Morgen- und Abendsonne samt Blick ins Grüne: Alterswohnen in Arlesheim

0

In welchem Umfeld möchte ich wohnen? Was muss meine Wohnung können? Darf es eine Wohngemeinschaft sein oder doch lieber vier eigene Wände? Die Wohnungsfrage beschäftigt uns ein ganzes Leben lang und da wir immer älter werden auch noch im hohen Alter. Vom klassischen Alters- und Pflegeheim bis zum Serviced Apartment werden heute die unterschiedlichsten Wohnformen nachgefragt. Die Arlesheimer Stiftung Obesunne setzt sich bereits seit 1963 mit dieser Thematik auseinander. Zweck der Stiftung ist die Fürsorge älterer Menschen, sowie die Förderung von sozialem Wohnungsbau. Zum Portfolio gehören neben neunzig Pflegeplätzen unter anderem ebenso viele Alters- und neunzehn Familienwohnungen. Die Nachfrage nach angemessenem Wohnraum im Alter ist hoch. Seit April 2021 ist das Angebot nun um acht Wohnungen reicher. Die Stiftung engagierte dafür das Basler Büro Kunz und Mösch Architekten.

Das Steildach fügt sich gut in die Umgebung ein © Daisuke Hirabayashi

Das Steildach fügt sich gut in die Umgebung ein © Daisuke Hirabayashi

Die Anlagen der Stiftung erstrecken sich über mehrere Strassen. Das Ensemble am Ende des Bromhübelwegs besteht aus mehreren unterschiedlich hohen, aneinandergebauten Gebäuden. Ein siebengeschossiger Wohnturm markiert den höchsten Punkt der Bebauung. Ein Querbau mit integrierter Autoeinstellhalle im Erdgeschoss bildet den Abschluss gegen Osten. Auf dem bis anhin vierstöckigen Flachdachbau thront nun ein zusätzliches Geschoss.

Grundriss Aufstockung Obesunne © Kunz und Mösch Architekten

Der Zugang zur Aufstockung führt über das bestehende Treppenhaus im Übergangsbereich vom Querbau zum Turm. Die letzten beiden Treppenläufe sind ergänzt worden. Ein maximal grosses Treppenfenster mit Blick aufs Goetheanum markiert den Übergang zum Neubau. Der bestehende Lift im Querbau wiederum wurde nicht verlängert; ein Umbau wäre unverhältnismässig gewesen. Stattdessen kann der nahe Lift des Wohnturms über eine interne Verbindung mitbenutzt werden. Die konstruktiv bedingt unterschiedlichen Geschossniveaus von Alt- und Neubau bedingen zwei Rampen. Dies ist etwas umständlich. Ein räumlich inszeniertes Sitzmöbel entspannt die Situation.

Aufstockung Obesunne © Kunz und Mösch Architekten

Während die unteren Geschosse über einen zentralen, etwas dunklen Gang zwei Zimmerreihen bedienen, verzichtet die Aufstockung auf eine klassische Anordnung. Die acht Wohnungen reihen sich entlang der Ostfassade auf. Ein Gemeinschaftsbereich erstreckt sich über die gesamte westliche Gebäudehälfte. Eine eingezogene Loggia zoniert den nun fast etwas zu grossen Raum in zwei ungleiche Hälften. Eine Theke mit Teeküche bildet den Mittelpunkt der grösseren Hälfte.

Ein grosszügiger Gemeinschaftsraum © Daisuke Hirabayashi

Ein grosszügiger Gemeinschaftsraum © Daisuke Hirabayashi

Rund siebenunddreissig Quadratmeter misst eine Wohnung inklusive eines hindernisfreien Bads. Dazu kommt nochmals ungefähr fünf Quadratmeter Balkonfläche. Damit sind die neuen Wohnungen um einiges grösser als jene im Altbau. Organisiert sind sie denkbar einfach. Das Bad unterteilt die Wohnfläche in einen privaten Wohn- und Schlafbereich und ein Entrée. Neben einer Garderoben- und Schrankfront beinhaltet letzteres eine kleine Teeküche mit einem Fenster zum Gemeinschaftsraum. Bei Bedarf schafft eine zusätzliche Schiebetüre Privatsphäre. Bis auf eine Wohnung im Bereich der Loggia funktionieren alle Einheiten nach demselben räumlichen Prinzip.

