschattung ermöglichen und gleichzeitig verhindern, dass die neuen Türme als glatte Volumen erscheinen. In den Neubauten sind neben den Wohnungen auch Gewerbe- und Dienstleistungsflächen vorgesehen. 47 der 215 Wohnungen – 25 Prozent der Wohnfläche – sollen preisgünstig vermietet werden.

Lindenhofarel © Miller & Maranta

Entscheidend für die städtebauliche Wirkung dürfte allerdings weniger die Silhouette als der Raum zwischen den Häusern sein. Die Mitte des Areals wird vom Verkehr befreit, entsiegelt und begrünt. Der Entwurf stammt von August + Margrith Künzel Landschaftsarchitekten. Der bestehende grüne Rahmen bleibt erhalten; 55 Bäume können bestehen weiterhin. Naturstein, heller Asphalt, neue Grünflächen und Aufenthaltsbereiche sollen zur Verbesserung des Mikroklimas und zur Biodiversität beitragen. Gleichzeitig soll das Areal von mehreren Seiten zugänglich sein und damit stärker mit seinem Umfeld verbunden werden. Unterirdisch bleibt die Trennung von Verkehr und Freiraum konsequent: Anlieferung, Entsorgung und Parkierung werden in der Einstellhalle gebündelt. Diese wird gegenüber der Projektstudie um ein Geschoss reduziert. Statt der gemäss Parkplatzverordnung möglichen 306 Autoabstellplätze sind 190 vorgesehen. Dem stehen eindrückliche 900 Veloabstellplätze gegenüber.

Die Neubauvolumen im Modell 1:500 © Lonza AG

Energetisch wurde das Projekt seit der Präsentation des Studienauftrags 2024 verändert. Photovoltaikelemente werden in die Fassaden der Neubauten integriert. Sie sollen Strom produzieren und zugleich als Sonnen- und Wärmeschutz funktionieren. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt des Projekts etwas weg von der Frage, wie zwei weitere Türme neben dem Lonza-Hochhaus aussehen, hin zu jener, wie drei Hochhäuser einen gemeinsamen Stadtraum erzeugen. Ob dieser neue Arealkern tatsächlich öffentliches Leben entwickelt oder primär zum begrünten Innenhof einer privaten Überbauung wird, wird sich zeigen. Nach aktuellem Zeitplan soll die Sanierung des Lonza-Hochhauses 2027 beginnen und 2029 abgeschlossen sein. Die Neubauten sollen 2030 fertiggestellt werden. Das altehrwürdige Lonza Hochhaus darf sich auf einen angeregten Dialog mit ihren zwei jüngeren Schwestern freuen.

Quelle: Medienmiteilung Lindenhofarel / Lonza AG
für Architektur Basel vor Ort: Lina Landwehr und Mariia Hryshko