© Salathé Architekten
Drittes Leben für Rennbahnklinik: Salathé Architekten gewinnen Wettbewerb
Es sind Orte, die sich immer wieder neu erfinden. Die Rennbahn in Muttenz gehört dazu. 1927 als hölzerne Radrennbahn eröffnet, 1934 Konkurs gegangen, 1936 abgebrochen – eine kurze Episode. In den späten Siebzigerjahren folgte die Rennbahnklinik, ein funktionaler Betonbau. Nach deren Wegzug wurde das Gebäude seit 2015 als Zwischennutzung von Studierenden der WOVE bewohnt. Nun erhält der Bau ein drittes Leben: Salathé Architekten konnten den Wettbewerb der Pensimo für sich entscheiden.
ehemalige Radrennbahn um 1929; Quelle: www.kgportal.bl.ch; Fotograf: Rolf Jeck, Basel
Sie ist vielbefahren. Wir stehen an der Kreuzung St. Jakob-Strasse zur Birsfelderstrasse. Agglomeration wie sie leibt und lebt. Die ehemalige Rennbahnklinik steht vor einer grundlegenden Transformation. Anders als im Quartierplan von 2019 vorgesehen, der von einem Komplettabriss ausging, erkannte die Eigentümerin, die Pensimo, die Zeichen der Zeit – und setzte auf den Erhalt der funktionalistischen Betonstruktur. Die Bestandsbauten der «Baubereiche C1 und C2» sollen mehrheitlich bestehen bleiben, ergänzt durch Aufstockungen und punktuelle Ersatzneubauten dort, wo es konstruktiv notwendig ist. Im Rahmen eines Studienauftrags mit fünf Teams – Burckhardt Architektur, jessenvollenweider architektur, Rahbaran Hürzeler Architekt:innen, Salathé Architekten und SSA Architekten – wurde ein Projekt gesucht, das Transformation, Ergänzung und Nachhaltigkeit zusammenführt.
Situationsplan: Das Areal der ehemaligen Rennbahn. Rot eingefärbt der Wettbewerbsperimeter.
Der Beitrag von Salathé Architekten setzte sich durch. Unter dem Leitmotiv «Pragmatic Beauty» wird der Bestand dort weitergeführt, wo er funktional und architektonisch trägt. «Der Bestand wird dort erhalten, wo seine Funktionalität weiterhin gegeben ist und die Architektur der Rennbahnklinik auch mit der neuen Nutzung ihre Qualitäten ausspielen kann», liest man im Jurybericht. Im Kopfbau erfolgt ein gezielter Rückbau bis auf das Erdgeschoss, darauf ein Holz-Hybridbau mit klarer, ökonomischer Struktur. «Hier sind überwiegend Kleinwohnungen angeordnet», heisst es im Bericht, «das Treppenhaus an der Nordfassade ist in den oberen Geschossen an der Fassade mit Tageslicht versorgt.»
Das Siegerprojekt im Modell 1:500
Im Längsbau werden Maisonette-Wohnungen vorgeschlagen, die die vorhandene Gebäudetiefe produktiv nutzen. Es entsteht ein differenziertes Wohnungsangebot, ergänzt durch Gewerbenutzungen im Erdgeschoss. Die Setzung der Baukörper und die Aussenraumgestaltung fügen Bestand und Neubau zu einem Ensemble zusammen, das sich selbstverständlich in den Stadtraum einbindet. Der pragmatisch-schöne Umgang mit dem Bestand überzeugt.
© Salathé Architekten
Die Jury würdigt insbesondere das «profunde Verständnis der Architektur der Rennbahnklinik». Weiter heisst es: «Die erhaltenden Gebäudeteile können ihre architektonischen und funktionalen Qualitäten weiter ausspielen, die Neubauteile zeugen von bewusstem Einsatz, weniger, zielgenau kalibrierter architektonischer Mittel.» Diese Haltung zeigt sich nicht zuletzt in der Gesamtbilanz: «Es überrascht nicht, dass das Projekt in der CO2 Bilanz im Quervergleich sehr gut abschneidet.» Gleichzeitig wird Entwicklungsbedarf benannt. So fordert die Jury, «den Schwerpunkt auf das Verweben zwischen Bestands- und Neubau zu legen» und «den markanten Standort an der Kreuzung mit einem adäquaten architektonischen Ausdruck zu stärken». Insbesondere der Kopfbau müsse «in seinem architektonischen Ausdruck bei einer Weiterbearbeitung noch geschärft werden».
© Salathé Architekten
Das Siegerprojekt liefert Argumente für einen anderen Umgang mit dem Bestand. Einer, der nicht auf maximale Differenz setzt, sondern auf Kontinuität. Einer, der akzeptiert, dass Architektur nicht bei null beginnt, sondern immer schon Teil einer Geschichte ist. Die Rennbahn in Muttenz hat viele Leben gesehen. Ein nächstes steht an.
Artikel: Lukas Gruntz / Architektur Basel