Das Entrée mit Teeküche und Blick in den Gemeinschaftsraum © Daisuke Hirabayashi

Das Entrée mit Teeküche und Blick in den Gemeinschaftsraum © Daisuke Hirabayashi

In der Oberflächengestaltung bedienten sich die Entwerfenden hölzerner Materialien. Die gesamten Böden kommen in einem geölten Eichenparkett daher. Die zwölf Zentimeter breiten Dielen wirken hochwertig und strahlen Wärme aus. Für die Decke entschied man sich für einfache Dreischichtplatten aus Fichte. Ebenso für die Wände. Diese sind wahlweise in einem hellgrauen Farbton gestrichen und verleihen den Räumen ein wenig Kontrast. Eine dunklere Farbe hätte wohl mehr Spannung aufgebaut. In Gegenwart der haptisch und optisch anspruchsvollen Eichenholzoberflächen wirken die hellgrau gestrichenen Dreischichtplatten bisweilen etwas fad. Umso besser kommen die durchwegs schwarzen Lichtschalter und Steckdosen zur Geltung. Überhaupt haben die Architektinnen und Architekten einiges an Aufwand betrieben, um den vielen nötigen Installationen vom Lüftungsgitter bis zum PatientInnenrufsystem eine einheitliche Gestaltung zu verschaffen. Selbst mit den hellblauen Glasmosaikfliesen in den Bädern funktionieren die schwarzen Installationen bestens. Beleuchtet werden alle Räume über direkt an die Decke montierte weisse, textile Rundleuchten. In den Bädern finden sich angenehm kleine Deckenleuchten aus Glas.

Wohn- und Schlafbereich mit Blick ins Grüne, links das Bad © Daisuke Hirabayashi

Wohn- und Schlafbereich mit Blick ins Grüne, links das Bad © Daisuke Hirabayashi

Die Aufstockung ist als Holzelementbau konstruiert. Das Bad bildet eine abgeschlossene Box, die als vorgefertigtes Modul angeliefert und montiert wurde. Das Schrägdach funktioniert als Kaltdach ausserhalb des Dämmperimeters. Bei sommerlichen Temperaturen resultiert im grossen hinterlüfteten Dachraum kein Hitzestau. Eine Holzschalung aus sägeroher, in dunklem Schwarzbraun gestrichener Weisstanne komplettiert die Aussenwirkung. Aufgrund der grossen Verglasungen kommt die dunkle Schalung aber nur im Bereich der Stirnseite des Gebäudes wirklich zur Geltung. Nichtsdestotrotz gliedert sich die Aufstockung gut in die Umgebung und die bestehenden Gebäude ein. Einzig die externe Fluchttreppe wirkt etwas gar massiv, verschwindet optisch aber im starken Bewuchs des ansteigenden Hangs.

Alle Wohnungen haben Zugang zum Balkon © Daisuke Hirabayashi

Alle Wohnungen haben Zugang zum Balkon © Daisuke Hirabayashi

Nun müssen sich die Alterswohnungen im Alltag bewähren. Dank des Fensters zum Gemeinschaftsraum profitieren die Bewohnerinnen und Bewohner sowohl von Morgen- als auch Abendsonne. Die üppigen Balkone bieten vom Regen geschützte Aussenräume und einen Ausblick ins Grüne, der nichts zu wünschen übrig lässt. Man möchte fast fragen: Sind acht Wohnungen denn genug?

Text: Simon Heiniger / Architektur Basel


Quellen:
– Fotos: © Daisuke Hirabayashi
– Pläne: Kunz und Mösch Architekten GmbH

 

 

Comments are closed.