Architektur Basel: Kompliment! Sie kandidieren als einziger Architekt im Kanton Basel-Stadt für den Nationalrat. Weshalb konnten Sie sich im Unterschied zu sämtlichen BerufskollegInnen zu einer Kandidatur durchringen?
Martin Cron: «Ich bin nicht mehr aktiv im Unternehmen tätig sondern strategisch im Verwaltungsrat, was mir erlaubt den Sitz im Nationalrat anzustreben.»
Was reizt Sie persönlich an der Aufgabe des Nationalrats?
«Ich möchte unserer Stadt und unserer Region in Bern gebührend Gehör verschaffen.»

Nationalratskandidat und Architekt in Personalunion: Martin Cron von der CVP © Dominik Plüss
Als Architekt und Bauunternehmer sind Sie ein Generalist, der koordiniert und moderiert. Das sind eigentlich ideale Voraussetzungen für ein politisches Engagement. Haben Sie eine Erklärung für die Politikverdrossenheit vieler ArchitektInnen? Im Grossen Rat sieht es ja auch nicht viel besser aus…
«Wenn wir die Parlamente ansehen, auch im Grossen Rat in Basel, sind dort leider sehr wenige Bauleute oder Gewerbetreibende vertreten. Die Leute sind in ihren Betrieben wegen der tiefen Margen überdurchschnittlich gefordert. Ein Mandat mit circa 20% Pensum können sich diese Chefs nicht leisten.»
Inwiefern möchten Sie die Rahmenbedingungen für Architekten, Planende und Bauende verbessern?
«Es ist enorm, welche Reglementierungsflut dauernd unsere tägliche Arbeit belastet. Eines meiner Ziele ist, dieser übermässigen Regulierung Einhalt zu gebieten.»
Was meinen Sie mit «übermässigen Regulierung» genau? Können Sie unseren Lesern ein Beispiel geben? Viele Normen werden ja von der Bauwirtschaft und deren Verbänden selbst gemacht…
«Für ein Baugesuch, die übertriebenen und sinnwidrigen Nachweise, die zu erbringen sind, abzuschaffen. Ein Beispiel: Wo weit und breit keine Fledermaus anzutreffen ist, verlangt die Behörde einen Nachweis eines Fachexperten, der diese Tatsache bestätigt.»

Cron: «Der Umbau-und Renovationssektor wird sich möglicherweise weniger verändern.» © Gewona Nord-West
Auf dem Bau herrscht oftmals grosser Druck, insbesondere was die Termine angeht. Ausserdem hat man immer seltener mit gelernten Handwerkern zu tun. Wie schaffen wir es, dass junge Leute wieder vermehrt eine Lehre auf dem Bau absolvieren?
«Meines Erachtens können wir mit den unabwendbaren Einzug der digitalisierung die Bauberufe attraktivergestalten und damit das Interesse der Berufssuchenden wecken. Der Trend weniger Gymnasium zur Berufslehre hat im Ansatz begonnen, was für das Handwerk eine Chance bedeutet.»
Glauben Sie das Handwerk wird die Digitalisierung auf dem Bau überleben?
«Das Handwerk wird die Digitalisierung sicher überleben. Der Neubau wird sich strukturell stark verändern, da sind Anpassungen gefragt. Der Umbau-und Renovationssektor wird sich möglicherweise weniger verändern.»

Cron’s Lieblingsgebäude ist ein Basler Klassiker: Das altehrwürdige Spalentor © Architektur Basel
Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Welches ist Ihr Lieblingsgebäude in Basel?
«Mein Lieblingsgebäude in Basel ist das Spalentor.»
Interview: Lukas Gruntz / Architektur Basel
Martin Cron
Kandidat auf der Liste CVP 60+
Geburtsdatum: 25. November 1944
Zivilstand: verheiratet, zwei erwachsene Söhne
Beruf: Architekt FH, eidg. dipl. Baumeister
Tätigkeit: VR Präsident JEAN CRON AG
Ämter: Casinogesellschaft Vizepräsident (Musiksaal Stadtcasino), Rumpelclique Obmann, Tambourmajor, Altmeister E.E.Zunft zu Spinnwettern, Alt-Grossrat CVP 1992 – 2004