Must see: Unsere Top 10 für das Open House Basel 2023

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Alle Jahre wieder. Anfang Mai öffnen sich in Basel zahlreiche Türen und Tore zu bedeutenden Bauten. Das Open House Basel ist ein besonderes Highlight für alle Freund:innen der guten Architektur, die dem lokalen baukulturellen Schaffen ein Wochenende lang den Puls fühlen wollen.  Zu sehen gibt es einen bunten Blumenstrauss der hiesigen Baukultur: Vom umgebauten, historischen Pfarrhaus bis zum neusten, 200 m hohen Bürohochhaus. Wie immer hat man die Qual der Wahl: Eindrückliche 106 Bauten umfasst das Programm. Esther Baur und ihr Team haben erneut ganze Arbeit geleistet. Grossartig! Der Fächer zwischen Historischem und Zeitgenössischem ist dieses Jahr besonders ausgewogen. Das finden wir toll. Um euch die Wahl der Bauten zu vereinfachen, haben wir ein kleines «Must see» mit zehn Häusern zusammengestellt, die wir unbedingt besichtigen würden. Be there or be square!

01 Wohngenossenschaft im Vogelsang

Siedlung ‹Im Vogelsang› (1925) von Hans Bernoulli © TagesWoche

Wir starten mit einem ganz besonderen Klassiker von Hans Bernoulli: Die Siedlung «Im Vogelsang» entstand 1925 als eine Bauförderung gegen die grosse Wohnungsnot nach dem ersten Weltkrieg. Die Häuser sind von kargen geometrischen Verhältnissen geprägt, besitzen eine hohe geschlossene Dachfläche, eine zentrale Haustüre und bestehen durchgehend aus Backsteinmauerwerk. Ihre durchgestaltete Zweckmässigkeit weist denn auch eine strikte Trennung von Strassen- und Gartenraum auf: Uniformität und Geschlossenheit auf der einen, Individualität und Offenheit auf der anderen Seite. Dieser Unterschied von der Strassen- und Schauseite zu den Innenhöfen mit den persönlich gestalteten Gärten ist frappant.

 

02 Hofhäuser Isteinerstrasse

© Lukas Gruntz / Architektur Basel

Eine unbekannte Ikone von Diener & Diener: In der Frage nach einer massvollen Verdichtung des städtischen Raumes, leisten diese Hofhäuser seit 20 Jahren einen wertvollen Beitrag. In ihrer Volumetrie beziehen sie sich auf die Typologie der niedrigen Werkstattbauten und aktivieren dabei den geschützten Hofraum für Familien und Kinder. Die Reihenhäuser Isteinerstrasse befinden sich im Innenhof einer überwiegend sechsgeschossigen Blockrandbebauung. Die Aneinanderreihung von Wohneinheiten führt zu einem langgestreckten horizontalen Volumen von drei Stockwerken. Das Obergeschoss ist beidseitig zurückgesetzt und bildet ein Dachgeschoss. Die Längsfassaden sind geprägt von großen Fenstern mit dunklen Flügeln. Die Hofhäuser zeugen von einem einem entspannten Umgang mit der Frage der Nachverdichtung. Damit sind sie auch nach 20 Jahren noch ein relevanter Beitrag.

03 Lysbüchel

© Clauss Kahl Merz

Auf den Lysbüchel hat sich im vergangenen Jahr erneut viel getan. Es ist der Hotspot des zeitgenössischen Wohnungsbaus der Schweiz. Die radikalsten Wohnexperimente der Gegenwart finden sich auf dem Lysbüchel. Sie heissen Dirty Harry, Abakus, Deux Chevaus, Stadtkind oder Lyse-Lotte un versprechen einen spannenden Blick auf die Frage des gemeinschaftlichen und gemeinnützigen Wohnungsbaus. Hier lässt sich der Puls des zeitgenössischen Wohnungsbaus in Basel fühlen. Voreischauen lohnt sich auf jeden Fall!

04 Landskronhof

© Maris Mezulis

Ein besonderes Spektakel im Hinterhof: Der Landskronhof ist ein spezifisches Verdichtungsprojekt innerhalb eines bestehenden Mehrparzellenhofes. Dabei wurde grosses Augenmerk auf die Begrünung des Bodens, grosszügige Terrassen und die Fassade gelegt. Von den 15 Wohnungen mit unterschiedlichen Grössen verfügen mehrere eine Maisonette-Lösung. HHF Architekten zeigen sich hier in Bestform. Wie man ein komplexes Raumprogramm in einen Hof einschmiegt, zeigt sich im Landskronhof exemplarisch.

 

05 Westfeld

© Kathrin Schulthess

Der genossenschaftliche Wohnungsbau in Basel lebt: Davon kann man sich auf dem Westfeld überzeugen. Neben dem Lena-Haus kann das «Schiff», das umgenutzte Spitalgebäude, besichtigt werden. Nachdem das ehemalige Felix Platter-Spital aus den 1960er-Jahren unter Denkmalschutz gestellt war, begann der Umbau in ein sogenanntes «Miteinanderhaus». Eine Kaskadentreppe zieht sich durch das gesamte Gebäude: vom Erdgeschoss mit seinem einladenden Foyer und den Gewerberäumen sowie Quartier- und Nachbarschaftsangeboten über die Wohnetagen bis zum Gemeinschaftsraum mit Dachterrasse, der von den Bewohner*innen genutzt wird. Seit Januar 2023 ist das markante Gebäude – heute «Schiff» genannt – neu im Betrieb.

