Portraits 29.06.26

Portrait von Bruno Trinkler © Armin Schärer / Architektur Basel

Im Gedenken an Bruno Trinkler

Mit Bruno Trinkler verliert die Architekturstadt Basel eine prägende Persönlichkeit. Er ist im Alter von 76 Jahren unerwartet in Finnland verstorben. Bis zuletzt war er im Architekturbüro tätig. ArchiBasel-Redaktorin Céline Dietziker hat bei Bruno Trinkler an der Fachhochschule studiert und später in seinem Büro gearbeitet. Ihr Nachruf ist deshalb zugleich eine Erinnerung an ihren Lehrer, Mentor und Chef, der neben ihr eine ganze Generation von FH-Architekt:innen mit seiner ruhigen, bescheidenen und zugewandten Art geformt und geprägt hat.

Bruno habe ich zuerst als Professor in Muttenz kennengelernt und später das Privileg gehabt, in seinem Büro mitzuarbeiten. In beiden Rollen begegnete mir derselbe Mensch: ruhig, bescheiden und von einer tiefen Menschlichkeit geprägt. Bruno stammte aus der Innerschweiz. Aufgewachsen in Zug, wo er auch seine Zeichnerlehre absolvierte, führten ihn sein Weg zu Michael Alder an die Fachhochschule in Muttenz und an die ETH Zürich. Geprägt wurde er vor allem von Dolf Schnebli, in dessen Büro er nach dem Studium fünf Jahre lang arbeitete und dem er später als Assistent an der ETH zur Seite stand. Seit 1970 lebte und wirkte Bruno Trinkler in Basel. Von 2005 bis 2009 amtete er als Obmann der BSA-Ortsgruppe Basel.

Als Professor begegnete er einem stets auf Augenhöhe. Er war ruhig, sachlich und motivierend, gab allen eine Chance und verstand Kritik immer als Ermutigung. Auch vermeintlich schwächere Studierende konnten sich unter seiner Begleitung entfalten. Seine Bescheidenheit zeigte sich in Aussagen wie: «Es ist ein absolutes Glück und Privileg, wenn man unterrichten darf. Mich hat das alles immer inspiriert. Ich habe wahrscheinlich von euch allen viel mehr profitiert, als ihr von mir», wie er im Gespräch mit mir vor sechs Jahren sagte. Diese Haltung war echt. Er blieb neugierig und liess sich auf neue Ideen ein: «Wahrscheinlich wurde ich dadurch geprägt, dass mich all diese Fragen der Studierenden immer wieder verunsichert haben.»

Mit Bruno Trinkler im Jahr 2015 auf Studienreise in Indien © Céline Dietziker

Besonders in Erinnerung bleiben mir die gemeinsamen Studienreisen nach München, Polen und vor allem nach Indien. Balkrishna Doshi, Louis Kahn, Le Corbusier. Unterwegs mit Bruno wurde Architektur lebendig. Er beobachtete genau, stellte Fragen und hörte zu. Nie drängte er seine Sichtweise auf, sondern eröffnete Räume für eigene Entdeckungen. Gerade in Indien, wo die Dichte, Widersprüchlichkeit und Intensität der gebauten Umwelt uns täglich herausforderten, zeigte sich seine Offenheit und seine Fähigkeit, auch im Unbekannten das Wesentliche zu erkennen. Dank ihm hat sich mein Horizont erweitert.

Brunos Architekturverständnis wurzelte im tiefen Verständnis in Konstruktion und Struktur, dass er sich unter anderem als Zimmermann angeeignet hatte. Er vermittelte mir, dass ein architektonischer Entwurf stets im Dialog mit Tragwerk und Konstruktion entsteht. Sein Respekt vor dem «Bauen», dem Handwerk, prägten sein Denken und seine Architektur. «Ohne Kenntnis und tiefe Auseinandersetzung mit Konstruktion und Struktur könnte ich nicht arbeiten», sagte er im Gespräch mit mir. Tatsächlich bleibt vielen Studierenden seine Rückfrage zur «Struktur» (mit kurzem «St-» und nicht mit «Scht-» ausgesprochen) in Erinnerung.

Mit Bruno auf dem Dach des Lingotto in Turin © Céline Dietziker

Auch als Chef war Bruno ein Förderer. Das durfte ich erleben, als ich nach dem Bachelorstudium in seinem Büro arbeitete. Er stellte sich nie in den Vordergrund. Im Gegenteil: Er nahm sich Zeit für alle Mitarbeitenden, erklärte geduldig und vermittelte damit Sicherheit. Mit seiner ruhigen Art war er im Büro ein Fels in der Brandung – für das Team ebenso wie für die Bauherrschaften. Seine Bescheidenheit zeigte sich nicht nur in seinem Wesen, sondern auch in seinem Auftreten: schlichtes schwarzes T-Shirt und meist Turnschuhe. Er brauchte keine Inszenierung, keine lauten Töne. Bruno war zudem ein leidenschaftlicher Läufer. Sein Durchhaltewillen und seine Beharrlichkeit zeichneten auch seine architektonische Arbeit aus. Er blieb konsequent, hartnäckig, bestimmt, ohne sich in den Vordergrund zu stellen. Das zahlte sich meist aus. Wenn ein Projekt hinsichtlich Kosten und Qualität genau aufging, sagte er oft mit einem leisen Lächeln: «Das war wieder einmal eine Punktlandung.»

Im Gespräch mit Bruno Trinkler © Armin Schärer / Architektur Basel

Bruno Trinkler hat mich geprägt. Mit leisen Tönen. Seine Ruhe, seine Herzlichkeit und seine Haltung werden fehlen. Besonders in Erinnerung bleibt sein Blick auf die Stadt, die zu seiner Wahlheimat geworden war: «Wenn ich Basel anschaue, so ist die Ausgewogenheit der Kräfte aus unterschiedlichen Zeiten sehr berührend und überzeugend.» Diese Ausgewogenheit hat auch Bruno selbst verkörpert. Mit seiner ruhigen Art war für mich ein wichtiger Lehrer und Förderer. Dafür bleibe ich Bruno für immer dankbar.

Text: Céline Dietziker / Architektur Basel