© Archivbild Einwohnergemeinde Riehen / R. Spreng
Die Meister der Basler Nachkriegsmoderne: Max Rasser und Tibère Vadi
Die Bauten der beiden Architekten Max Rasser und Tibère Vadi sind für die Basler Baukultur von unverzichtbarem Wert. Leider ist das Büro etwas in Vergessenheit geraten. Das wollen wir mit unserem heutigen Portrait ändern. Neben einigen Schulhäusern und ihrem bekanntesten Werk, dem Domus Haus in der Basler Innenstadt, entdeckt man in ihrem Oeuvre auch einige weniger bekannte Perlen, wie beispielsweise das inzwischen denkmalgeschützte Haus Sulzer oder das Haus Sponagel in Riehen.
Haus Sulzer in Riehen von Rasser & Vadi © Alfred Löhndorf, Basel
Max Rasser, der ältere der beiden Architekten, wurde 1914 als Sohn eines Baumeisters in Basel geboren. Er absolvierte eine Bauzeichnerlehre und besuchte 1933-37 die Württembergische Höhere Bauschule in Stuttgart. Nach seiner Studienzeit arbeitete Rasser in verschiedenen renommierten Architekturbüros, unter anderem bei Rudolf Christ (Kunstmuseum Basel) und bei Willi Kehlstadt (Casino Barfüsserplatz), bis er schliesslich 1947 sein eigenes Büro eröffnete.
Haus Sulzer in Riehen von Rasser & Vadi © Alfred Löhndorf, Basel
Tibère Vadi wurde 1923 geboren. Sein Vater war Architekt und arbeitete für das Hochbauamt Basel-Stadt. Auch Vadi schloss nach seiner Grundschulzeit eine Bauzeichnerlehre im Büro Dürig, Leu und Bräuning in Basel ab, wo er auch Max Rasser kennen lernte. Als Fachhörer besuchte er an der ETH in Zürich diverse Vorlesungen der Architektur. 1949 besuchte er bei einem mehrmonatigen Aufenthalt in Paris Vorlesungen an der Sorbonne und besichtig diverse Bauten von Le Corbusier, welche ihn nachhaltig prägten. 1947-51 nahm er an verschiedenen Wettbewerben, in Arbeitsgemeinschaften mit unterschiedlichen Architekten teil und gewann schliesslich 1951 den Wettbewerb für den Neubau das Niederholzschulhaus in Riehen.
© Archivbild Einwohnergemeinde Riehen / R. Spreng
Mit dem Gewinn des Schulhauswettbewerbes 1951 suchte Vadi nach einem Bauerfahrenen Partner. Max Rasser erhielt zur gleichen Zeit den Auftrag für ein grösseres Mehrfamilienhaus, für welchen er entwerferische Unterstützung suchte. Ein Bürozusammenschluss der beiden Architekten lag nahe, da sie sich ideal ergänzen konnten. Während der rund 30-jährigen Arbeitsgemeinschaft behielten sie die anfängliche Aufgabenteilung bei: Während Vadi bevorzugt entwirft, übernimmt Rasser die Akquisition und Realisation der gemeinsamen Bauten.
Das Domushaus im Jahre 1960 © Peter Moeschlin / StABS (Staatsarchiv des Kantons Basel-Stadt)
In der frühen Zeit ihrer Zusammenarbeit realisierte das Büro vor allem Einfamilienhäuser in der Umgebung von Basel, sowie das Schulhaus Niederholz (heute: Hebelschulhaus) in Riehen. 1953 gewannen sie schliesslich den Wettbewerb für das Gartenbad St. Jakob. Bei seiner Eröffnung 1955 war das Bad vielbeachtet, notabene das grösste der Schweiz. Die Kombination aus ein- und zweigeschossigen Garderobengebäuden- und Pavillons lehnen sich in ihrer plattenartigen Erscheinung an die holländische De-Stijl-Architektur an. Rasser und Vadi entwickelten über die Jahre ihrer Zusammenarbeit eine eigenständige Architektur. Abstrakte und einfache Kuben mit glatten Oberflächen, stark kontrastierende Hell- und Dunkeltöne und unprätentiöse, konstruktive Detaillösungen sind deren Merkmale. Es folgten Aufträge für ein Raubtiergehege im Zoo Basel, sowie die Erweiterung des Frauenspitals und mehrere Wohn- und Geschäftshäuser.
Grundriss Domus-Haus, 1958-59
Das wohl bekannteste Werk entstand 1959 mit dem Geschäftshaus Domus inmitten der Basler Innenstadt. Durch seine scharf geschnittene kubische Gestalt, die wohlproportionierte Gliederung und die unterschiedliche Transparenz seiner Vorhangfassade erreicht es eine Präsenz, die sich in diesem heterogenen Umfeld mit grossem Selbstverständnis behauptet. Wenige Materialien und Farben kommen vor am blanken Baukörper: weissliches Metall – von den Fassadenrändern bis zum Türgriff –, schwarze Fenster- und Türrahmen sowie mattes und klares Glas. Das hinter die Fassadenflucht zurückversetzte Erdgeschoss ist als Glashaus ausgebildet und lässt den eleganten Kubus mit den fünf Obergeschossen gleichsam schweben. Die transparente Fassade gibt den Blick frei auf die runden Stützen, die eine flexible Nutzung der Geschossflächen ermöglichen.
Parkrestaurant Lange Erlen von Rasser & Vadi, 1970
Dank regelmässigen Wettbewerbserfolgen und Direktaufträgen bauen Max Rasser und Tibère Vadi verschiedene Schul- und Bürobauten. Die Ölkrise 1973 führte zur wirtschaftlichen Rezession. Gebaut wurde nur noch wenig. Der rückläufigen Auftragslage folgten zum Ende ihrer gemeinsamen Tätigkeit vor allem kleinere Umbauten und Aufträge von privaten Bauherren. Tibère Vadi starb 1983 im Alter von nur 60 Jahren. Das gebaute Vermächtnis, das er zusammen mit Max Rasser hinterlassen hat, lebt bis heute.
Text: Daniel Gass / Architektur Basel