 

06 Tennishalle Allschwil

© Johanna Bindas / Architektur Basel

Eine kaum bekannte Architekturikone von Betonschalenpionier Heinz Isler: Der Sitz der Swiss Indoors Basel tritt in erster Linie durch eine elegante und effiziente Betonschalenkonstruktion in Erscheinung, die fünf Tennisplätze überdacht. Sie ist gegliedert in vier Betonschalen, wovon jede eine Fläche von 18.4 x 48 Meter stützenfrei überspannt. An der dünnsten Stelle ist der Beton nur 9 cm dick. In der Aussenansicht vermittelt dieses grosse, elegante Tragwerk auf bemerkenswerte Weise zu den kleineren Wohnbauten im umliegenden Quartier. Die Grosszügigkeit des Bauwerkes und seine räumlichen Qualitäten erschliessen sich im Innenraum auf überraschende Weise.

 

07 Pfarrhaus Elisabethen

© Vécsey*Schmidt Architekten

Mit feiner Klinge haben Vécsey Schmidt das historische Haus an der Elisabethenstrasse renoviert: Das Gebäude wurde 1867 nach Plänen von Johann Jakob Stehlin dem Jüngeren als Abschluss des kirchlichen Bauprogramms aus Elisabethenkirche, Pfarrgarten und Pfarrhaus erstellt. Im grösseren Kontext gilt es als Teil des von J.J.Stehlin geplanten ‘Kulturzentrums’ am Steinenberg, einem städtebaulichen Ensemble, das vom Barfüsserplatz bis zum Bankverein reichte, bestehend aus Kunsthalle, Skulpturenhalle, Musiksaal, Theater und Steinenschulhaus. Das Umbauprojekt umfasste eine Restaurierung der Fassade und des Daches, die Wiederherstellung der repräsentativen Beletage sowie den von Zurückhaltung geprägten Ausbau der Dachgeschosse. Jede Etage erhält einen ihr eigenen Charakter, das Haus lebt von der Vielfalt der Räume und Nutzer:innen.

 

08 Hauptsitz Christoph Merian Stiftung

© Lukas Gruntz / Architektur Basel

Let’s see Herzog & de Meuron’s newest Baby: Anstelle der ehemaligen Schulzahnklinik im Hof der St. Alban-Vorstadt 12, ist ein dreigeschossiger Holzbau, entworfen von Herzog & de Meuron, entstanden. Zusammen mit dem klassizistischen Vorderhaus, dient er der Christoph Merian Stiftung (CMS) als Hauptsitz. Nach gründlicher Abwägung verschiedener Umbauvarianten, entschloss sich die CMS für einen nachhaltigen Neubau aus Holz. Die Stiftung ist Eigentümerin von 340 Hektaren Wald und zudem Aktionärin bei Fagus Suisse, einem Unternehmen, das Buche als Baustoff fördert. Beim neuen Stiftungssitz kommt regionales Buchenholz als tragendes Bauelement im lnnern, für massive Brettstapeldecken sowie für den lnnenausbau zum Einsatz. Die der Witterung ausgesetzten Holzbauteile an der Fassade sind aus Fichte und Lärche. Ob der Neubau das architektonische Niveau des legendären Geschwister an der Hebelstrasse erreicht, lässt sich vor Ort beurteilen.

 

09 Haus Gmür

© Silvia Gmür Reto Gmür Architekten

Eine besondere Architekturikone in Riehen: Das Wohnhaus von Silvia Gmür in Riehen nimmt im kulturellen und intellektuellen Werdegang der Architektin den Rang eines Erstlingswerkes ein, auch weil Planer und Bauherr ein und derselbe sind. Silvia Gmür hantiert hier mit einem Lexikon, das in die Tradition des nordischen Expressionismus gehört. Sie beugt den Rhythmus und die planimetrische Ordnung und privilegiert die Ecke als Element der Lichtsteuerung und als Möglichkeit, den Raum zu öffnen. Sie spielt mit den Relationen zwischen den Volumen, um sich in den Himmel zu schwingen oder ins Erdreich einzudringen. Die Wiederentdeckung der Holzrahmenbauweise erlaubt den Einsatz von Holz als wichtigstem Baustoff. Es werden dabei bauliche Logiken bevorzugt, die die Strukturen gleichsam verflechten und dabei ihre Kupplungsstücke, ihre Gelenke und Steckverbindungen zeigen.

 

10 Bruder Klaus Kirche

Römisch-KatRömisch-katholische Kirche Bruder Klaus, Birsfelden © Börje Müller Fotografieholische Kirche Bruder Klaus, Birsfelden © Börje Müller Fotografie

Römisch-katholische Kirche Bruder Klaus, Birsfelden © Börje Müller Fotografie

Die kleine Schwester von Corbus Meisterwerk in Ronchamp: Die Bruder Klaus Kirche in Birsfelden von Architekt Hermann Baur ist eine der bedeutendsten Kirchen der Nachkriegsmoderne Baselland. Der Raum wird durch frei gestellte, gerade oder geschwungene Wände und Decken begrenzt. Der Lichteinfall ist durch unregelmässig gesetzte, farbig verglaste Lichtkammern rhythmisch gestaltet und die umschlossenen wie die ausgegrenzten Raumformen haben eine einprägsame, plastische Gestalt. Dank der vertieften Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Beton ist es Hermann Baur, gemeinsam mit vielen Kunsthandwerkern gelungen, eine Raumform mit einer zeitlosen Qualität zu schaffen.

Artikel: Lukas Gruntz / Architektur Basel


weitere Infos und das ganze Programm findet man hier
> www.openhouse-basel.org

 

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