Im Quartier Bodmen in Reinach steht seit rund einem Jahr ein freundlich-einladender Holzbau, gehüllt in ein elegantes graublaues Kleid. Der neue Kindergarten von Lux Architekten aus Basel. Das grosse Dach fasst das Haus zusammen – und schafft eine grosszügige Veranda zum offenen Feld. Das eingeschossige Volumen ist, entsprechend dem Raumprogramm, in zwei unterschiedliche Höhen gegliedert. Über das niedrige Gebäudevolumen erreicht man den gedeckten Haupteingang und gelangt in die geräumige Garderobe. Mit Blick auf die nahe Agrikultur könnte in der Architektur die Analogie zu einem bäuerlichen Holzschopf lesen. Doch hier wird die rural-vernakuläre Schopf-Architektur mit Eleganz und Sorgfalt verbunden wird.
Das Volumen ist präzise gegliedert: Im tiefer liegenden Volumen befinden sich die Nebenräume wie Technik- und Materialraum sowie die Toiletten und der Aussengeräteraum. Über eine zweiflüglige Tür gelangt man aus der Garderobe in den höher ausgebildeten Gemeinschaftsraum mit direktem Zugang zum Aussenraum. Auch im Grundriss kommt die Präzision der Architektur zum Ausdruck: Er ist in vier Körper gegliedert, die unterschiedliche Nutzungen beherbergen. Zwischen den Körpern befinden sich die Garderobe und der Hauptraum, welche sich über die Fensteröffnungen mit dem Aussenraum verbinden. Teil des Hauptraums ist die offene Küche, diese wird ergänzt mit Arbeitsflächen auf kindergerechter Höhe. Ebenfalls im höheren Gebäudeteil befindet sich der Gruppenraum mit einer Galerie, welche über eine Leiter zugänglich ist. Die Galerie wird über ein Dachfenster natürlich belichtet und bietet einen wunderbaren Rückzugsort für die Kinder. Der Gruppenraum ist ausgestattet mit Sprossenwänden, welche auf spielerische Art die körperliche Betätigung fördern soll. Der teilweise gedeckte Aussenraum, ist mehrheitlich als befestigte Fläche aus wild verlegten Verbundsteinen ausgebildet. Ein Rundweg führt um den Kindergarten und erschliesst die rückseitigen Anlagen wie ein Weidenhäuschen und ein Pflanzbeet. Das zwischen vier Baumstämmen aufgespannte Sonnensegel steht dabei in Konkurrenz zur filigran-schmucken Architektur des Kindergartenbaus. Hier hätte ein etwas grösserer Abstand oder eine zurückhaltendere Form der Gestaltung gut getan.
Die Fassade des Holzbaus zeichnet die vier Körper ab, einerseits als Deckelschalung mit Lochfenstern, andererseits als Bandfenster mit offener Schalung. Das Vordach übernimmt den konstruktiven Wetterschutz und bietet den Nutzern einen grosszügig gedeckten Aussenraum. Im Innenraum sind alle Einrichtungen auf die kleinen Benutzer abgestimmt. Von der kindergerechten Höhe der Fenster über den Höhenversatz in der Küchenkombination bis hin zu den Griffen der Toilettentüren. Die unterschiedlichen Raumhöhen werden über ein durchlaufendes Fries auf 2.10 m zusammengefasst. Unterhalb dieses «Horizonts» sind die verschiedenen Wandmaterialien entsprechend der Raumnutzungen gewählt. Oberhalb ist die Wand mit Akustikpaneelen verkleidet. Letztere sind farblich unterschiedlich gestaltet, in der Garderobe in einem hellen Naturton und im Hauptraum in einem dunkeln warmen Rotton gewählt. Der dunkle Farbton, im Kontrast zu der hellen Holzverkleidung, unterhalb vom Fries, ermöglicht eine optische Unterteilung des Raumes. Im Hauptraum wird der Horizont nochmals durch die Lage der Leuchten und durch waagrecht gespannte Drahtseile, als mögliche Raumtrennungen, unterstrichen.
Insgesamt wirkt die Materialisierung und Detailierung im Innern äusserst stimmig. Die bereits in der äusseren Erscheinung anklingende Sorgfalt der Architekten im konstruktiven Umgang findet hier ihre Fortsetzung. Die hexagonalen Fliesen in der Toilette sorgen für eine hygienisch-wohnliche Stimmung. Auch die Leuchten – sei es an Wand oder Decke – sind sorgfältig ausgewählt und positioniert. Die Beleuchtung der Räume ist angenehm austariert. Was bleibt von Besuch in Reinach? Die Gewissheit, dass auch in der vielgescholtenen Agglo-Einöde die eine oder andere architektonische Blüte zu finden ist.
Ort: Stockmattstrasse 18, 4153 Reinach
Bauherrschaft: Gemeinde Reinach
Architektur / Bauleitung: Lux Architekten, Basel
Wettbewerb: 2013
Planung: 2014-2015
Ausführung: 2015 – 2016
Bausumme: CHF 1‘175‘000.-
Ingenieur: Dill & Partner, Oberwil
Fotos: Copyright Weisswert, Basel